| Von der Barbarei zur Kunst - Kelten in Bern |
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| Donnerstag, 18. Juni 2009 um 17:02 Uhr | ||
Von Regina Weinrich, dpa
Bern (dpa) - Sagenumwoben und mystifiziert müssen die Kelten vielfach für bizarre Vorstellungen herhalten. Sie selber haben ihre Geschichte nicht aufgeschrieben, den Griechen und Römern waren die kriegerischen Stämme aus dem Norden verachtungswürdige Barbaren. Die Ausstellung «Kunst der Kelten - 700 vor bis 700 nach Chr.», die bis zum 18. Oktober 2009 im Historischen Museum in Bern gezeigt wird konzentriert sich auf die Kreativität und das künstlerische Schaffen dieser im frühen Europa lebenden Menschen und zeigt, wie eigene Werte sich künstlerisch Bahn gebrochen haben. Das gelingt mit ansprechender Leichtigkeit und Einfühlungsvermögen, die es einem breiten Publikum möglich machen, die unzweifelhaft beeindruckenden Exponate zu genießen. Gezeigt werden prachtvoller Schmuck und kostbare Gebrauchsgegenstände, Waffen und Kultobjekte, reich, raffiniert und rätselhaft verziert. Die rund 450 gezeigten Stücke aus Bronze, Eisen, Silber und Gold, aber auch Keramik, von den Anfängen im 7. vorchristlichen Jahrhundert bis zu den irischen Buchmalereien um 700 nach Christus, stammen aus ganz Europa. Die Ausstellung erhebt erstmals im deutschsprachigen Raum das künstlerische Schaffen der Kelten zum zentralen Thema und will den «Beitrag des Nordens an die europäische Kunstgeschichte» verdeutlichen. Die Plastiken der Kelten werden in Bern mit griechischen und römischen Pendants konfrontiert und veranschaulichen so die Eigenständigkeit keltischer Kunst, ohne die Einflüsse der Hochkulturen des Mittelmeeres zu ignorieren. Die Ausstellung ist spektakulär, ohne sich als Spektakel zu inszenieren. Den Auftakt macht das Grab des «keltischen Tutanchamun», des Fürsten von Hochdorf, das 1978 in der Nähe von Stuttgart, von Grabräubern ungestört, entdeckt wurde. Zu sehen sind Hals- und Armring, Schuhe, Gewandschließen und ein Dolch aus Gold, der prunkvolle Wagen und ein Sofa aus Bronze, des etwa 530 v.Chr. in einem Grabhügel bestatteten Kelten. Das Fürstengrab, das die Stuttgarter erstmalig ins Ausland ausleihen, steht auch für die grenzüberschreitende, enge Zusammenarbeit zwischen dem Berner Museum und dem Landesmuseum Württemberg in Stuttgart. Ein weiterer Anziehungspunkt ist der goldene Helm von Agris, der 1980 in einer Höhle nördlich von Bordeaux entdeckt wurde und jetzt als Emblem für die Ausstellung dient. Das üppig mit Ornamenten und Korallenauflagen verzierte Prunkstück aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. ist mit einer hauchdünnen Folie aus hochkarätigem Gold belegt. Ebenfalls aus Frankreich kommen einige zuvor noch nie ausgestellte Neufunde, darunter eine etwa mannshohe Kriegstrompete, eine sogenannte Carnyx, eigenwillig auch die mit Tiermotiven bemalten Tongefäße aus Clermont-Ferrand in der Auvergne, die etwa 120 v. Chr. entstanden sind. hre Blüte erreichte die Kunst der Kelten zwischen dem 5. und 2. Jahrhundert v. Chr. Die chronologisch gegliederte Ausstellung in Bern klingt aus mit einem Meisterwerk der irischen Buchmalerei, dem vor mehr als 1200 Jahren geschaffenen Codex 51 aus dem von irischen Mönchen gegründeten Kloster St. Gallen. Anhand des Evangeliars wird deutlich, wie zu Beginn des Frühmittelalters keltische Ornamentkunst, germanische Flechtbänder und die christliche Kreuzform zu einem neuen Stil verschmolzen sind. Südwestdeutschland, Teile der Schweiz und Ostfrankreichs gelten als «keltisches Kernland». Das und insbesondere ihre bedeutenden Sammlungsbestände prädestinierten die beiden Museen in Bern und Stuttgart, diese Ausstellung, ergänzt durch hochrangige Leihgaben, gemeinsam zu gestalten. Für die Stuttgarter kommt die Schau einem Probelauf gleich. Sie veranstalten 2012/2013 zusammen mit dem Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg eine Große Landesausstellung mit dem umfassenderen Thema «Die Kelten», bei der es um Kunst, Geschichte und Kultur der Kelten gehen wird. |
























































