| Karlsruher Projekt schickt Künstler in Betriebe |
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| Dienstag, 23. Juni 2009 um 05:12 Uhr | ||
Von Martin Oversohl, dpa
Karlsruhe (dpa/lsw) - Mit ihrem neuen Projekt wollen Ulrike Israel und Bernadette Hörder die Richtung vorgeben - und zwar deutlich, sichtbar und über eine Länge von insgesamt acht Kilometern in zwei Ländern. Als «Luftlinie Karlsruhe - Budapest» bezeichnen die beiden ihren Plan, die Verbindung zwischen der badischen Metropole und der ungarischen Hauptstadt symbolisch mitten durch die beiden Innenstädte zu ziehen. Zwar geht die geplante farbige Linie nicht wirklich von Karlsruhe nach Budapest und zurück - viel zu weit! - aber sie soll zumindest die exakte Richtung anzeigen, in der Budapest von der Fächerstadt aus gesehen liegt und umgekehrt.
Anlass für das ungewöhnliche Projekt der Künstlerinnen sind die «Europäischen Kulturtage 2010», die traditionell alle zwei Jahre in Karlsruhe stattfinden. In einem zweiten Teil des Projektes wollen deutsche und ungarische Künstler mit ihren Ateliers in die Werkhallen von mittelständischen Unternehmen umziehen und gemeinsam mit den Firmen und deren Produkten Kunst kreieren. «Unsere Grundidee war es, das Fremde, also die Künstler und die Wirtschaft, zusammenzubringen», meint Hörder.
«Mit einem ungewöhnlichen Kontext an Begegnungen, Gesprächen und wechselseitiger Inspiration werden sich diese zwei Welten über einen Zeitpunkt hinweg begegnen», erklärt Israel. Mittelständler und Künstler arbeiteten ganz ähnlich: «Beide brauchen Visionen und einen langen Atem, um ihre Ideen umzusetzen.»
Zumindest der zweite Teil des Kunstprojekts, der Kontakt zwischen Künstlern und den Unternehmen, Gewerkschaften oder Handwerkern, ist kein Modellversuch mehr: Vor zwei Jahren hatten Israel und Hörder bereits Erfolg mit einem ähnlichen Projekt in elf Unternehmen im Offenburger Raum. «Damals ist bereits Kunst mit Bodenhaftung entstanden, die Kunst konnte schon Prozess ihres Werdens erlebt werden», erklärt Israel. Die Bildhauerin hatte mehrere Monate lang bei einem Oberkircher Fertighausbauer unter den zunächst skeptischen Blicken der Zimmerleute gebohrt, gehämmert und gesägt. «Aber mit der Zeit haben sie nach Feierabend immer öfter dabeigestanden und über die Skulptur diskutiert, die da geschaffen wurde.»
Das Prinzip ist einfach: Die Unternehmen, darunter Baubetriebe, Stahl und Kunst verarbeitende Firmen, Küchenausstatter oder Handwerker, stellen von September bis November den Raum, das Material und Werkzeug zur Verfügung. Vorgabe für den Künstler ist es, die für das Unternehmen typischen Materialien zu nutzen. Glas, Kunststoff oder Metall, Blech, Holz oder Kartons. Auftragskunst soll es allerdings nicht werden, die Künstler - fünf Deutsche und fünf Ungarn - sind nicht eingeschränkt.
Und der Vorteil für die Betriebe? «Viele lobten damals, das Projekt habe ihren Horizont erweitert», erinnert sich Israel. «Es ist ein Verständnis gewachsen für die so anderen Fragestellungen der Künstler an Inhalte, an Material, Werkstoffe und Nutzung.» Zudem haben die Firmen nach getaner Arbeit Vorkaufsrecht, bevor das gute Stück in den Besitz des Künstlers übergeht. Mit Erfolg: In Offenburg wurden von elf Werken acht verkauft.
Ziel des neuen Projektes sei es auch, die Arbeiten zum Thema «Linie» in Budapest und Karlsruhe öffentlich auszustellen. Bislang haben sich im Karlsruher Raum unter anderem die Michelin Reifenwerke und ein Bauunternehmen bereiterklärt, einen Künstler aufzunehmen. Auch ein Holzhandel, ein Glas-Betrieb und eine Glockengießerei sind mit dabei.
Neben diesen Ateliers auf Zeit sol die «Luftlinie» nach den Vorstellungen Hörders und Israels im März kommenden Jahres auf den Straßen, Trottoirs und Plätzen von Karlsruhe und Budapest aufgebracht werden. «Wichtig ist, eine klare, strenge Linie zu ziehen und die exakte Richtung in die ferne Partnerstadt einzuhalten», erklärt Hörder. Unterbrochen werde diese Linie lediglich von Mauern oder Hauswänden. Sechs Woche lang soll die Linie an das Gastland der Kulturtage erinnern. Ein Problem neben dem richtigen Material? Die passende Farbe für die Luftlinie. «Wir können kein Rot nehmen wegen der politischen Aussage, kein Blau wegen der ungarischen Opposition, kein Gelb wegen des goldgelben Strahls zum Karlsruher Schloss und kein Weiß wegen des Verkehrs», erzählt Hörder. |
























































