| Künstler und Politiker trauern um Peter Zadek |
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| Freitag, 31. Juli 2009 um 05:19 Uhr | ||
Berlin/Hamburg (dpa/bb) - Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben Künstler und Politiker am Donnerstag auf den Tod des Theaterregisseurs Peter Zadek reagiert. Der Regisseur, der auch Intendant in Bochum, Hamburg und Berlin war, ist nach schwerer Krankheit in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 83 Jahren in Hamburg gestorben, wo er zuletzt mit seiner Lebensgefährtin Elisabeth Plessen lebte.
Künstlerkollegen wie Luc Bondy, Jürgen Flimm und Gert Voss sowie Politiker wie Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundestagspräsident Norbert Lammert reagierten mit großer Bestürzung und tiefer Trauer auf den Tod des «großen Zauberers» und «Anarchisten», der das europäische Theater revolutioniert habe. Zadek hat es laut Köhler verstanden, sein Publikum immer neu zu begeistern, «auch weil er es gelegentlich provozierte».
Merkel würdigte Zadek als einen Theatermann, dem es immer wieder gelungen sei, «sein Publikum tief zu berühren». Bundesaußenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sagte, Zadeks Tod hinterlasse nicht nur bei Theaterbegeisterten eine große und schmerzhafte Lücke. Mit seinen mutigen und frechen Inszenierungen habe er frischen Wind auf die Bühnen gebracht.
Der am 19. Mai 1926 in Berlin geborene und 1933 mit seinen Eltern nach England emigrierte Zadek - 1958 kehrte er wieder nach Deutschland zurück - habe das europäische Theater revolutioniert, hieß es übereinstimmend. Zu Zadeks Protagonisten gehörten über Jahre vor allem Schauspieler wie Gert Voss, Ulrich Wildgruber, Eva Mattes und Uwe Bohm. Mattes würdigte Zadek als «wichtigsten Mann in meinem Theaterleben» und sagte: «Peter Zadek war so präzise, klug, scharf, witzig, warm, zärtlich, wie er brutal, verachtend, arrogant, grob sein konnte, er war vernünftig und verrückt zugleich, und er war immer ein Verliebter in Menschen, in ihre Extreme, in ihre Gefühle und ihr Verhalten.»
Der Schauspieler Gert Voss, der mit Zadek unter anderem am Wiener Burgtheater und am Berliner Ensemble zusammengearbeitet hat, nannte Zadek den «Leuchtturm meines Bühnenlebens». Der Intendant und Regisseur Jürgen Flimm sagte, Zadek habe das Theater in einer Weise revolutioniert, «wie man es sich in den verschlafenen 50er Jahren kaum denken konnte». Nach den Worten des früheren Intendanten Ivan Nagel, der mit Zadek in Hamburg zusammengearbeitet hat, verliert das deutsche Theater «seinen größten Regisseur seit 40 Jahren». Zadek sei «ein völlig unvergleichbarer Künstler, Theatermann» gewesen, sagte Nagel im Deutschlandradio Kultur.
Der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, nannte Zadek gar den «Erfinder des modernen Regietheaters», der «größte Anarchist des Theaters», wie Peymann in der Berliner Tageszeitung «B.Z.» (Freitag) meinte. Das jetzige Theater sei ihm zu laut und zum Teil zu grob gewesen, meinte der Regisseur Luc Bondy nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Zadek sei brutal und verletzlich gewesen und habe als deutscher Jude an den Deutschen gezweifelt. «Aber die Sprache und Deutschland waren seine Kultur.»
Der Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels, Dieter Dorn, trauert um «einen großen Kollegen und Freund». Er wollte mit Zadek ein neues Projekt in München realisieren. Für Friedrich Schirmer, Intendant des Hamburger Schauspielhauses, das Zadek von 1985 bis 1989 leitete, hat der Regisseur das Nachkriegstheater revolutioniert wie kein zweiter. Er habe dem Theater Sternstunden beschert. Der Intendantenkollege Elmar Goerden vom Schauspielhaus Bochum, das Zadek von 1972 bis 1979 leitete, erinnerte sich an Zadeks «wilde Ufer, seine Unbedingtheit, seinen Irrsinn, seine Sturheit, seine unheilbare Liebe zum spielenden Menschen» und fügte hinzu: «Er wird uns fehlen. Schmerzhaft!»
Der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat den Tod Zadeks als «einen großen Verlust für die internationale Theaterwelt und für das Kulturleben seiner Heimatstadt Berlin» bezeichnet. «Seine Verbundenheit mit Berlin ist umso höher zuschätzen, als er 1933 mit seiner Familie aus unserer Stadt emigrieren musste.» Die Berliner CDU-Fraktion bedauerte, dass Zadek nicht häufiger in Berlin inszeniert hat. Michael Braun nannte Zadek einen «Provokateur des bürgerlichen Theaters».
Die Berliner Akademie der Künste und ihr Präsident Klaus Staeck würdigten den «politischen Instinkt und die Liebe zum Menschen» ihres Mitglieds Peter Zadek. Kulturstaatsminister Neumann trauert um «einen der bedeutendsten Regisseure der Gegenwart, der wie kaum ein anderer Künstler die deutsche Bühnenlandschaft seit den 60er Jahren geprägt und verändert habe. |
























































