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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Vor der «Jahrhundertauktion» in Paris stören allein Ansprüche Chinas PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 19. Februar 2009 um 07:41 Uhr

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Yves Saint Laurent, Bergé, Sammlung, Millionen


Denn sie stammen aus der kostbaren Sammlung des im August 2008 gestorbenen Modeschöpfers Yves Saint Laurent und dessen Lebensgefährten Pierre Bergé und kommen in wenigen Tagen unter den Hammer. Wohl noch nie wurde eine Auktion in der französischen Metropole so in Szene gesetzt. Christie's hat für 300 000 Euro das riesige Pariser Grand Palais gemietet und es für eine Million Euro ausgestaltet. Denn bevor die 700 Kunstwerke und Objekte unter der 45 Meter hohen Glaskuppel des Grand Palais Anfang nächster Woche den Besitzer wechseln, werden sie am Wochenende ein letztes Mal zusammen in ihrer ganzen Pracht zu sehen sein. Am Montag beginnt dann der von manchen als «Jahrhundertauktion» bezeichnete Verkauf im Grand Palais und dauert bis zum Mittwoch (23.-25.2.).a

Der Medienrummel ist enorm, sorgfältig vorbereitet von dem Geschäftsmann Pierre Bergé und dem Auktionshaus. Der findige Financier, der mit Yves Saint Laurent nicht nur zusammen die einzigartige Kollektion aufgebaut hat, sondern auch dessen Modehaus, hat die Seine-Stadt deshalb gewählt, um dem Pariser Kunstmarkt «den Glanz zurückzugeben, den er verloren hat». Bis jetzt scheint ihm dies gelungen zu sein. Bei Christie's steht das Telefon nicht mehr still: Journalisten bitten um Vorabbesichtigungen und Kunstliebhaber aus aller Welt melden sich zur Versteigerung an.

Das Schaulaufen wäre fast perfekt, gäbe es da nicht die Rückgabeforderungen Chinas. Die chinesische Regierung verlangt zwei Bronzeskulpturen zurück, die jeweils den Kopf eines Hasen und einer Ratte abbilden. Die beiden Tierköpfe stammen aus der Zeit um 1743 und wurden von dem Kaiser Qianlong für seinen Sommerpalast in Peking in Auftrag gegeben. China will die seltenen Stücke wiederhaben, weil sie während des Zweiten Opiumkriegs von Frankreich und England gestohlen worden seien. Christie's hingegen besteht darauf, dass die Herkunft aller Objekte klar und eindeutig sei.

Die Sammlung ist nicht nur aufgrund ihres Umfangs einzig, sondern auch wegen ihres eklektizistischen Charakters. Denn sie reicht vom 3000 Euro teuren Quarzkristall bis hin zu Lampen und Vasen von Alberto Giacometti und dem Stillleben von Pablo Picasso, «Instruments de musique sur un guéridon» (etwa: Musikinstrumente auf einem kleinen runden Tisch), das auf 25 bis 30 Millionen Euro geschätzt wird.

Die Kollektion ist in 50 Jahren gemeinsamen Sammelns und Lebens entstanden. «Jeder hatte seinen Geschmack. Das einzige Kriterium für unsere Kollektion war die Qualität», sagte Pierre Bergé, der selber ein Auktionshaus besitzt, Pierre Bergé & Associés, das ebenfalls an der Jahrhundertauktion beteiligt ist.

Mit dieser Sammlung aus Afrika, Asien, Amerika und Europa schmückten sich die beiden Männer ihre Pariser Prachtwohnungen. Man kombinierte nicht nach Epochen oder Stile. Und so stand bei Yves Saint Laurent in der Eingangshalle ein römischer Torso aus Marmor in der Nähe der postimpressionistischen «Träumenden Marie» von Edouard Vuillard, die auf 1,5 Millionen Euro geschätzt wird. Für die Ausstellung im Grand Palais wurden die Zimmer der holzgetäfelten und mit edlen Stoffen und Teppichen ausgelegten Domizilien zum Teil rekonstruiert.

