| Niederländische Geschichte durch Bilderrahmen betrachtet |
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| Donnerstag, 18. Juni 2009 um 17:06 Uhr | ||
Von Gerd Korinthenberg, dpa
Wuppertal (dpa) - Allein schon der 450-seitige Ausstellungskatalog ist ein Reiseführer der besonderen Art: Eine üppige Barock- Bilderschau niederländisch-flämischer Meister im Wuppertaler Von der Heydt-Museum entführt sinnenfroh in die komplizierte Geschichte der heutigen Niederlande und Belgiens während des vielgerühmten «Goldenen Zeitalters». Die rund 150 Gemälde, darunter Meisterwerke von Rubens, van Dyck, Ruisdael oder Brueghel sowie viel Ungesehenes aus Privatsammlungen, sollen jedoch nicht bloße Augenweide sein.   «Wir wollen begreiflich machen, dass es nicht nur schöne Bilder sind, sondern dass sie auch etwas mit der damaligen Lebenswirklichkeit zu tun haben», beschreibt Museumsdirektor Gerhard Finckh das ambitionierte Ziel der nur in Wuppertal gezeigten Schau. Unter dem Titel «Freiheit, Macht, Pracht» gibt sie von Sonntag an (bis 23. August) Einblick in die Geschichte und die bis heute höchst unterschiedlichen Mentalitäten der beiden westlichen Nachbarländer, das katholisch geprägte Belgien und die protestantischen Niederlande. Interessant, so Finckh, sei der Aspekt, dass rund um die schmerzhafte Trennung beider Landesteile im Jahr 1579 Kriege und Krisen tobten, Kunst, Handel und Wissenschaften aber dennoch erblühten konnten.   Schon der Gegensatz von Ausstellungsauftakt und Ende des Rundgangs spricht Bände: Hier das spanisch-habsburgische Statthalterpaar im üppigen historischen Goldrahmen, das Rubens 1615 pompös ins Bild gesetzt hat, dort ein um 1660 von Gerard ter Borch porträtiertes niederländisches Ehepaar, das in zurückhaltend schwarzer Garderobe protestantisch-selbstbewusst in die Welt blickt. Zum raschen Wohlstand der jungen nördlich-niederländischen «Generalstaaten» trugen auch Heringsfang und Seefahrt bei: Burleske Fisch-Stillleben und fast reportagehafte Meeres-Szenen voll stolzer Segelschiffe, von der herkömmlichen Kunstgeschichte meist religiös-metaphorisch interpretiert, legen nach Auffassung der Wuppertaler Museumsleute hiervon Zeugnis ab.   Karge Kircheninterieurs, etwa von Emanuel de Witte 1655 gemalt, künden von Protestantismus und Patriotismus: Lieblingsmotiv im Vordergrund ist das Grabmal Wilhelms I. von Oranien, der als ein Che Guevara seiner Zeit die von Spanien abtrünnigen Niederlande in ihre republikanische Freiheit führte. Währenddessen schuf Rubens nur wenig weiter südlich - etwa mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige - erzkatholische Kunst von Weltgeltung.   Für das bürgerliche Wohnzimmer gemalte Kleinformate mit stimmungsvollen Ansichten bescheiden-sauberer Städte wie Anthony van der Croos schönes Bild von Leiden belegen Mitte des 17. Jahrhunderts ein neues Heimatgefühl. Zur Motiv-Welt der Landschaftsschilderei gesellt sich, wie in Jan van Goyens duftiger «Ansicht von Wageningen» (1636), jetzt auch die Windmühle: Das heute touristisch vermarktete Niederlande-Symbol galt dazumal als Triumph des freien, menschlichen Erfindergeistes über die bedrohlichen Elemente Wind und Wasser.   Ostindienhandel und Kolonialismus, in Wuppertal belegt mit zwei berückend stimmungsvollen Brasilien-Landschaften des «Expeditionsmalers» Frans Post, spülten unglaublichen Reichtum in die Niederlande, den auch zahllose gediegene Familienporträts in wohlhabenden Wohnhäusern der Nachwelt überliefert haben. Und dann wären da noch die Tulpen, die nicht nur zum beliebten Bestandteil vieler Blumen-Stillleben wurden. Die aus der Türkei eingeführte Tulpenzwiebel entfachte auch ein geradezu hysterisches Spekulationsfieber, das 1637 dramatisch mit einem Wirtschafts-Crash endete und zahllose Niederländer in tiefes Elend riss. |
























































