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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Londoner Galerie stellt Gerhard Richter als Porträt-Maler vor PDF Drucken E-Mail
Freitag, 27. Februar 2009 um 06:59 Uhr

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Gemälde, London, München, Richter


Umso bemerkenswerter ist der tiefe Einblick in das Privatleben des größten deutschen Gegenwartskünstlers, den eine Ausstellung von Richter- Porträts in der Londoner Portrait Gallery gewährt. Richters «Lebensthema» von Schein und Realität, seine Suche nach Hintersinn und das Eingeständnis der «ständigen Unsicherheit» des Lebens dominieren die rund 35 Porträts, die das Museum am Londoner Trafalgar Square in einer bisher einzigartigen Show zusammengetragen hat. Die Ausstellung «Gerhard Richter Portraits» ist dort seit Donnerstag bis zum 31. Mai zu sehen.

Richter begann 1962 in Düsseldorf mit der Porträt-Malerei, zunächst in Schwarz-Weiß, und stets auf der Grundlage von Fotos aus Zeitungen, Zeitschriften und dem Familienalbum. Vier Jahre später, als er selbst zu fotografieren begann, kam der Übergang zur farbigen Porträt-Malerei. Das von Richter 2007 erstellte Porträt seiner Tochter Ella wird in London erstmals öffentlich ausgestellt. Nicht weniger fasziniert das Gemälde seiner älteren Tochter Betty, deren Richter-typische Bild-Abgewandheit Verlust und Melancholie ausstrahlt.

Die chronologisch und nach Themen angeordnete Ausstellung beginnt mit Schwarz-Weiß-Gemälden der frühen 60er Jahre. Im Mittelpunkt steht dabei das Bild «Frau mit Schirm», eine transparente, verwischte Darstellung einer trauernden Jacqueline Kennedy, basierend auf einem Zeitungsfoto. Richter selbst wollte nicht, dass die Witwe des 1963 erschossenen US-Präsidenten erkennbar war. Sein Porträt des Kennedy- Mörders Lee Harvey Oswald fordere den Betrachter ebenso auf, hinter der Oberfläche der Darstellung die Wirklichkeit von Lebenssituationen zu erkennen, sagte Kurator Paul Moorhouse.

Aus dem Familienalbum besticht Richters schwarz-weißes Ölgemälde «Tante Marianne» aus dem Jahr 1965. Es basiert auf einem Foto von 1933, das den damals einjährigen Richter im Arm seiner Tante zeigt. Hinter der fast madonnenhaften Darstellung, so Moorhouse, verbirgt sich das «tragische Geheimnis» der an Schizophrenie leidenden Tante, die später Opfer des NS-Euthanasieprogramms wurde. Zu demselben Thema malte Richter 1965 ein Schwarz-Weiß-Porträt des NS-Gynäkologen Werner Heyde, der sich seinem Prozess wegen der Euthanasie-Morde durch Selbsttötung entzog.

Über eine Reihe von Gemälden aus dem Kreise der Förderer, Sammler und Händler, denen Richter auf dem Weg seiner künstlerischen Entwicklung begegnete, schließt die Ausstellung mit Porträts aus dem Privatleben des dreimal verheirateten Richter ab. Aus dem Museum Ludwig in Köln kam das Gemälde Ema (Akt auf einer Treppe), das Richter 1966 malte. Die scheinbar transparente Darstellung des Frauenkörpers reflektiert laut Moorhouse Richters Überzeugung von der
Flüchtigkeit des Seins.

Von Richters zweiter Frau, der Künstlerin Isa Gentzken, sind drei, dem Betrachter abgewandte, Nacktporträts aus Privatsammlungen und aus der Stiftung La Caixa in Barcelona zu sehen. Sabine Moritz, die Richter 1995 heiratete, ist in dem Gemälde «Lesende» aus dem Jahre 1994 dargestellt, das laut Moorhouse Rückschlüsse auf Richters frühes Studium von Vermeer in der Dresdner Gemäldegalerie zulässt.