«Trotz der Krise hoffe ich, dass wir an die 300 Millionen Euro erzielen werden. Wir haben eine der letzten bedeutenden Privatsammlungen in Europa und ich bin sicher, dass die Museen von Russland bis Amerika hier eine einmalige Chance sehen», hofft Pierre Bergé. Den Millionen-Erlös will der Geschäftsmann seiner Aids- Stiftung zukommen lassen.

(www.christies.com)


Yves Saint Laurent: Eine der bedeutendsten Privatsammlungen Europas



Paris (dpa) - Mit mehr als 700 Kunstwerken und Objekten zählt die Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé zu den größten Privatsammlungen Europas. Sie erstaunt durch ihre Bandbreite, denn neben 400 bis 10 000 Euro teuren Dolchen aus Indien und der Türkei, unzähligen Löwenskulpturen - der Löwe war das Sternzeichen von Yves Saint Laurent - finden sich in der vielfältigen Kollektion ein auserlesener Wandteppich des Präraffaeliten Edward Burne-Jones, Jugendstilmöbel, Werke von Ingres, David und Delacroix ebenso wie Hauptwerke von Picasso und Matisse.

Die weder nach Stilen noch Epochen zusammengesetzte Sammlung ist Ende der 50er Jahre entstanden. Das erste gemeinsame Sammelstück war ein riesiger Holzvogel aus Afrika. Doch den Grundstein der Kollektion legten die kunstbesessenen Lebensgefährten im Jahr 1971 mit ihrer ersten kostspieligen Anschaffung, der Holzfigur «Madame L.R.» von Constantin Brancusi, die heute auf 15 bis 20 Millionen Euro geschätzt wird.

Yves Saint Laurent und Pierre Bergé kauften vorwiegend bei Händlern ein. Die außerordentliche Pokalsammlung aus dem 17. Jahrhundert, die aus Werkstätten großer deutscher Goldschmiede stammt, erwarben sie von den Brüdern Alexis und Nicolas Kugel, die ihnen nicht nur die insgesamt elf vergoldeten Silberpokale verkauften, sondern auch eine herrliche Tischfontäne. Der Wert jedes
Objekts: zwischen 30 000 und 180 000 Euro.

Werke des Impressionismus und der Moderne erwarb das Paar vor allem bei dem Pariser Händler Alain Tarica, von dem auch ein Aquarell von Paul Cézanne versteigert wird, das den legendären Hausberg des französischen Malers zeigt. An oberster Stelle der teuersten Werk steht das kubistische Stillleben «Instrument de musique sur un guéridon» (etwa: Musikinstrumente auf einem kleinen runden Tisch) aus dem Jahr 1914/15. Schätzwert: zwischen 25 und 30 Millionen Euro.

Was die beiden Kunstpioniere an Jugendstil-Möbel einst günstig kauften, ist heute Millionen von Euro wert, wie der einzigartige Drachenstuhl von Eileen Gray, der auf 2,5 Millionen Euro beziffert wird oder die zwei kleinen Sitzbänke mit Leopardenfell von Gustave Miklos, für die heute zwischen 2 und 3 Millionen Euro gezahlt werden müssen.

Mit der Versteigerung wird eine der letzten Privatsammlungen zerstreut. Pierre Bergé wollte sie keinem Museum vermachen: «Dass die, die unsere Möbel, Objekte und Gemälde, mit denen wir lebten, sie so zu schätzen wissen wie wir.»


Bevor der Hammer fällt: Ein Buch «rettet» Saint Laurents Sammlung

Von Stefanie Schütte, dpa

München/Paris (dpa) - Es soll eine der spektakulärsten Auktionen dieses Jahrzehnts werden. Gleichgültig, ob die Versteigerung der Privatsammlung des Modeschöpfers Yves Saint Laurent und seines Lebensgefährten Pierre Bergé von Rosenmontag bis Aschermittwoch (23.- 25.2.) in Paris wirklich die von Experten geschätzten 300 Millionen Euro erlöst: Beeindruckend ist die Sammlung mit Bildern von Künstlern wie Picasso, Mondrian oder Ingres, mit kostbaren Art déco-Möbeln, chinesischen Skulpturen oder venezianischen Tellern aus der Renaissance allemal. Wer ihre Wirkung nur auf den Wert der von Christie's zu versteigernden rund 700 Exponate bezieht, verfehlt ihre Bedeutung. Mit dem Verkauf, zu der sich Bergé nach Saint Laurents Tod im Juni 2008 entschloss, geht eine Epoche zu Ende. Sie setzt den Schlussakkord unter die Ära der großen Couturiers, die mit ihrem Geschmack und ihrer Bildung eine ganze Generation prägten.

