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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Sündenfall und Welttheater: Tübkes Bauernkriegspanorama PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 28. Juli 2009 um 05:09 Uhr

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Bad Frankenhausen (dpa) - Ein wahres Lebenswerk: Elf Jahre - von der ersten Skizze bis zum letzten Pinselstrich - hat Maler Werner Tübke (1929-2004) in das Monumentalgemälde «Frühbürgerliche Revolution in Deutschland» investiert. Wie einst die Meister der Renaissance, konzentrierte der Vertreter der Leipziger Schule all sein Können und seine Erfahrung auf das Großprojekt im thüringischen Bad Frankenhausen. Von den DDR-Oberen ursprünglich als historisierendes Schlachtenpanorama zur 450. Wiederkehr der Bauernaufstände 1525 geplant, schuf Tübke ein geschichtsträchtiges Werk von hoher Verallgemeinerungskraft, das von Sündenfall, Weltuntergang und Erneuerung erzählt. Am Donnerstag (30. Juli) wäre Tübke 80 Jahre alt geworden.    

 

«Es ist ein universales, zeitloses "Welttheater", in dem Grundthemen der Menschheit - Liebe und Hass, Geburt und Tod - die unendliche Wiederkehr des Gleichen versinnbildlichen», schwärmt Museumsdirektor Gerd Lindner. «Das ist jedoch Friedrich Nietzsche und nicht Karl Marx. Dass Tübke dies in der DDR schaffen konnte, ist das Wunder und die Voraussetzung für die Überlebenskraft seines Werkes.» Das 14 mal 123 Meter große Ölgemälde in der Rotunde auf dem Schlachtenberg gehört zu den 20 kulturellen Gedächtnisorten von nationaler Bedeutung in Ostdeutschland.    

 

Am 15. Mai 1525 waren am Fuße des Kyffhäusergebirges die Aufständischen unter Führung des Theologen Thomas Müntzer (um 1490- 1525) beim Mittagsgebet von den fürstlichen Landsknechten überrascht und niedergemetzelt worden. Mehr als 6000 Bauern und arme Stadtbewohner starben, Müntzer wurde gefangen genommen und wenige Tage später gehenkt. Für die DDR-Regierung war die «frühbürgerliche Revolution» ein Ereignis von historischer Tragweite bis in die Gegenwart.   

 

Immerhin 53,4 Millionen DDR-Mark ließ sie sich den Rundbau kosten. «Elefantenklo» wurde er von den Einheimischen lange genannt, da über ihre Köpfe hinweg entschieden worden war. Diese Einstellung hat sich in den vergangenen 20 Jahren geändert, auch weil mit Touristen Geld in die Gegend kommt. Seit Eröffnung vor 20 Jahren - am 14. September 1989 kurz vor dem Ende der DDR - zog das Bild rund 2,2 Millionen Besucher in seinen Bann.    Tübke, in Italien und anderen Ländern Westeuropas als figürlicher Maler gefeiert, nutzte sein internationales Ansehen, um das Thema und die Auftragsbedingungen zu diktieren, sagt Lindner. «Ich konnte machen, was ich wollte», bekannte der Meister 15 Jahre nach seiner Abschlusssignatur am 16. Oktober 1987. Aber auch: «So etwas macht man nur einmal im Leben».   

 

Für die «Knochenarbeit» gab er 1976 sein Rektoramt an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig auf. Gegen sich selbst und seine acht Helfer war er unerbittlich, berichten Zeitzeugen. Um ausgewählt zu werden, mussten sie zuvor bis zu einem Jahr lang in Werkstätten den Pinselstrich Tübkes üben, bis kein Unterschied mehr zu erkennen war.    

 

In einer Ausstellung zum 80. Geburtstag Tübkes enthüllt das Panoramamuseum noch bis zum 11. Oktober erstmals, welchen Anteil die Kunst-Absolventen an der 1722 Quadratmeter großen Leinwand mit mehr als 3000 Figuren und üppigem «Beiwerk» wie Tieren, Häusern, Schiffen, einem Regenbogen und religiösen Symbolen haben. Von Tübke selbst - so belegt ein von ihm akribisch geführtes Maltagebuch - stammt knapp die Hälfte des Panoramas.    

 

Für die Besucher wirkt die Malerei wie «aus einem Guss». «Sie fragen oft, ob sie nicht an die Wand projiziert ist, so fein und gleichmäßig wirken die Pinselstriche», erzählt der 46 Jahre alte Kunsthistoriker Lindner. «Erst ganz nah werden die dicken Farbaufstriche und übersteigerten Kontraste sichtbar, die an Gemälde von Oskar Kokoschka erinnern.»   

 

Auf dem Riesenwerk hat Tübke all die bekannten Größen der damaligen Zeit untergebracht, angefangen von Künstlern wie Hans Sachs, Veit Stoß, Tilmann Riemenschneider, Albrecht Dürer und Lucas Cranach über Reformatoren wie Martin Luther und Erasmus von Rotterdam bis zu Wissenschaftlern, Entdeckern und Händlern wie Nikolaus Kopernikus, Paracelsus, Christoph Kolumbus, Johannes Gutenberg und Jakob Fugger. In diese Phalanx hat er sich auch selbst eingereiht. «Er liegt dort als dämonischer Engel, dem die Seele aus dem Mund fliegt», erzählt Lindner. Tübkes Frau sitzt darunter auf einem Pferd. Das Bild stammt von seinem Mitarbeiter Eberhard Lenk. «Tübke fand das spannend, dass ein anderer seinen Tod malt.»



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