| Künstler gehen vor Ausstellung auf Wählerfang |
|
|
|
| Freitag, 05. Juni 2009 um 12:56 Uhr | ||
Von Martin Oversohl, dpa Karlsruhe (dpa/lsw) - Jede Stimme zählt - nicht nur auf der politischen Bühne, sondern auch in der Kunst. Denn was die großen Parteien können, das können die Künstler schon lange, mag man sich in Karlsruhe gedacht haben. Und rief den Kunstwahlkampf im Superwahljahr aus. Gemeinsam mit der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) kürt das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) nun die Wahlsieger und zeigt ihre Arbeiten von diesem Samstag (6. Juni) an in einer Ausstellung. Unter dem Titel «Wahlheimat» präsentieren sich die 20 Künstler, die sich unter anderem im Internet und durch Wahlwerbung im Rennen gegen insgesamt 30 Konkurrenten durchgesetzt haben. Nicht Kuratoren konnten auswählen, welcher Künstler seine Werke im «Ausstellungsparlament» zeigen darf. «Die Qual der Wahl hatte dieses Mal das Publikum», erklärte HfG-Prorektor Uwe Hochhuth. Ziel des Projektes sei es gewesen, «den demokratischen Wahlprozess auf die Kulturgestaltung auszuweiten». Weltweit konnten Kunstfreunde von Mitte April bis Anfang Mai per Handy-Nachricht oder Email für einen der Künstler stimmen, die sich auf einer gemeinsamen Plattform im Internet präsentierten. Mit der Wahlbeteiligung sind die Veranstalter zufrieden: Mehr als 7000 Menschen machten ihr interaktives Kreuzchen. Das Künstlerhonorar von insgesamt 20 000 Euro und die 1500 Quadratmeter Ausstellungsfläche wurden je nach Stimmenanteil an die Künstler verteilt. Wahlgewinnerin mit 15,80 Prozent der Stimmen ist die Karlsruher Künstlerin Renate Schweizer, die für ihre Arbeiten mit unzähligen gebrauchten Teebeuteln bekannt ist. Sie versteht ihre Kunst als «Einladung an alle Religionen und Nationalitäten, mittels des verbindenden Elements des Teebeutels zu kommunizieren». In der Karlsruher Nancyhalle präsentiert sie unter anderem eine Decke aus den Beuteln verschiedener Teesorten. Nur knapp auf dem zweiten Platz landete der «Street Artist» Christian Krämer mit seinem Graffiti-Werk «Stadtgespräche», der unter anderem die Fassaden von politischen Institutionen wie das Bundesverfassungsgericht in seine Werke einarbeitet. Die menschliche Seite des Rechts, die Büros und Mitarbeiter des obersten deutschen Gerichts, bannt Daniel Schludi auf seine Fotos, während Andreas Friedrich mit den Bildern illuminierter Litfaßsäulen arbeitet. Zur Eröffnung der «Wahlheimat» schließt sich der Kreis von Kunst und Politik: Unter dem Motto «20 x eine Minute Demokratie» lesen die beiden Karlsruher Bundestagsabgeordneten Ingo Wellenreuther (CDU) und Johannes Jung (SPD) am Samstagabend (19.00) 20 einminütige Ausschnitte aus historischen Reden vor. Und wann schließt die «Wahlheimat» ihre Tore? Natürlich erst nach der dominierenden Wahlnacht dieses Jahres, der Bundestagswahl Ende September. Die Ausstellung ist mittwochs bis freitags von 10.00 bis 12.00 und von 14.00 bis 18.00 Uhr sowie an Wochenenden von 14.00 bis 19.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Internet: www.superwahlheimat.de |
























































