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Berswordt, Wallrabe, Picasso Mit dem sensationellen Ankauf einer großen Werksammlung des französischen Konzeptkünstlers Marcel Duchamp (1887-1968) rief die Schweriner Museumsdirektorin Kornelia von Berswordt-Wallrabe vor zwölf Jahren nicht nur Begeisterung hervor. Fünf Millionen D-Mark für 90 Stücke, darunter viele Papierarbeiten in diversen Schachteln, von Du-wem?, fragte mancher Mecklenburger und fand den Erwerb nicht passend zu der schönen Sammlung niederländischer Altmeister, für die das Staatliche Museum Schwerin bekannt ist. Eine wichtige Ergänzung für das Haus, das 1933 bis 1989 vom internationalen Kunstgeschehen abgeschnitten war, parierte die Direktorin. Inzwischen ist die Bedeutung des Erwerbs auch im Nordosten allgemein anerkannt. Zum Abschied von Berswordt-Wallrabes am Donnerstag (22. Januar) werden der dann 65-Jährigen neben Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) auch rund 120 Kunstwissenschaftler aus dem In- und Ausland mit einem Duchamp-Symposium die Ehre erweisen.
In ihren 16 Amtsjahren fügte von Berswordt-Wallrabe der Schweriner Kunstsammlung noch weitere zeitgenössische Ergänzungen hinzu, darunter Arbeiten von John Cage, Pablo Picasso, Lyonel Feininger. Anlässlich einer großen Sigmar-Polke-Ausstellung 1996 rieb man sich im westdeutschen Kunstbetrieb die Augen - Schwerin, wo ist denn das? Die Picasso-Schau von 1999 war die erste große Ausstellung mit mehr als Plakaten und Grafiken des Künstlers in den neuen Bundesländern, wie die scheidende Chefin bemerkt. Ein Highlight der eigenen Sammlung, das Gemälde «Die Torwache», von Carel Fabritius (1622-1654), kam 2005 zu internationalen Ehren, in der ersten Ausstellung zum Gesamtwerk des Rembrandt-Schülers gemeinsam mit dem Mauritshuis in Den Haag. Heute gehört das Staatliche Museum Schwerin zu den 15 wichtigsten deutschen Kunstmuseen, die im «Leipziger Kreis» zusammengeschlossen sind.
«Das Heute und die Vergangenheit - an beiden Enden zu arbeiten, das ist das Konzept meiner Museumsarbeit», sagt von Berswordt- Wallrabe rückblickend. An der Vergangenheit zu arbeiten, das hieß in den zurückliegenden eineinhalb Jahrzehnten vor allem, Geld und Förderer für dringend nötige Restaurierungen aufzutreiben. Für die spektakulärste Rettungsaktion wurde die Getty-Stiftung in Los Angeles gewonnen. In den USA wurden bis 2008 zwei riesige Tiergemälde des französischen Hofmalers Jean-Baptiste Oudry (1686-1755) restauriert, darunter die lebensgroße Darstellung des seinerzeit weltberühmten Nashorns «Clara». Das Beschaffen von Geld wird auch für ihren Nachfolger Dirk Blübaum vom Zeppelin-Museum Ludwigshafen (Baden-Württemberg) eine wichtige Aufgabe, ist von Berswordt-Wallrabe angesichts geringer Ausstellungs-, Ankaufs- und Restaurierungsetats überzeugt. Seit ihrem Amtsantritt konnten 80 Stücke der Sammlung mit Geld von Sponsoren restauriert werden, bilanziert die Direktorin.
Marcel Duchamp, der als Begründer der Konzeptkunst gilt, lässt Kornelia von Berswordt-Wallrabe auch nach ihrer Pensionierung nicht los. Nun hat sie Zeit, intensiv zu dem Künstler zu forschen, der neben Picasso der große Inspirator der Kunst des 20. Jahrhunderts gewesen sei. Zunächst will sich die Kunsthistorikerin drei Monate am Getty-Forschungszentrum in Los Angeles mit Duchamp beschäftigen, der seit 1915 immer wieder für längere Zeit in den USA war und später auch die US-Staatsbürgerschaft annahm. Im Mittelpunkt ihrer Forschungen stehe allerdings Duchamps Münchener Zeit, sagt von Berswordt-Wallrabe. In München habe er entscheidende Vorarbeiten zu einem seiner Hauptwerke, «Das Große Glas», geleistet.
(Internet: www.museum-schwerin.de)
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