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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Goldene Löwen für Neon-Cafeteria und Neon-Köpfe PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 07. Juni 2009 um 17:44 Uhr

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Von Britta Schmeis, dpa

Venedig (dpa) - Die Gewinner der Goldenen Löwen der 53. Biennale in Venedig haben eines gemeinsam: ein Faible für Neonfarben. Und sie sind exemplarisch für die am Sonntag eröffneten Kunstschau. Mit dem Deutschen Tobias Rehberger und der von ihm gestalteten Cafeteria würdigt die Jury eine komplette Rauminstallation; mit dem vom Altmeister Bruce Nauman bestückten amerikanischen Pavillon, an dem zahlreiche bunte Neonschriften blinken, ein über Dekaden entstandenes Oeuvre eines einzelnen Künstlers. Bei der Schau unter dem künstlerischen Leiter Daniel Birnbaum lässt sich nur schwer eine klare Linie ausmachen. Und genau das hatte der Leiter der Frankfurter Städel-Kunstschule mit seinem Motto «Weltenmachen» auch beabsichtigt.   

Rehberger, am Samstagabend als bester Künstler mit dem Goldenen Löwen geehrt, hat eine Cafeteria in den Giardini zur erlebbaren Kunst erhoben: Seine Würfelhocker, langen Sitzbänke und ebensolche Tische in dem von oben lichtdurchfluteten Raum muten mit ihren neon-gelben, -roten und - grünen, sowie schwarz-weißen Streifen psychedelisch an. Durch die Verwandlung des bestehenden Raumes, der Cafeteria, in ein Kunstwerk, werde soziale Kommunikation zu ästhetischer Praxis, hieß es in der Begründung der Jury. Soweit die akademische Würdigung.   

Doch fasziniert das Werk des 43-Jährigen vor allem als klassisches Trompe-l½il, in dem der Betrachter sich verliert, tief darin einsinkt. Das Auge kann die verschiedenen Möbel kaum von Wänden, Fußböden und Lüftungsrohren unterscheiden. Der Betrachter wird Teil des Raumes, der Kunst.   

Und genau das ist ein Motiv, das sich in vielen Beiträgen der Biennale wiederfindet - allen voran bei «The Collectors», dem Gemeinschaftswerk der skandinavischen Ländern samt Dänemark. Die Jury würdigte den Beitrag des von dem Künstlerduo Elmgreen & Dragset kuratierte Gesamtwerks denn auch als herausragendes Beispiel. Die beiden Pavillons sind zu vermeintlich verkäuflichen Immobilien geworden, in denen das Leben ihrer Besitzer noch zu sehen und zu erleben ist.    

So steht vor dem dänischen Pavillon ein riesiges Maklerschild «For sale«, der Bau gleicht einem typischen Bungalow aus den 1970er Jahren. Innen präsentiert sich ein modern eingerichtetes, verlassenes Haus, die Wohnzimmermöbel sind mit weißen Laken bedeckt, die riesige Tafel ist noch für ein Essen gedeckt, an der Flügeltür wartet eine Hausangestellte (aus Gold) im schwarzen Kleid mit weißem Häubchen und Schürze.    

Der benachbarte Nordische Pavillon (Schweden, Finnland, Norwegen) präsentiert sich noch moderner - und vor allem lebendiger: Auf dem Schreibtisch liegt eine ausgedrückte Zigarette, in der Küche steht eine benutzte Espressokanne und auf den Möbeln lümmeln wohlgebaute ganz reale Jünglinge, die gelangweilt in ihre Handys tippen oder an Drinks nippen - allesamt Liebhaber des ehemaligen Hausbesitzers - der liegt tot im Pool vor dem Pavillon. Dieser Beitrag ist ein Gesamtkunstwerk - bestehend aus verschiedenen Beiträgen - bei dem der Besucher eine zentrale Rolle einnimmt, denn der darf die Einrichtung ausprobieren.    

Ganz anders im Deutschen Pavillon, der ebenfalls als Gesamtkunstwerk verstanden werden kann - und muss. Denn in den weißen Bau hat der britische Künstler Liam Gillick eine schlichte Einbauküche aus Tannenholz gestellt, die an eine unfertige Ikeaküche erinnert. Dazu brabbelt eine ausgestopfte Katze von einem der Schränke schwer verständliches Zeug. Gillick habe sich von dem 100 Jahre alten und in den 1930er Jahren von den Nazis umgestalteten Gebäude inspirieren lassen, und eine herrschaftliche mit einer demokratischen Architektur konfrontiert, hatte der Kurator Nicolaus Schafhausen bei der Eröffnung erklärt. Doch die Küche ist museal: Angefasst werden darf sie nicht.    

Andere Länder setzen auf Altbewährtes: Der Britische Pavillon zeigt einen immerhin neuen Film von Steve McQueen mit dem Titel «Giardini», die Israelis setzen ihrem 2007 gestorbenen Künstler Raffi Lavie ein Denkmal. Und den mit dem Goldenen Löwen geehrten Beitrag der USA bestreitet der 1941 geborene Bruce Nauman mit seinen über Jahrzehnten entstandenen Werken. Da ist sein 1967 geschaffenes Neonschild mit dem Schriftzug «The true artist helps the world by revealing mystic truth» («Ein wahrer Künstler hilft der Welt, durch die Enthüllung mystischer Wahrheiten») ebenso wie seine blinkenden Neonköpfe «Eating Buggers» und «Double Poke in the Eye» (beide 1985) und aus dem Jahr 2005 die beiden «Three Heads Fountain» - jeweils drei Köpfe hängen von der Decke, aus ihnen sprudelt das Wasser.     

Oftmals sehr innovativ, aber auch schwer zu finden, sind die in zahlreichen Palazzi der Stadt verteilten Länderbeiträge. Die Ukraine etwa präsentiert sich in einem solch prachtvollen Bau. «Steppes of Dreamers» (Steppen der Träumer) heißt der von Box-Weltmeister Wladimir Klitschko kuratierte Beitrag, in den Räumen des Palazzo. Nebel, sphärische Klänge, Lichtspiele und eine reale Rollerskaterin, die durch die Räume gleitet, vermitteln eine universelle Sinneserfahrung. Der Ukrainer Illya Chichkan und der Japaner Mihara Yasuhiro haben das Kunstwerk geschaffen. «Die Menschen sollen sagen, dass es "a smart show" war», erklärte Peter Doroshenko vom beteiligten PinchukArtCentre die Intention der Ukraine. Ein Wunsch, den wohl viele Biennale-Teilnehmer haben. Für wen er sich erfüllt, wird sich erst in kommenden Monaten zeigen, wenn das breite Publikum zu der Kunstschau (bis 22. November) strömt.

(Internet: www.labiennale.org)



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