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Montag, 26. Januar 2009 um 06:52 Uhr |
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Christov, Bakargiev, Kassel
Der erste Arbeitstag begann mit dem mittlerweile traditionellen Rundgang mit dem Oberbürgermeister durch das Stadtmuseum. Bertram Hilgen (SPD) führte die 51-Jährige persönlich durch die Ausstellung und informierte sie über die Geschichte der Stadt Kassel. Christov- Bakargiev interessierte sich besonders für das Mittelalter, aber auch die Zeit des Nationalsozialismus und die Bombennacht 1943, die Kassel fast völlig zerstörte.
Die in New Jersey geborene Kuratorin, die amerikanische und italienische Staatsbürgerin ist, zeigte sie sich sehr aufmerksam und überraschte mit vielen Detailfragen. «Ich liebe Geschichte. Meine Mutter war Archäologin und von ihr habe ich eine Eigenschaft mitbekommen: Ich will die Schichten sehen. Wenn man nicht die Details einer Stadt und einer Kultur anschaut, versteht man weder das Land noch seine Menschen.» Deshalb seien Details so wichtig: «Man muss sich nur die Wasserläufe der Stadt anschauen, wie sie verändert, verlagert oder sogar überbaut wurden. Das ist ein fast psychoanalytischer Blick, der viel über die Stadt und ihre Bewohner aussagt.»
Angesprochen auf die vergangene Pracht der Residenzstadt Kassel des 17. Jahrhunderts sagte Christov-Bakargiev, sie habe nicht den Eindruck, wirklich etwas verpasst zu haben. «Kassel muss damals sehr interessant gewesen sein, aber das ist die Stadt ja heute auch noch. Ich habe erst nicht verstanden, warum man nach dem Krieg das nur wenig beschädigte alte Theater abgerissen hat. Nach der Ausstellung konnte ich mich aber besser in die Gedanken der Leute in den 50er Jahre versetzen.» Bilder der leidenden Menschen aus dem Zweiten Weltkrieg hätten sie tief beeindruckt: «Das Schlimme ist, dass man diesen Desichtsausdruck auch heute noch jeden Tag in den Nachrichten sieht.»
Die 51 Jahre alte Christov-Bakargiev war Anfang Dezember offiziell als Ausstellungsmacherin der im Juni 2012 beginnenden documenta 13 vorgestellt worden. Traditionell wechselt die alle fünf Jahre stattfindende Ausstellung zeitgenössischer Kunst zu jeder Schau ihren Kurator. Die documenta 12 im Sommer 2007 von Roger Buergel war als beliebig kritisiert worden, hatte mit 754 000 Besuchern aber so viele Gäste wie nie angezogen. Wie Buergel und viele ihrer Vorgänger war auch die in Italien arbeitende Christov-Bakargiev vor ihrer Berufung selbst in Kunstkreisen wenig bekannt. Sie hatte ihre Ernennung als «Ehre und große Freude, ein Segen und eine Herausforderung» bezeichnet, über ihr Konzept aber noch nichts preisgegeben.
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