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Adriani, Burfa, Habsburger, Kaiser
Unter dem Titel «Die Künstler der Kaiser» sind die Gemälde und überdimensionalen Wandteppiche aus den habsburgischen Sammlungen des Wiener Kunsthistorischen Museums in der Kurstadt zu sehen. Es sei ein bislang einzigartiger Überblick über die Habsburger Sammlerdynastie von Kaiser Maximilian I. bis Maria Theresia, sagte Sammler Frieder Burda am Donnerstag in Baden-Baden. Die 70 Gemälde der Alten Meister sowie Skulpturen und Teppiche sollen bis zum 14. Juni 2009 die Wände des Museums einnehmen.
Die Werke aus einem Vierteljahrtausend Kunstgeschichte von etwa 1500 bis etwa 1750 seien in diesem Umfang noch nie in einem deutschen Museum zu sehen gewesen, sagte Burda. Laszive junge Frauen, Schlossgärten, Schlachtzüge und Pietas, Könige, Kaiser und Bauernfehden - thematisch war den Künstlern am Hofe offenbar kaum eine Grenze gesetzt. «Die Habsburger waren den Künstlern gegenüber absolut souverän, oft waren die Maler sogar enge Vertraute, die als Genies betrachtet wurden», erklärte Kurator Götz Adriani.
Neben dem ausgeprägten Machtinstinkt der Habsburger seien durch die Sammelleidenschaft des Herrscherhauses ganze Bestände von Museen wie dem Prado in Madrid entstanden. «Weltweit hat keine Dynastie so viel und so prächtig gesammelt», meinte Adriani. Beeindruckend sind in Baden-Baden vor allem die sechs großflächigen Wandteppiche im lichtdurchfluteten hohen Raum. Die Tapisserien, die bislang laut Adriani noch nie ausgerollt in einem Museum zu sehen waren, zeigen farbenprächtig und detailgenau den Kriegszug von Karl V. gegen das Königreich Tunis im Jahr 1535.
Zu den mehr als 40 ausgestellten Künstlern gehören neben Dürer und Tizian auch Veronese, Tintoretto, Adrian de Vries, Jan Brueghel, Van Dyck und Canaletto. «Oftmals sind diese Künstler auch Maßstab, Vorbild und Inspiration für die heutigen zeitgenössischen Maler», meint Burda, der nicht als Liebhaber der alten Kunst bekannt ist, sondern sich als Sammler moderner Werke einen Namen gemacht hat. Bislang hatten vor allem Ausstellungen unter anderem zur Kunst Andy Warhols oder Gerhard Richters in seinen Räumen dominiert.
(Internet: www.museum-frieder-burda.de)
«Kulturschock» an der Oos - Prachtvolle Habsburgkunst im Museum Burda Von Martin Oversohl, dpa
Baden-Baden (dpa/lsw) - Boom! Welch ein Eindruck! Wo für gewöhnlich knallbunte Kunst von Andy Warhol oder melancholisch Graues von Gerhard Richter Platz findet, strahlen in den kommenden Monaten gewaltige Wandteppiche aus vergangenen Jahrhunderten in ihrer Farbenpracht. Im Baden-Badener Museum Frieder Burda erzählt das halbe Dutzend Tapisserien im lichtdurchfluteten Raum detailreich vom Kriegszug Karl V. gegen das Königreich Tunis im Jahr 1535. Musterung und Landung, Reitergefecht, Plünderung und Auszug - alles als überdimensionale Hommage Karl VI. an den Vorfahren in Auftrag gegeben und erstmals in einem Museum ausgerollt. Neben dem Wandschmuck öffnet sich das modern ausgerichtete Museum Burda bis Mitte Juni unter dem Titel «Die Künstler der Kaiser» auch den Gemälden Alter Meister.
«Das ist wie eine Art angenehmer Kulturschock», meint Sammler Frieder Burda, der im Schaffen der Künstler vergangener Jahrhunderte auch Maßstab, Vorbild und Inspiration für die heutigen zeitgenössischen Maler sieht. In den Räumen seines Hauses verdeutlicht sich dies anhand der prachtvollen Werke von Dürer und Tizian, Rubens und Velázquez, geliehen aus den habsburgischen Sammlungen des Wiener Kunsthistorischen Museums. Ein Vierteljahrtausend Machtpolitik und Kunstbegierde von etwa 1500 bis etwa 1750, gesammelt, gerahmt und ausgestellt - «Das ist ein bislang einzigartiger Überblick über die Habsburger Sammlerdynastie von Kaiser Maximilian I. bis Maria Theresia», meint Burda. Rund 70 Gemälde zieren die moderne Architektur. Außerdem stellt das Museum Skulpturen aus der Kunstkammer der Habsburger aus, darunter Statuen, technische Geräte wie eine Tischsonnenuhr oder kostbar verziertes Besteck.
Da räkeln sich laszive junge Frauen, da finden sich Mars und Venus beim Stelldichein auf Tizians Leinwand, geharnischte Männer werden ebenso präsentiert wie ältere Frauen, Apostel, Landschaften und Bauernfehden, Schlossgärten, Schlachtzüge und Pietas – thematisch waren den Künstlern am Hofe offenbar kaum Grenzen gesetzt. «Die Habsburger waren den Künstlern gegenüber absolut souverän, oft waren die Maler sogar enge Vertraute, die als Genies betrachtet wurden», erklärt Kurator Götz Adriani. «Die Kaiser unter den Künstlern waren gleichsam die Künstler der Kaiser und Könige.»
Chronologisch gehängt ergibt sich ein gepinseltes Abbild der habsburgischen Dynastie, die in über sechs Jahrhunderten 23 Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation beziehungsweise Österreich-Ungarns stellte. Kaiser Maximilian I. nutzte Albrecht Dürers Holzschnitte und Buchdrucke, um sich bekannt zu machen. Sein Enkel Karl V. engagierte Tizian als Hofmaler, der ihn in Porträts als unnahbaren, von Selbstzweifeln geplagten Herrscher zeigte. Und König Philipp IV. engagierte Diego Velázquez, den bedeutendsten Barockmaler Spaniens, für die Porträts. Als «manisch depressiver Sammler» (Adriani) bestätigte sich um 1600 Kaiser Rudolf II., während Neffe Erzherzog Leopold Wilhelm den Kern der Sammlung zusammenstellte und etliche Werke italienischer und deutsch- niederländischer Maler kaufte.
«Weltweit hat keine Dynastie so viel und so prächtig gesammelt», meint Adriani. Durch die Sammelleidenschaft des Herrscherhauses seien ganze Bestände von Museen wie dem Prado in Madrid entstanden.
Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Es erscheint ein Katalog (Herausgeber Götz Adriani, Dumont Verlag, während der Ausstellung 24,80 Euro, 336 Seiten).
(Internet: www.museum-frieder-burda.de)
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