| Anwalt fordert Offenheit bei NS-Raubkunst |
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| Dienstag, 21. Juli 2009 um 17:57 Uhr | ||
Dresden (dpa) - Der Berliner Rechtsanwalt Gerhard Brand hat Museen zum offenen Umgang mit NS-Raubkunst aufgefordert. Strittige Objekte sollten auf der Internetseite der Koordinierungsstelle für Kulturverluste Lost Art mit Sitz in Magdeburg eingetragen werden, sagte Brand am Dienstag in Dresden. Die Koordinierungsstelle wird von allen Bundesländern und dem Bund gemeinsam finanziert. Es sei im Interesse der Häuser selbst, für klare Verhältnisse zu sorgen, betonte Brand. Dies sei man auch den Opfern des Nationalsozialismus und den Erben Betroffener schuldig.
Hintergrund ist ein aktueller Konflikt um NS-Raubkunst in Sachsen. Er betrifft Ansprüche der Familie von Hitler-Attentäter Heinrich Graf von Lehndorff. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 war sein Vermögen eingezogen worden. Brand, der die Lehndorff-Erben vertritt, will die Kunstschätze in Sachsen - in Sammlungen in Dresden, Chemnitz, Leipzig und auf Burg Kriebstein (Mittelsachsen) - lokalisiert haben.
Brand hatte vor allem den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und den städtischen Sammlungen in Chemnitz vorgeworfen, bei Raubkunst zu «mauern» und das Problem auszusitzen. «Sie haben ein ambivalentes Verhältnis zu Lost Art», bekräftigte er am Dienstag. So habe zum Beispiel die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden zwar 494 Bilder in die Suchliste eintragen lassen, aber kein einziges als «Fund». Diese Kategorie umfasst Werke, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Sammlungen auftauchten, ohne dass sie früher zum Bestand gehörten. Bei den Kunstsammlungen Chemnitz betrage das Verhältnis von «Suche und Fund» 250 zu 0.
Die Dresdner Sammlungen hatten bereits am Montag den Vorwurf zurückgewiesen, sie würden das Problem aussitzen. Ein Vergleichsangebot hatten die Lehndorff-Erben abgelehnt. Nun wird auf eine Entscheidung des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen gewartet. Diese will man in Dresden «akzeptieren und keine Rechtsmittel einlegen», hieß es. Die Dresdner Sammlungen betreiben seit einiger Zeit gezielt Provenienzforschung, um die Herkunft strittiger Stücke zu klären.
«Die Erfahrung in den letzten Jahren zeigt, dass die Nutzung von www.lostart.de durch die deutschen Museen etwa im Hinblick auf Fehl- Fundmeldungen zu NS-Raubkunst stetig steigt», sagte der für Lost Art zuständige Mitarbeiter Michael Franz. Die Zahl der Einrichtungen sei von 130 im Jahr 2002 auf mittlerweile 634 gestiegen. Derzeit umfasst die Datenbank Such- und Fundmeldungen von mehr als 1000 nationalen und internationalen Einrichtungen (Museen, Bibliotheken und Archive) und Privatpersonen. |
























































