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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Paris rehabilitiert Spätwerk Chiricos: ein «früher Jeff Koons» PDF Drucken E-Mail
Samstag, 14. Februar 2009 um 11:11 Uhr

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Kunst, Kitsch, Ausstellung, Chirico


Das Museum für moderne Kunst der Stadt Paris hofft nun mit einer umfangreichen Werkschau das Gesamtwerk eines der bedeutendsten Künstlers des 20. Jahrhunderts in ein neues Licht zu rücken. «Die Zeiten und vor allem der Geschmack haben sich geändert. Mit Jeff Koons ist der schlechte Geschmack salonfähig geworden», sagte der Direktor des Pariser Museums Fabrice Hergott.

Ein Wagnis, denn neben Chiricos bekannten Gemälden leerer Plätze und gesichtsloser Puppen zeigt die 170 Werke große Ausstellung «Giorgio de Chirico, Die Traumfabrik» ebenso viele Arbeiten, die nach 1930 entstanden sind. Eine Zeit, in der Chirico zunehmend mit seiner Vergangenheit brach und sich in eine pathetische Malweise flüchtete, die später für viele in Kitsch endete.

«Man täte Chirico, der zu den großen Künstlern des 20. Jahrhunderts gehört, einen Gefallen, wenn man das Spätwerk nicht mehr öffentlich zur Schau stellen würde», lautete kurz vor der letzten großen Retrospektive in Paris vor 25 Jahren das Urteil vieler Kunstkritiker. Inzwischen hat sich der Kitsch-Begriff, so wie er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verwendet wurde, verändert. Das Schlagwort, mit dem vermeintlich Minderwertiges bezeichnet wurde, hat sich unter Kitsch-Art in die Kunstwelt eingeschlichen. Jeff Koons ist heute mit seinen aufgeblasenen Comicfiguren einer der teuersten zeitgenössischen Künstler.

Den Auftakt der Ausstellung, die bis zum 24. Mai dauert, machen jedoch Chirocos Werke, die zwischen 1910 und 1930 entstanden sind, darunter auch «Das Rätsel eines Herbstnachmittags», eines seiner ersten metaphysischen Bilder. Ein Gemälde, das einen verwaisten italienischen Platz zeigt, auf dem ein kulissenhaftes Arkaden-Gebäude zu sehen ist. Die starken Schlagschatten vermitteln ein Gefühl latenter Bedrohung, das in fast allen Werken seiner «metaphysischen Malerei» präsent ist. Der französischen Schriftsteller und Surrealisten Guillaume Apollinaire prägte den Begriff «metaphysisch» und er war es auch, der mit Bezug auf Chiricos Arbeiten von
«metaphysischen Landschaften» sprach.

Der Dichter war ein Förderer des Erfinders der «Pittura metafisica», der ab 1911 für vier Jahre nach Paris ging und dort mit der literarischen und künstlerischen Avantgarde verkehrte. Das Porträt seines Gönners ist deshalb auch gleich zu Beginn der Ausstellung zu sehen und zeigt einen Apollinaire mit steinernem Gesicht und dunkler Ray-Ban ähnlicher Brille vor einer traumhaften Architekturlandschaft. Zu den bekanntesten Arbeiten des Malers gehört auch das Gemälde «Die beunruhigenden Musen» von 1918. Ein Titel, der für das Frühwerk fast schon Manifest-Charakter hat, denn seine drapierten und gesichtslosen Gips- und Steinfiguren wirken bedrückend und machen Angst, so wie der verwaiste Platz auf dem sie stehen.

Von diesen Werken wie «Metaphysisches Interieur mit großer Fabrik», «Das Rätsel der Ankunft» und «Die Ungewissheit des Dichters», Leihgaben bekannter Museen aus Deutschland und London, geht es über zu seiner «barocken» Malerei, die Chirico für viele zum Gegner der Modernen werden ließ. Ein Rätsel stellen auch seine muskulösen Pferde mit rosa Schleife und rotem Federschmuck am Ägäischen Meer dar oder seine Schwäne und Fasane, die Comicfiguren gleichen und sich vor einer antiken Säulenarchitektur in die Höhe schwingen.

«Chirico hat sich gerne über die Kunstwelt lustig gemacht. Er wollte mit diesen Werken provozieren und war letztendlich einem Jeff Koons oder einem Martin Kippenberger Jahrzehnte voraus», erklärte der Direktor des Museums. Sein Abenteuer, wie er selber seine Ausstellung, nennt, könnte erfolgreich sein, denn die Ausstellung führt den Besucher langsam an das Spätwerk des Malers heran, der heute auch an die Mixtur aus Kitsch und Kunst gewohnt ist.



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