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Mittwoch, 25. Februar 2009 um 17:48 Uhr |
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Villa Tarabya, Türkei Weiß strahlen historische Häuser aus dem Grün eines gepflegten Parkes: mehrere Villen, ein Matrosenhaus für die Mannschaft der kaiserlichen Jacht, alte Stallungen für die Kutschpferde. Doch bei einem genaueren Blick fällt auf, dass einige der seit Jahren kaum genutzten Gebäude langsam verfallen. Als Kulturakademie Villa Tarabya soll die 18 Hektar große Anlage nun im kommenden Jahr, in dem Istanbul auch Kulturhauptstadt Europas ist, wieder in ihrer ganzen Pracht erstrahlen. Vorbild ist die Villa Massimo in Rom. Bildende Künstler, Architekten und Filmemacher sollen von 2010 an in Istanbul sechsmonatige Stipendien bekommen und während dieser Zeit auch einen regen Austausch mit türkischen Künstlern pflegen.
«Dialog läuft, wenn man sich praktisch begegnet», sagte die SPD- Politikerin Monika Griefahn am Dienstag, als Abgeordnete des Kulturausschusses des Bundestages die Anlage besuchten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits von einem «weiteren Meilenstein» der auswärtigen Kulturpolitik gesprochen.
Die Anlage liegt 15 Kilometer nordöstlich vom europäischen Zentrum Istanbuls. Einst war in der kleinen Bucht ein Fischerdorf, das erst «Pharmacia» (Gift) hieß, dann aber in «Therapia» (Genesung) umbenannt wurde. Später gehörte das Stück Land vornehmen griechischen Familien. Etwa 80 Jahre lang war sie später im Besitz osmanischer Paschas.
Sultan Abdülhamid II. schenkte das Grundstück im Jahr 1880 dem Deutschen Reich zur diplomatischen Nutzung. Die Republik Türkei achtet dieses Eigentumsrecht. Die Anlage, zu der auch eine kleine Kapelle und ein deutscher Soldatenfriedhof gehört, wurde Sommerresidenz des deutschen Botschafters in Ankara. Früher wurde sie während der heißen Jahreszeit auch für jeweils vier Monate als solche genutzt. Inzwischen hat die deutsch-türkische Industrie- und Handelskammer dort ihren Sitz. Eine Außenstelle des Deutschen Orient- Institutes soll folgen.
Der diplomatische Status der Villa Tarabya hat auch für das Kulturprojekt Bedeutung. Unter dem Dach des Goethe-Institutes soll in Deutschland eine GmbH gegründet werden. Damit sollen auch Konflikte in der Türkei vermieden werden. Ausländische Stiftungen haben in der Türkei Schwierigkeiten, einen sicheren rechtlich Status zu bekommen.
Stipendien zum Aufenthalt in der Villa Tarabya sollen nach den bisherigen Planungen sowohl vom Kulturstaatsminister als auch vom Auswärtigen Amt gewährt werden. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hofft auf eine Brücke, die die deutsche und türkische Kultur miteinander verbindet, wie sie am Dienstag bei einem Besuch der Anlage erklärte. «Ich erwarte einen Freiraum, in den niemand reinredet», sagte sie.
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