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Mandernach, Kunst, Atelier
In der neuen Schlaganfallstation der Rems-Murr-Klinik Schorndorf im Rems-Murr- Kreis leuchten seine Deckenbilder, mit denen er klassische Raumvorstellungen herausfordert. Die gemalten Formen machen an Kanten und Zimmergrenzen nicht halt, sondern laufen über Wände und Decken.
Im Schlaganfall-Zentrum, das am kommenden Samstag (24. Januar) eingeweiht wird, folgt Mandernachs Werk nicht nur einem ästhetischen, sondern auch einem funktionalen Anspruch. Über optische Reize sollen die Patienten angeregt werden, zur Sprache zurückzufinden. Haus, Hut, Gefäß einfache, gegenständliche Motive und klare Formen durchkreuzen die Zimmer und bilden damit einen Gegenpol zur sonst rechtwinkligen Architektur des Krankenhauses.
Im Atelier des 45-jährigen Künstlers in Ludwigsburg entpuppen sich die Linien an der Wand als Klebeband-Collagen, die über Boden, Wände und Decke verlaufen. Der Besucher betritt so unweigerlich das Kunstwerk und wird dadurch selbst Teil des Bildraumes. Zugleich bemächtigt sich die Wandzeichnung ihres Betrachters, so dass unklar wird, wer Subjekt und wer Objekt in dieser komplexen Beziehung ist der Betrachter oder das Bild?
Doch Mandernach spielt nicht nur mit den Räumen, sondern auch mit dem Material: Nach Ausstellungen werden die Wandzeichnungen zerstört, das Klebeband abgezogen und zu einem Knäuel geknetet. «Das war Dortmund», sagt Mandernach, und zeigt auf einen Klebeband- Klumpen in seinem Atelier. Seine Kunst schlummert nun komprimiert im Archiv. Was daraus geschieht, ist unklar. Mandernach sieht das ganz nüchtern: «Vielleicht werfe ich sie irgendwann auch weg.»
Im alten Ägypten war die Enkaustik stark verbreitet eine Maltechnik, bei der Farbpigmente mit Wachs verschmolzen und anschließend heiß aufgetragen werden. Auch Mandernach übermalt Bilder mit dieser speziellen Lasur. So entsteht außer dem Wechselspiel der verschiedenen Ebenen auch eine Ästhetik der Unschärfe, die Vergangenheit symbolisiert und Neugierde weckt, denn die ursprünglichen Motive sind zum Teil nur noch zu erahnen etwas Neues ist an ihre Stelle getreten.
Es sind verschiedene Fotos oder Malereien, auf die Mandernach die Lasur heiß aufträgt. Eines von Romy Schneider ist darunter. Allerdings nicht in ihrer bekannteste Rolle als Sissi, sondern als Prostituierte. Mandernach ist fasziniert, wie sich Menschen zwischen verschiedenen Welten bewegen oder bewegen müssen. Gegensätze machen die Frage schließlich unausweichlich, die für ihn wesentlich ist: «Worum gehts? Wie orientiere ich mich in der Welt?» Der Künstler kann den Widersprüchen nicht auf den Grund gehen, aber er möchte sie festhalten. Spontane oder flüchtige Einfälle notiert er in einem Skizzenbuch und verarbeitet sie später in seinem Werk.
Mandernach blättert in einem Buch, das er in Kairo mit dabei hatte. Er erinnert sich an eine komplett verschleierte Frau, die allerdings mit einer Playboy-Handtasche unterwegs war. Während seine Kunst Widersprüche vertieft, verläuft seine Karriere als Künstler indes bergauf: Nach dem Studium an der Stuttgarter Kunstakademie bekam der geborene Saarbrücker mehrere Stipendien. 2004 erhielt er den Förderpreis des Künstlerbundes Baden-Württemberg. Seit drei Jahren hat er sein eigenes Atelier in Ludwigsburg.
Die letzten Jahre zog es Mandernach auch nach Tübingen, wo er an der Universität einen Lehrauftrag des Zeicheninstituts innehatte. «Das Arbeiten mit den Studenten macht mir Spaß», sagt er. «Die Vermittlung hilft mir, Kunst zu versprachlichen und sie dadurch anders zu reflektieren.» Sein Werk hält Mandernach nicht für avantgardistisch: «Ich will kein Avantgardist sein, sondern einfach neugierig und wach bleiben.»
Beeinflusst habe ihn die Musik. Mandernach erzählt mit leuchtenden Augen von einem Konzert im Theaterhaus Stuttgart. 1990 brachte die Jazz-Legende John Zorn amerikanische Avantgarde in die Landeshauptstadt. Mandernach war von Zorns Musik-Collagen derart begeistert, dass er nach New York reiste, um ihn nochmals live zu erleben. «Dieser Groove, dieser Mix, dieser wahnsinnige Kontrast hat mich umgehauen. Ich würde sagen: Das war mein Erweckungserlebnis.»
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