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Ohlendorff, Musiker
Über ihm an der Wand kokettiert «Rolling Stone» Keith Richard in Großformat mit türkisfarbener E-Gitarre und Leopardenjackett. «Der lebt noch», bemerkt der bärtige Maler mit unverkennbarem Hamburger Slang, der nun in Niedersachsen südlich der Hansestadt wohnt. Das Keith-Richard- Porträt ist ungewöhnlich, denn für sein bisher größten Kunstprojekt «Dead Rock Heads» malt er ausschließlich tote Rockstars wie Jim Morrison, Janis Joplin oder Kurt Cobain.
85 Musiker hat Ohlendorff in den vergangenen 13 Jahren schon auf die Leinwand gebracht. Jedes der 80 mal 130 Zentimeter großen Porträts hat seinen eigenen Stil - mal Popart, mal fotorealistisch. Inspiriert von der Musik des jeweiligen Künstlers, dessen Geschichte und der eigenen Beziehung dazu greift Ohlendorff zu Acryl, Ölfarbe, Kohle oder Röteln, trägt Reißlack auf und nimmt auch schon mal Erde «aus Omas Garten» wie für den Hintergrund für Miles Davis oder Schrotkugeln für Kurt Cobain.
Zunächst dient ein Foto als Gerüst. «Der Rest kommt von allein», sagt der Winsener. So musste er mit dem Porträt von Kurt Cobain, der sich 1994 das Leben nahm, «etwas zu Ende bringen». Er lieh sich eine Schrotflinte und schoss aus 11 Metern Entfernung auf das Bild des Nirvana-Gründers. «Seitdem hab ich keine Waffe mehr angefasst», sagt Ohlendorff, der in seinem ersten Leben Polizist in Hamburg war, weil er «als 17-Jähriger die Welt retten wollte».
In der Hamburger Szene war er zu Hause, kannte viele Musiker, die aus der Star-Club-Zeit an der Elbe gestrandet waren, ist mit Udo Lindenberg und den Leuten vom Panikorchester befreundet. Nach sechs Jahren Dienst im Streifenwagen und zeitweilig auf der Davidwache an der Hamburger Reeperbahn übermannte ihn der Drang zur Freiheit. Er tauschte seine Uniform gegen Lederkluft und Motorrad. «Ich brauchte den absoluten Gegensatz», gesteht Ohlendorff. Ein halbes Jahr später lässt er auch die Rocker hinter sich und zieht durch die Welt.
In den Achtzigern greift er erstmals zum Malstift. Zwischen Jobs auf der Werft, als Koch und Kurierfahrer durchstreift Ohlendorff die Museen und studiert die Maltechniken alter und junger Meister. Erst nach einem Zusammenbruch 1990 steigt der Autodidakt endgültig mit voller Power in die Malerei ein. John Lennon war der Erste. 1995 war Ohlendorff auf den Spuren der Beatles erstmals durch London gezogen. Danach malte er den 1980 in New York ermordeten Beatle. Inzwischen hat er die Ikonen der Rock-, Pop-, Jazz-, Blues- und Punkszene für seine Serie «Dead Rock Heads» fast alle gemalt: Frank Zappa, Elvis Presley, Jimi Hendrix, George Harrison, Falco und Georg Danzer, zuletzt Mitch Mitchell.
«Ich hab wie ein Detektiv gearbeitet», sagt er. Als Nena-Gitarrist und Songwriter Carlo Karges 2002 starb, besuchte er dessen Mutter, um sich Karges Geschichte erzählen zu lassen. Ohlendorff hatte den Musiker Ende der 70er Jahre durch St. Pauli geführt. In einer für den Abriss entkernten Spielothek auf dem Spielbudenplatz zeigte er auch seine ersten Werke - rund um die Uhr. Seitdem hat Andreas Ole Ohlendorff rund 100 Mal in Deutschland ausgestellt, zuletzt auf der Popkomm in Berlin. Seine Originale kosten zwischen 12 000 und 22 000 Euro. Es gibt aber auch erschwinglichere Fine Art Prints in der Galerie am Ritterhof in Salzgitter.
(www.galerieamritterhof.de)
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