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Grüne Gewölbe, Dresden
Seit Freitag nun gibt es auch eine akustische Hörführung für Kinder - zunächst durch das Neue Grüne Gewölbe. «Sie ermöglicht es, mit dem Schlossgeist durch die Räume zu gehen und die Schätze spielerisch auf ganz eigene Art zu entdecken», sagte der Direktor des einzigartigen Schatzkammermuseums, Dirk Syndram, der dpa. Mädchen und Jungen aus einem Dresdner Kindergarten waren die ersten, die im Residenzschloss den Geschichten einer «Geistermajestät» lauschten und die von August dem Starken gesammelten Meisterwerke bestaunen durften.
Der väterliche, manchmal leicht großspurige und aufbrausende Herrscher eröffnet den Geschwistern Leo und Clara bei dem gut einstündigen Rundgang eine neue Welt. «Dies, meine Lieben, ist das Mikrokabinett. Kommt, tretet näher und steigt auf einen Hocker», macht er sie neugierig, um die 113 Gesichter auf dem berühmten Kirschkern im Befehlston zur Auskunft zu animieren: «Wer seid Ihr, wer schnitzte Euch und warum?» Im vielfachen Stimmengewirr hallt es zurück: «Wir sind ein Wunderwerk.» Dem ersten Staunen folgt ein Schock für Clara, als die Netzglasspinne sie mit falschfreundlichem Singsang zu umgarnen sucht. «Kind, Du bist den Zauberkünsten der venezianischen Glasbläser erlegen», lacht seine «Geistermajestät».
«Aber, bitte, schöne Göttin, können Sie dem Jungen mit dem Bogen sagen, er soll mit seinem Pfeil nicht dauernd auf mich zielen», beschwert sich Leo derweil bei der Venus der Venusschale. «Das ist Amor, mein ständiger Begleiter, seine Pfeile töten nicht, sie machen verliebt», antwortet sie. «Verliebt! Nein, bloß nicht, das ist doch was für Mädchen», protestiert Leo und verweist auf seine Schwester. Das amüsiert auch den Nachfahren des legendären Sachsen-Kurfürsten und Polen-Königs Friedrich August I., genannt der Starke (1670-1733). «Schön ist, dass er leicht sächselt», freut sich Alexander Prinz von Sachsen.
Er ist Präsident des Vereins Freunde des Grünen Gewölbes, der die Herstellung durch die Berliner Acoustiguide GmbH finanzierte. Bei der Erarbeitung der Kinder-Hörführung für das Neue Grüne Gewölbe Dresden halfen die Erfahrungen der Museumspädagogen und Kinder. Im modernen Teil des einstigen königlichen Schatzkammermuseums sind 1071 Meisterwerke der Juwelier- und Goldschmiedekunst zu sehen. Dort können Prunkgegenstände und - gefäße wie das «Bad der Diana», eine Fregatte aus Elfenbein sowie das Goldene Kaffeezeug und «Der Thron des Großmoguls Aureng Zeb» von Barock-Hofjuwelier Johann Melchior Dinglinger en detail betrachtet werden.
Wie auf einer Reise durch die Märchenwelt lauschen hier Clara und Leo und mit ihnen die jüngsten Museumsbesucher unter Meeresrauschen und dem Trompeten von Elefanten der Reise des Elfenbeins zu den Dresdner Hofdrechslern. Sie erleben, wie die «Kurfürstin von Caffee, Kakao und Teehausen» ihre 44 Tassen, Teller und Zuckerdöschen dirigiert und sich jedwede Berührung sowie die profane Betitelung «Kaffeekanne» verbittet. Und schließlich tauchen sie, angelockt von orientalischer Musik und Festatmosphäre in das Geburtstagsfest des indischen Herrschers. Dabei gibt es für Museumschef Syndram keine Altersgrenze: «Das kann auch was für 85-Jährige sein.»
(Internet: www.skd-dresden.de)
Das Grüne Gewölbe in Dresden Dresden (dpa/sn) - Das 1723 bis 1729 eingerichtete Grüne Gewölbe ist eine der reichsten Schatzkammern und eines der ältesten Museen Europas. Ihren Namen verdankte die um 1550 entstandene «Geheime Verwahrung» - so der ursprüngliche Name - malachitgrünen Abfärbungen einzelner Bauteile. Sachsen-Kurfürst und Polen-König Friedrich August I. (1670-1733), genannt August der Starke, ließ die tresorartigen Räume im Residenzschloss um 1723 von Architekt Matthäus Daniel Pöppelmann zum öffentlichen Schatzkammermuseum ausbauen. Dort wurden Meisterwerke der Juwelier- und Goldschmiedekunst, aus Elfenbein, einmalige Steinschnitte und kostbare Bronzestatuetten aufbewahrt.
Die Sammlung reicht von seltenen Trinkgefäßen des Mittelalters, verspielten Luxusgegenständen der Renaissance und des Frühbarock bis zu Figuren von Bildhauer Balthasar Permoser oder Prunkschalen und Kabinettstücken von Hofjuwelier Johann Melchior Dinglinger. Während andere Sammlungen in Notzeiten eingeschmolzen oder veräußert wurden, überstand das Museum alle Wirren bis zum Zweiten Weltkrieg. 1945 fielen drei der acht Räume den Bombenangriffen auf Dresden zum Opfer. Die Kostbarkeiten aus Gold, Edelsteinen, Perlmutt, Bernstein, Korallen oder Perlen waren schon 1942 ausgelagert worden.
Im Mai 1945 beschlagnahmte die Rote Armee auch diese Sammlung und brachte sie nach Moskau. Erst 13 Jahre später kehrte sie zurück, wobei etwa 100 Stücke bis heute fehlen. Von den insgesamt rund 4000 Stücken konnte aus Platzgründen von 1974 an nur ein kleiner Teil gezeigt werden, der Rest blieb im Depot. Im September 2004 wurde im Schloss mit dem Neuen Grünen Gewölbe und 1071 Stücken ein moderner Teil der Schatzkammer wiedereröffnet. Zwei Jahre später folgte das Historische Grüne Gewölbe mit 3000 Exponaten in den rekonstruierten Räumen.
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