| Gemalt statt gedruckt - nostalgische Kino-Plakate |
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| Donnerstag, 16. Juli 2009 um 05:25 Uhr | ||
Von Teresa Goebbels, dpa
München (dpa/lby) Nostalgie begründet selten geschäftliche Entscheidungen. Dem Royal Filmpalast am Münchner Goetheplatz aber dient sie als alleiniges Argument für die Verwendung handgemalter Filmplakate. Mit rund 20 000 Euro schlagen sie jährlich zu Buche. Für gedruckte Plakate, so der stellvertretende Leiter Erhard Plass, gehen die Kosten gen Null die Filmverleihe übernähmen sie. «Wir werden das nicht mehr lange machen können, zwei Jahre vielleicht noch, dann stirbt das aus», bedauert Plass.
Das Familienkino der Engelberths gehört neben Tivoli, den Sendlinger Tor Lichtspielen, dem City und dem Atelier zu den wenigen Münchner Lichtspielhäusern, die der gemalten Werbung noch den Vorrang gegenüber ihrer gedruckten Plakatkonkurrenz einräumen. «Es ist das letzte Refugium, individuell Werbung zu treiben», stellt Fritz Preßmar fest, der die Sendlinger Tor Lichtspiele und das Tivoli leitet. Als handgemachtes Produkt werde das gemalte Plakat dem einzelnen Film, der kein Massen-, sondern ein individuelles Produkt sei, besser gerecht als «stereotype Einheitswerbung», meint er. «Nachdem sonst alles so perfekt und gelackt ist, fällt so etwas Selbstgemaltes auf», fügt er aber auch einen Marketingaspekt hinzu. Für die Werbeflächen seines Kinos am Sendlinger Tor, die keinem genormten Format entsprächen, koste die gedruckte Version außerdem mindestens doppelt so viel wie die gemalte.
Versorgt werden die Münchner Nostalgiker von René Birkner, der sich seit mehr als 20 Jahren dieser Kunst widmet, von der er selbst sagt, sie sei «abmalen, wenn man so will». Denn in der Regel decken sich die gemalten Motive weitestgehend mit denen der Drucke. Er selbst gehe kaum ins Kino, dafür habe er gar keine Zeit. Neben bis zu vier Plakaten, die er wöchentlich anfertigt, widmet sich der Künstler der abstrakten Malerei.
Auch der Auktion, auf der seine Filmgemälde an diesem Donnerstag in München versteigert werden, werde er fernbleiben müssen. «Ich ärgere mich auch darüber», sagt Birkner, aber am Wochentag der Filmwechsel müsse er Leinwände montieren. Er sei gespannt, wie die Versteigerung ausgehe, habe aber Bedenken angesichts der Größe der Exponate, die bis zu drei Meter hoch seien. «Wer hängt sich so etwas Dominantes in seine Räume?»
Die Plakate kommen unter den Hammer von Regisseur und Auktionator Andreas Lechner. Auch er hat bisher keine Erfahrungswerte mit einer solchen Versteigerung. Optimistisch denkt er aber bereits an eine Expansion nach Los Angeles: «Ich könnte mir vorstellen, dass der Quentin Tarantino selbst vorbeikommt, wenn das Pulp Fiction Plakat versteigert wird.» Tags: m
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