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Kulturdezernentin, Kultur, Westfalen
Die zehn Experten des Gutachtens «Kunst NRW», die Empfehlungen zur Stärkung der Kultur im Land geben sollten, hätten Westfalen und Lippe nahezu ganz übersehen, kritisierte die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen- Lippe (LWL), Barbara Rüschoff-Thale. «Wir werden uns auf breiter Front dagegenstemmen», sagte die Kulturpolitikerin am Mittwoch in Münster und kündigte ein «Gegenpapier» aus Westfalen an: «Der Bericht hat uns alle geeint.»
«Kultur ausschließlich auf die Rhein- und Ruhrschiene zu konzentrieren ist falsch. NRW ist ein Flächenland mit ganz nterschiedlichen Charakteren, das ist wohl nicht richtig durchdacht worden», betonte die Kulturdezernentin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Derzeit seien «als erster Schritt» etwa 30 Sachkundige miteinander über förderungswürdige «Leuchttürme» westfälischer und lippischer Kultur im Gespräch; die Ergebnisse sollen Ende März von den Kommunen in Westfalen und Lippe diskutiert und im Mai öffentlich vorgestellt werden. Auch die Wirtschaft gebe den Plänen Rückendeckung.
Dass die Experten («Die haben ihre Hausaufgaben nicht richtig gemacht.») unter Leitung des Ex-Bahnchefs Heinz Dürr in Westfalen keine förderungswürdigen Kulturprojekte gefunden hätten, sei für die regionale Kulturszene damit zur «Steilvorlage» geworden, sagte Rüschoff-Thale. Kommunale Kulturdezernenten, Landräte und Bürgermeister, die seit Jahren nicht mehr miteinander über Kulturprojekte gesprochen hätten, wären nun «ohne ihre alte Berührungsangst» miteinander im Gespräch. Die Wiedereinführung einer regelmäßigen westfälisch-lippischen Kultur-Dezernentenkonferenz sei schon fest vereinbart. «Das ist eine kleine Revolution», meinte die LWL-Dezernentin und verwies auf das Ungleichgewicht in der Landeskulturförderung, wonach 2007 über 25 Millionen Euro aus der Landeskasse in das Rheinland, aber lediglich knapp 14,6 Millionen Euro nach Westfalen geflossen seien.
Nach ersten Ideen könne sich Westfalen und Lippe mit seinen historischen Standorten etwa auf das Thema Industriekultur konzentrieren, die als «Alleinstellungsmerkmal der Kultur in NRW» in dem Expertenbericht völlig übersehen worden sei, meinte Rüschoff- Thale. Die dichte Kloster-, Park- und Schlösserlandschaft im westfälischen Landesteil könne ebenso stärker betont werden wie die traditionsreiche literarische Szene Westfalens.
Burg Hülshoff bei Münster könne etwa «mit einigen Satelliten» zum Literatur-Zentrum werden, meinte die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes: «Ich habe auch schon mit Günter Grass darüber gesprochen.» Ebenso sei an den Ausbaus des Themas «Lichtkunst» zu denken, dem bereits in Unna ein Spezialmuseum gewidmet ist. «Unsere Experten müssen jetzt analysieren, ist das so stark, dass man es zum Leuchten bringen kann.»
Gespräch: Gerd Korinthenberg, dpa
(Internet: www.lwl.org)
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