| «A smart show» - Die Kunstbiennale in Venedig |
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| Freitag, 05. Juni 2009 um 12:57 Uhr | ||
Von Britta Schmeis, dpa Venedig (dpa) - Der Direktor der 53. Kunstbiennale von Venedig, Daniel Birnbaum, hatte es angekündigt: Mit seinem in zahlreiche Sprachen übersetzen Motto «Fare Mondi, Making Worlds, Weltenmachen», wolle er zeigen, dass Kunst in allen Ländern eine ganz unterschiedliche Bedeutung, Funktion hat. Als Leistungsschau der Nationen, die ihre besten Künstler präsentieren, wollen die Macher das Spektakel ohnehin längst nicht mehr verstanden wissen. Und so bietet sich auf der am Sonntag offiziell beginnenden Biennale in der Lagunenstadt (bis 22. November) alles andere als ein einheitliches Bild. Neben ganz klassischen Ausstellungen eines oder mehrerer Künstler wie im belgischen, spanischen, israelischen oder südkoreanischen Pavillon haben einige Länder ihre Ausstellungsgebäude tatsächlich als Kunstraum verstanden, der als Einheit funktioniert - inklusive des Besuchers. Herausragendes Beispiel: «The Collectors», der Beitrag der skandinavischen Länder samt Dänemark kuratiert von dem Künstlerduo Elmgreen & Dragset. Vor dem dänischen Pavillon steht ein riesiges Maklerschild «For sale«, der Bau gleicht einem Bungalow aus den 1970er Jahren mit riesigen Fenstern und natürlich Flachdach. Innen präsentiert sich ein modern eingerichtetes, verlassenes Haus, die Wohnzimmermöbel sind mit weißen Laken bedeckt, die riesige Tafel ist noch für ein Essen gedeckt, an der Flügeltür wartet eine Hausangestellte (aus Gold) im schwarzen Kleid mit weißem Häubchen und Schürze. Der benachbarte Nordische Pavillon (Schweden, Finnland, Norwegen) präsentiert sich noch moderner - und vor allem lebendiger: Auf dem Schreibtisch liegt eine ausgedrückte Zigarette, in der Küche steht eine benutzte Espressokanne und auf den Möbeln lümmeln wohlgebaute ganz reale Jünglinge, die gelangweilt in ihre Handys tippen oder an Drinks nippen - allesamt Liebhaber des ehemaligen Hausbesitzers - der liegt tot im Pool vor dem Pavillon. Dieser Beitrag ist ein Gesamtkunstwerk - bestehend aus verschiedenen Beiträgen - bei dem der Besucher eine zentrale Rolle einnimmt, denn der darf die Einrichtung ausprobieren. Ganz anders im Deutschen Pavillon, der ebenfalls als Gesamtkunstwerk verstanden werden kann - und muss. Denn in den weißen Bau hat der britische Künstler Liam Gillick eine schlichte Einbauküche aus Tannenholz gestellt, die an eine unfertige Ikeaküche erinnert. Dazu brabbelt eine ausgestopfte Katze von einem der Schränke schwer verständliches Zeug. Gillick habe sich von dem 100 Jahre alten und in den 1930er Jahren von den Nazis umgestalteten Gebäude inspirieren lassen, und eine herrschaftliche mit einer demokratischen Architektur konfrontiert, hatte der Kurator Nicolaus Schafhausen bei der Eröffnung erklärt. Doch die Küche ist museal: Angefasst werden darf sie nicht. Andere Länder setzen hingegen auf Altbewährtes: Der Britische Pavillon zeigt einen immerhin neuen Film von Steve McQueen mit dem Titel «Giardini», den Beitrag der USA bestreitet Bruce Nauman - unter anderem mit seinen typischen Neonschriften und Köpfen. Die Israelis setzen ihrem 2007 gestorbenen Künstler Raffi Lavie ein Denkmal, in dem sie seine stark von Paul Klee, Jean Dubuffet und Robert Rauschenberg inspirierten bunten Bilder in dem hellen, zweigeschossigen Pavillon zeigen. Der einstige italienische Pavillon ist zum Palazzo delle Esposizioni geworden, der auch künftig Ausstellungen beherbergen soll und den Birnbaum mit den unterschiedlichsten Künstlern bestückt hat - unter anderem den beiden Deutschen Wolfgang Tillmans mit seiner «Silver Installation VI» von 2009 und Hans-Peter Feldmann mit seinem eindrucksvollen «Schattenspiel 2002-2009», einer Installation zahlreicher kleiner Spielsachen und Dingen des täglichen Gebrauchs, die auf kleinen Plattformen rotieren, angestrahlt von hellen Scheinwerfern und so im Hintergrund ein wirres und doch ganz ruhiges Schattenspiel verursachen. Oftmals sehr innovativ, aber auch schwer zu finden, sind die in zahlreichen Palazzi der Stadt verteilten Länderbeiträge. Die Ukraine etwa präsentiert sich in einem solch prachtvollen Bau am Canal Grande. «Steppes of Dreamers» (Steppen der Träumer) heißt der von Box-Weltmeister Wladimir Klitschko kuratierte Beitrag, der sich über den ganzen Palazzo verteilt. Nebel, sphärische Klänge, Lichtspiele und eine reale Rollerskaterin, die durch die Räume gleitet, vermitteln eine multimediale Sinneserfahrung. Der Ukrainer Illya Chichkan und der Japaner Mihara Yasuhiro haben das Kunstwerk geschaffen. «Die Menschen sollen sagen, dass es "a smart show" war», erklärte Peter Doroshenko vom beteiligten PinchukArtCentre die Intention der Ukraine. Ein Wunsch, den wohl viele Biennale-Teilnehmer haben. Für wen er sich erfüllt, wird sich erst in kommenden Monaten zeigen, wenn das breite Publikum zu der Kunstschau strömt.
Internet: www.labiennale.org |
























































