| Kunst aus Palast der Republik im DDR-Musterdorf |
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| Donnerstag, 09. Juli 2009 um 05:12 Uhr | ||
Von Grit Büttner, dpa
Mestlin (dpa) - Niemand hat sie bisher mehr haben wollen: «Kirschbäume» von Wolfgang Wegener, die «Warnow-Werft» von Rudolf Austen oder Grafiken von Fritz Cremer gehören zu 25 heimatlosen DDR-Kunstwerken der 1970er Jahre, die aus dem abgerissenen Palast der Republik in Berlin stammen und nun aufs Land umziehen. Von Samstag an soll die Ausstellung «LückenStücke. Palastkunst im Musterdorf» das leerstehende Kulturhaus im mecklenburgischen Mestlin bei Parchim mit neuem Leben erfüllen. Die Bilder seien eine Leihgabe des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen und lagerten seit 1993 in diversen Berliner Depots, sagt Christina Thomson, Kunsthistorikerin an der Humboldt-Universität Berlin.
Berlin und Mestlin repräsentierten die ganze Bandbreite der DDR- Kulturhäuser vom gigantischen Stadtpalast bis hin zum ländlichen Prachtbau, sagt Thomson. Mehr als 2000 solcher Gebäude mit Sälen, Bühnen, Gast- und Vereinsräumen sollen seit den 1950er Jahren in Ostdeutschland entstanden sein. In vielen Gemeinden sind die «Gaben des Sozialismus» heute dem Verfall preisgegeben, so auch in Mestlin, sagt Dirk Handorf vom Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg- Vorpommern. Mestlin als einziges realisiertes «Musterdorf» der DDR - ein Prestigeprojekt der SED - ist im Kern denkmalgeschützt und beherbergt am Marx-Engels-Platz neben dem neoklassizistischen Kulturhaus auch eine inzwischen geschlossene Zentralschule, Ambulatorium, Wohn- und Verwaltungshäuser.
Während in Berlin der Palast der Republik in den Jahren 2006 bis 2008 abgerissen wurde, landete die DDR-Auftragskunst aus dem Bauwerk in Museen, Ämtern, Institutionen oder eben in Depots und Lagerräumen, wie die 15 Kunststudenten um Christina Thomson herausfanden. «Mit der eiligen Wiedervereinigung Deutschlands vor 20 Jahren entstanden Lücken, die in den Augen vieler bis heute nicht geschlossen sind», sagt die Wissenschaftlerin. So seien der zerstörte «Palast» in Berlin wie auch das leere Kulturhaus Mestlin beide Zeichen für einen bis heute unsicheren Umgang mit kulturellem Erbe. «Mit den kulturellen Reststücken zeigen wir historische Lücken und fordern damit zugleich auch eine objektivere Betrachtung der DDR-Kunst ein», sagt sie.
Daher wird in der Mestliner Ausstellung der Palastkunst auch Zeitgenössisches gegenübergestellt, wie Thomson erklärt. Das sei Post-Wende-Kunst, die von der bewegten Geschichte des Palasts der Republik inspiriert wurde oder für die vielen Events entstand, denen das Gebäude in der Zeit zwischen 1990 und Abriss ein Forum bot. Eine begleitende Dokumentation sowie großformatige Fotos sollen die Geschichte und Funktion beider Kulturhäuser erklären. Die Ausstellung, die bis 30. August läuft, wurde von Studenten des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität auf Initiative des Vereins «Denkmal Kultur Mestlin» konzipiert und erarbeitet.
Das Schicksal der beiden Kulturbauten in Berlin und Mestlin steht dabei exemplarisch für die Geschichte Hunderter weiterer Bauwerke in den neuen Ländern, wie Denkmalpfleger Handorf in Schwerin sagt. «Die Kulturhäuser besitzen Zeugniswert für die Geschichte der DDR und die Entwicklung der Architektur im geteilten Deutschland», meint er. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es noch 18 solcher Baudenkmäler. Das Gros davon sei verwaist oder wenig genutzt wie etwa die Häuser in Murchin (Ostvorpommern) oder Zinnowitz auf der Insel Usedom. Glück hatte lediglich das Kulturhaus im Seebad Heringsdorf, das 1949 im Auftrag der Sowjetarmee gebaut wurde: Nach der Wende zog dort die landesweit erste Spielbank ein. Tags: f
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