Die Münchner Collection Rolf Heyne hat, bevor der Hammer fällt, einen Band vorgelegt, der die stilbildende Kraft der Sammlung eindrucksvoll darstellt und diese für die Nachwelt gleichsam rettet. In ästhetischen Bildern und kenntnisreichen Texten zeigt «Yves Saint Laurent & Pierre Bergé - die Sammlung» die Innenansichten von Bergés und Saint Laurents Wohnungen, in der die Objekte der Auktion ihren Platz hatten. Das Buch beleuchtet so die eigenwillige Beziehung dieses berühmten Tandems der Mode gleichsam von innen. «Dies ist kein Buch über Innenausstattung. Es ist das Fenster zu einem gemeinsamen Leben», schreibt Bergé im Vorwort. Er hatte dem amerikanischen Journalisten Robert Murphy und dem Fotografen Ivan Terestchenko die Türen zu den Domizilen geöffnet, die er in 50 gemeinsamen Jahren mit Saint Laurent bewohnte. Zuerst natürlich die legendäre Wohnung in der Rue de Babylone am linken Seine-Ufer, 1972 von dem Paar bezogen und eine Symbiose ihrer geschmacklichen Vorlieben.

Die Wohnung selbst glich schon, als das Paar sie 1969 entdeckte, einem Kunstwerk. YSL und Bergé sammelten damals Art déco-Stücke, lange bevor diese Kunstrichtung wieder in Mode kam. Und so passte es perfekt, dass die Räume von einem Amerikaner Ende der 20er-Jahre im Stil des Künstlers Jean-Michel Frank (1895-1941) ausgestattet worden waren. Ein rot lackierter Flur, das Dekor aus goldenen Blättern und ein getäfelter Salon boten die ideale Kulisse für alle Schätze, die Saint Laurent und Bergé im Lauf der Jahre anhäuften. Sie kauften Bilder von Munch, Matisse oder Goya, platzierten eine Holzschnitzerei von Brancusi über dem Kamin oder stellten auf einen Teppich mit bunten Papageien aus den 30er-Jahren einen Drachensessel der wunderbaren Eileen Gray (1879-1976). Es gab schimmernde Alabasterlampen, nackte Marmorkörper, Kameen, Elfenbein und zahlreiche andere Dinge, die jedes für sich bezaubern und trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft sich harmonisch zusammenfügten.

Sie zeigten wie perfekt eigentlich die Verbindung ihrer ungleichen Besitzer war, des scheuen und von Drogen und Alkohol abhängigen Genies Saint Laurent und des geschäftstüchtigen Strategen Pierre Bergé, der Saint Laurent immer wieder aus seinen Depressionen riss, ihn zur Arbeit drängte und beschützte. Beide hatten neben der gemeinsamen Wohnung jeweils eigene. Auch diese sind in dem Buch dokumentiert. Saint Laurents Appartment war deutlich moderner, das von Bergé eher klassisch eingerichtet, beide mit großer Geschmackssicherheit. Gemeinsame Träume jenseits des Alltags verwirklichten sie bei der Einrichtung des Château Gabriel in der Normandie sowie in ihren Häusern in Marrakesch. Das Schloss wirkt wie eine Hommage an Saint Laurents Lieblingsschriftsteller Marcel Proust. Die Häuser in Marokko schwelgen in Farben und Formen als elegante Phantasie von Nordafrika. Stücke von hier wie ein von Saint Laurents entworfener Sessel kommen nicht zur Auktion.

Man kann nach der Ansicht dieses wunderschönen Buches nur bedauern, dass die Sammlung auseinandergerissen wird. Bergé will finanziell von der zu erwartenden Rekordsumme nicht profitieren. Das Geld fließt in eine Stiftung zugunsten des Kampfes gegen Aids und in das Saint Laurent-Museum in Paris.



Tags: saint  bergé  euro  laurent  pierre  abstrakte kunst  
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