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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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«Ich bin doch ein Dresdner geworden»: Herr der Alten Meister geht PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 04. Januar 2009 um 13:14 Uhr

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Galerie, Dresden, Marx


Der Direktor der weltberühmten Sammlung in der Sempergalerie geht Ende Februar in den Ruhestand, «mit sehr gemischten Gefühlen», wie er sagt. «Einerseits zufrieden wegen eines erfüllten Arbeitslebens und im Bewusstsein, dass jeder mal aufhören muss; andererseits mit großer Wehmut, einer solchen Galerie nicht mehr vorzustehen und das Arbeitsleben offiziell zu beenden - das kann ich mir noch nicht ganz vorstellen.»

Viele Mitarbeiter bei den Staatlichen Kunstsammlungen wollen gar nicht an eine Zeit ohne Marx denken. Geboren in Berlin, hatte er an der Humboldt-Universität studiert und sein Diplom über Baumeister Karl Friedrich Schinkel und die deutsche Romantik geschrieben. 1966 fing er in Dresden als wissenschaftlicher Assistent für französische Malerei an. «Diese Festanstellung hat all meine Wünsche und Träume in den Schatten gestellt. Es war ein Traum, von dem ich nicht gedacht hätte, dass er sich erfüllen könnte», sagt er. Er habe immer in eine alte Residenzstadt gewollt und sei begeistert gewesen, dass es diese Galerie wurde - «neben der Eremitage in St. Petersburg die großartigste Altmeistergalerie des Ostblocks».

Wenn er durch die prachtvoll ausgestatteten Säle läuft, gerät er nach wie vor ins Schwärmen. Mit dieser Begeisterung für die Kunst führte Marx auch gekrönte und Staatsoberhäupter zu den Meisterwerken von Rubens, Rembrandt, Tizian, Raffael oder Dürer - auch auf Französisch oder Italienisch. Als er 1998 Offizier der französischen Ehrenlegion wird, war aus dem zurückhaltenden Assistenten bereits ein gefragter und mit vielen Auszeichnungen geehrter Experte für die französische und deutsche Malerei des 18. Jahrhunderts geworden.

Gemälde des einstigen Hofmalers in der Residenz der sächsischen Kurfürsten und polnischen Könige, Louis de Silvestre (1675-1760), waren denn auch 1975 die erste Ausstellung, die Marx kuratierte. Es folgten zahlreiche Expositionen im In- und Ausland sowie unzählige Aufsätze über französische, sächsische und deutsche Malerei des 18. Jahrhunderts, Publikationen und Bücher etwa über Barockbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann oder Bergbau und Kunst in Sachsen.

Dabei begrenzte die eingeschränkte Reisefreiheit in der DDR-Zeit das Arbeits- und Studiengebiet des Experten. «Das führte zu einer Konzentration auf Gemälde, die hier zugänglich waren.» Inzwischen undenkbar für einen Kunsthistoriker. «Junge Leute müssen sich heute erstmal draußen ausprobieren und dann ihren definitiven Platz finden.» Die Arbeit eines Museumsdirektors bedürfe aber auch einer gewissen Kontinuität. «Eine gesunde Mischung aus Ideen und kontinuierlicher Entwicklung, die durch neue und alte Kollegen gelingt, müsste gegeben sein.»

Mit der Wende seien viele Dinge in der Sammlung möglich geworden, die vorher unerreichbar waren, so hin und wieder Ankäufe in New York, London, Wien oder Köln etwa. Auch die Arbeit und die Beziehungen nach außen seien auf eine völlig neue Basis gestellt worden. «Kontakte zu großen Museen der Welt, die wir immer schon hatten, sind sehr viel einfacher und enger geworden.» Auch die Technik habe eine völlig Umstellung erfahren - von der Schreibmaschine zum digitalisierten Bestand.

Schwere Prüfungen für die von Marx geführte Galerie waren die Sanierung des Semperbaus, der Gasunfall mit zwei Toten 1993 und die Flutkatastrophe im August 2002, als in einer dramatischen nächtlichen Aktion tausende Kunstwerke aus dem Tiefendepot gerettet wurden. Zudem kämpften die Museen in den 1990er Jahren mit einem Einbruch der Besucherzahlen. «Der Tourismus aus Richtung Osten war Anfang der 90er Jahre weggebrochen und im Westen war fast in Vergessenheit geraten, dass es eine weltberühmte Gemäldegalerie in Dresden gibt.»

Die ist inzwischen mit gut einer halben Million Gäste jährlich Deutschlands bestbesuchte Altmeistergalerie. Ihr Chef wird am 13. Februar 67 Jahre alt und zwei Tage später mit einem Festakt in der Semperoper verabschiedet. Zugleich öffnet dann seine letzte Schau «Sehnsucht und Wirklichkeit», für die er «Wunschbilder» des 18.
Jahrhunderts aus aller Welt zusammengetragen hat, die einst für Dresden entstanden sind. Für das Danach hat Marx noch keine konkreten Pläne. Fest steht nur, dass er auch im Ruhestand an der Elbe bleibt. «Ich bin zwar in Berlin geboren, aber in über 40 Jahren doch ein Dresdner geworden.»


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