|
Samstag, 31. Januar 2009 um 11:45 Uhr |
|
Werke, Beutekunst, Weltkrieg Die Öffentlichkeit gehe davon aus, dass sich ein Großteil der nach dem Zweiten Weltkrieg verschollenen Kunstwerke in behördlichen Depots der ehemaligen Sowjetunion befinde, sagte der Stellvertretende Direktor der Nationalgalerie Berlin, Bernhard Maaz, am Freitag in Aachen. Tatsächlich tauchten verschollene Kunstwerke auf völlig anderen Kanälen, oft auch kommerziellen Kanälen wieder auf. «Die Lage ist vertrackt, verzwickt und verwinkelt. Die Diskussion hat Schlagseite», sagte Maaz bei einer «Beutekunst»-Tagung in Aachen.
Gemälde tauchten bei Auktionen auf, in Nachlässen, auf dem Schwarzmarkt oder in Galerien - in der ehemaligen Sowejtunion, Europa und den USA. In vielen Fällen verhandle man über eine «Rückführung gegen einen angemessenen Finderlohn». Es sei zu einseitig, Kriegsverluste nur als «Beutekunst» zu betrachten. Auf der Verluste- Liste der Nationalgalerie stünden noch 1000 Werke. Im Durchschnitt habe das Museum lediglich eine einzige Rückgewinnung pro Jahr.
Hauptthema der Tagung sind 70 nach dem Zweiten Weltkrieg verschollene Bilder des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums, die bei einer Ausstellung im Museum Simferopol auf der Krim wieder aufgetaucht waren und mittlerweile eindeutig identifiziert sind. Die ukrainische Museumschefin Larina Vladimirovna Kudryashova machte laut Redemanuskript deutlich, sie wolle die gute Zusammenarbeit mit dem Suermondt-Ludwig-Museum fortsetzen. Eine Rückgabe der Bilder «ohne Kompensation» schloss sie persönlich aus. Während des Zweiten Weltkriegs seien rund drei Millionen Werke in der Ukraine zerstört worden. Allein das Museum Simferopol habe rund 2000 Werke verloren.
In der Rückgabe-Diskussion dürfe es nicht nur um gesetzliche Grundlagen gehen. Sie plädierte für eine neue Position, die auch moralisch-ethische Prinzipien berücksichtige. «Verluste der Museen der Ukraine, Deutschlands und anderer Länder, das sind keine Verluste im Rahmen nur eines Staates», sagte sie. Der universelle Charakter von Meisterwerken überschreite nationale Grenzen. In Zukunft sei der offene Zugang zu den Sammlungen mit wissenschaftlichen und kulturellen Zielen denkbar und auch die Abschaffung der sogenannten Sonderaufbewahrung in der Ukraine, die wie im Aachener Fall die Ausstellung von Werken 60 Jahre lang verhindert habe.
|