Der 77-jährige Richter, der zur Vernissage nach London kam, ließ es sich nach Angaben der Portrait Gallery nicht nehmen, persönlich die Aufhängung seiner zur Biennale in Venedig im Jahr 1972 angefertigten 48 Fotografien großer Kulturvertreter aus dem 19. und 20. Jahrhundert in der Eingangshalle des Londoner Museums zu überwachen.

(Internet: www.npg.org.uk)


Abstraktes und Porträts - Zwei Richter-Schauen in München und London



München/London (dpa) - Gleich zwei Ausstellungen des deutschen Malers Gerhard Richter, für dessen Werke international Rekordpreise erzielt werden, sind am Donnerstag eröffnet worden - in München und in London. Nach dem Museum Ludwig in Köln präsentiert nun das Haus der Kunst in München mehr als 60 abstrakte Gemälde und 100 Hinter- Glas- Bilder des 77 Jahre alten weltweit begehrten Künstlers. Gleichzeitig zur Münchner Schau «Gerhard Richter - Abstrakte Bilder» (bis 17. Mai) ist in der Londoner National Portrait Gallery eine Ausstellung zu sehen, die sich auf Richters Porträts und figurative Arbeiten der vergangenen 40 Jahre konzentriert (bis 31. Mai).


Richter selbst gab sich bei der Ausstellungseröffnung in München gewohnt wortkarg, aber humorvoll. Die Interpretation seiner abstrakten Großformate von 1986 bis 2008 überließ er weitgehend dem Publikum. Jedoch bekräftigte er seine Philosophie, wonach er nicht der Realität misstraut, sondern dem Bild, das die Sinne vermitteln. Sein Misstrauen in seine Bilder sei sogar «eher größer geworden», bekannte Richter.

Kritik, dass seine farbenprächtige, an Volkskunst erinnernde abstrakte Hinter-Glas-Reihe an Kitsch grenze, fand Richter berechtigt. «Das stimmt», sagte er. Aber es sei die «distanzierteste und reinste Form», die er geben könne. Auf die Frage, warum der Titel dieser Bilder-Reihe mit ihren kräftigen vor allem gelben und roten Farbtupfern ausgerechnet «Sindbad» laute, antwortete Richter: «Sindbad passt am besten.»

Richters abstrakte Bilder machen heute etwa zwei Drittel seines Gesamtwerks aus. Ausgangspunkt der Schau in den hohen Hallen des ehemaligen Münchner Nazi-Protzbaus sind die Serien «Cage» (2006) und «Wald» (2005). Die Ausstellung verfolgt nach Worten des Kurators Ulrich Wilmes aber nicht die Absicht, Richters abstrakte Gemälde in eine Entwicklungsreihe zu stellen. Dies sei ohnehin schwierig, da die Entstehung von Willkür, Zufall, Einfall und Zerstörung geprägt sei.

Richter trägt Farben mit Pinseln, Rakeln und Spachteln Schicht für Schicht auf, so dass untere Schichten überlagert werden oder sogar ganz verschwinden. Die Schau präsentiert Werke aus 23 privaten und öffentlichen Sammlungen, die wie die Reihe «Wald» teilweise erstmals in Europa zu sehen sind.

In London hat die Portrait Gallery am Trafalgar Square rund 35 Ölgemälde aus internationalen Museen und aus Privatbesitz zusammengetragen. Nach Angaben der Kuratoren ist es das erste Mal, dass Richter-Porträts in einer Ausstellung zusammenhängend gezeigt werden. Richter hatte 1962 mit der Porträt-Malerei begonnen, wobei er ausschließlich Fotos aus Zeitungen, Zeitschriften und Familienalben zur Grundlage für seine Ölgemälde nahm.

Zu den frühen schwarz-weiß Werken gehört unter anderem eine Darstellung der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot und das Bild «Frau mit Schirm» von einer trauernden Jacqueline Kennedy. Zu den späteren Gemälden in Farbe, die in London zu sehen sind, gehören Akte und Porträts von Richters drei Ehefrauen und seinen Kindern. Das erst 2007 entstandene Porträt «Ella» von Richters jüngerer Tochter Ella Maria, das aus einer Privatsammlung stammt, wird in London erstmals öffentlich ausgestellt.

(Internet: www.npg.org.uk

www.hausderkunst.de)



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