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Arte-Povera, Glas, Risse Gefahrvoll deshalb, weil die spektakulären Restaurierungsarbeiten in gut vier Metern Höhe einen wirklichen Balance-Akt bedeuten nämlich über der monumentalen gläsernen Iglu- Installation «8-5-3» des bedeutenden italienischen Arte-Povera- Künstlers Mario Merz (1925-2003). Das größte der drei Kuppelhäuser, sein Glas-Iglu, hat in knapp 25 Jahren nicht nur Staub angesetzt. «Mit Erschrecken haben wir festgestellt, dass mehrere Glasscheiben Risse haben», berichtet Gottlieb Leinz, Kustos der Duisburger Skulpturensammlung, der das fragile Kuppelwerk aus Stahl und Glas von 8 Metern Durchmesser und 4,40 Metern Höhe zur Restaurierung komplett einrüsten ließ.
Vier Wochen sind für die rund 17 000 Euro teuren Sicherungs- und Konservierungsmaßnahmen veranschlagt. Die Vorstellung, dass eine angeknackste Scheibe zerspringe, herabfalle und dabei weitere Scheiben mit sich reiße, sei ein «Alptraum», so der einhellige Tenor im Museum. Nicht nur, weil das wegen seiner Größe einmalige Iglu- Ensemble des wichtigen italienischen Künstlers dann unwiederbringlich verloren wäre, sondern auch wegen potenzieller Unfallgefahr.
Über die Ursache der Risse herrscht Unklarheit. Ob Materialermüdung, ob böse Museumsbesucher: «Wir wissen es nicht», sagt Leinz. Allerdings sei «Außeneinwirkung» am wahrscheinlichsten: «Die meisten Risse haben wir bislang an der Seite des Iglus entdeckt, die der umlaufenden Galerie am nächsten liegt.» Von hier aus könnten Kunstbanausen in unbeobachteten Momenten irgendetwas geworfen haben.
Eigentlich sei die Sicherung von Rissen nichts besonderes, sagt Restauratorin Anke Freund aus Köln. Die Glasspezialistin kittet die Sprünge im Glas üblicherweise mit einem Epoxidharz: «Das zieht ein, verklebt und kaschiert die Risse so, dass das Glas zugleich stabilisiert ist.» Die wahre Herausforderung sei der riesige Iglu selbst, sagt Freund, die für den ungewöhnlichen Auftrag höchste Konzentration und Umsicht mitbringen muss. «Ich male mir schon aus, was alles so passieren könnte», so die Restauratorin über ihr zerbrechliches Arbeitsobjekt. Keinesfalls darf sie sich über der luftigen Iglu-Kuppel auf dem Bauch liegend unvermittelt heftig bewegen.
Da der Iglu in seinem vom Künstler selbst arrangierten Originalzustand nicht einfach verändert werden dürfe, sei die Frage, wie Staub und Schmutz zu erreichen sei. Nicht nur, dass die Glasscheiben nur lose aufliegen, an Kanten und Ecken liegen sie auch oft übereinander. «Da muss man erst mal dazwischen kommen», beschreibt Freund die Widrigkeiten ihres prekären Auftrags. Zum «Staubwischen» hat sie sich sich mit einer Ziegenhaarbürste und einer Bussardschwinge ausgerüstet. «Federn nehmen den Staub gut auf», erklärt die Restauratorin.
«Staub gehört eigentlich zur Arte Povera dazu», meint Museums- Kustos Leinz allerdings. Inzwischen aber drohten die Scheiben vom Schmutz blind zu werden. Merz habe den Glas-Iglu schließlich als transparentes Gebilde erdacht. Notfalls dürfe auch die ein oder andere Scheibe abgenommen werden, sollte die Restaurierung es erfordern. «Es wäre kein Sakrileg, sollte eine Scheibe um wenige Millimeter verrückt werden», meint der Experte. So pingelig sei der italienische Kunst-Star nicht gewesen.
(Internet: www.lehmbruckmuseum.de)
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