|
Donnerstag, 29. Januar 2009 um 08:02 Uhr |
|
Konzertsaal, Marstall, München
Die Bayerische Akademie der Schönen Künste warnt in einem offenen Brief eindringlich vor einer Realisierung des auch von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) befürworteten Projekts. Die Umbaupläne mit einem Anbau über die ganze Längsseite des Marstalls an der Rückseite der Münchner Residenz wären «ein Akt der Barbarei», schrieb Akademie-Präsident Prof. Dieter Borchmeyer.
«Der von Leo von Klenze entworfene Marstall ist einer der bedeutendsten Bauten dieses großen Architekten, der München wie kein anderer geprägt hat», betonte Borchmeyer. Nach schweren Verlusten im Zweiten Weltkrieg zähle der Marstall neben der Glyptothek und der Alten Pinakothek zu den nicht gerade zahlreich erhaltenen Meisterwerken Klenzes. «Auch wenn das großartige Gebäude nicht immer seinem ästhetischen Rang gemäß genutzt wurde, ändert das nichts an seiner herausragenden Bedeutung und prominenten Stellung in der Architektur des 19. Jahrhunderts.»
Weiter schrieb der Akademie-Präsident: «Es ist vollkommen unverständlich und inakzeptabel, dass ein architektonisches Juwel ruiniert werden soll, um einen Konzertsaal zu gewinnen, dessen Sinn und Notwendigkeit für München umstritten ist, der aber auf keinen Fall um den Preis der Zerstörung eines herausragenden Baudenkmals verwirklicht werden darf.» Der klassizistische Marstall würde durch einen Anbau zu einem Zwitter verunstaltet, die Verantwortlichen seien deshalb aufgerufen, «die Planung zu einem Konzertsaal in dieser Form und an diesem Ort nicht weiter zu verfolgen».
Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR) mit dem Chefdirigenten Mariss Jansons hofft auf eine Verwirklichung des umstrittenen Projekts, weil es bisher keine feste eigene Bleibe in der Musikstadt München hat. Allerdings hat auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) Vorbehalte gegen einen neuen Konzertsaal geäußert. «Ich stehe dem skeptisch gegenüber, wenn in München Überkapazitäten entstehen sollten, die alle miteinander höchst defizitär sind», hatte Ude dem «Münchner Merkur» (Mittwoch) gesagt und damit die Interessen der städtischen Münchner Philharmoniker verteidigt. «Wir sollten eine gemeinsame Anstrengung unternehmen, so dass die Philharmonie nach einer Renovierung für beide Klangkörper hergerichtet werden kann, die dann auch gleichberechtigten Zugang zu den Terminen haben.»
Ude sagte dem Blatt weiter, dass sich die Stadt für einen Umbau der akustisch problematischen Philharmonie am Gasteig «einen hohen zweistelligen bis sogar dreistelligen Millionenbetrag» vorstellen könne. Voraussetzung seien aber klare vorherige Absprachen in Sachen Marstall.
Seehofer hatte nach einem Gespräch mit Jansons zugesagt, dass er sich für den neuen Konzertsaal einsetzen wolle. «Aber so was braucht ein paar Jahre», hatte der Regierungschef eingeschränkt. Kurz zuvor hatte sich Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) dagegen wegen der ungeklärten Finanzierung - von bis zu 150 Millionen Euro ist die Rede - noch skeptisch zu einem neuen Konzertsaal geäußert und gesagt: «Man kann so viele Dinge machen, aber auch das Geld ist endlich.»
|