| Schweden liebt Ikea und verehrt den Chef «Ingvar» |
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| Mittwoch, 24. Juni 2009 um 14:13 Uhr | ||
Von Thomas Borchert, dpa
Stockholm/Älmhult (dpa) - Bei manchen reicht der Vorname. «Ich heiße Ingvar und bin ein Bauernjunge aus Älmhult.» Alles in allem eine Million Schweden, über zehn Prozent der Gesamtbevölkerung, hörten am Mitsommer-Wochenende zu, als der 83-jährige Ikea-Gründer, Milliardär und Steuerflüchtling Ingvar Kamprad ihnen in einem eigenen Radioprogramm anderthalb Stunden über sich, seine ersten Schritte und neue Ideen mit der größten Möbelkette der Welt erzählte: «Am Baum der Erkenntnis bin ich nicht so gut hochgekommen. Hab' mit Mühe die Realschule geschafft.» Dem «ganz ordentlichen Geschäftserfolg» habe das aber nicht geschadet.
500 km weiter nördlich pilgern in diesen Wochen Stockholmer in die Liljevalchs-Kunsthalle, um in einer großen Kunstausstellung den Ikea-Weg von einem winzigen Postversand zum weltweit größten und ganze Generationen prägenden Möbelausstatter zu studieren. Im Ausstellungscafé mit Ikea-Stühlen beschallt sie die sonore Stimme des legendären Firmengründers, und an den Wänden lesen sie in Großbuchstaben Kamprad-Weisheiten wie «Verschwendung von Ressourcen ist eine der großen Krankheiten der Menschheit». Manche mögen dabei seufzend an zerbrochene Spanplatten aus Billy-Regalen denken, andere an Sprüche des «Großen Vorsitzenden» Mao. Der Personenkult um letzteren in China kann einem auch beim Studium des Stockholmer Ausstellungskataloges in den Sinn kommen. «Ich sehe Ingvar Kamprad mitunter als Staatsmann», schreibt da Ikeas langjähriger Chefdesigner Staffan Bengtsson. Kamprads Erfolg zeige die «Fähigkeit des Kapitalismus, Frieden über den Erdball mit Hilfe multinationaler Großunternehmen auszubreiten».
Dem im Schweizer «Steuerexil» lebenden Ikea-Gründer selbst ist solches Pathos ebenso fremd wie wohl auch den meisten Ausstellungsbesuchern in Stockholm. Ihnen präsentiert die Liljevalchs-Halle vor allem einen selbstverliebt-nostalgischen Rückblick in die gewaltige Rolle, die Ikea für praktisch alle Schweden seit den 60er Jahren gespielt hat. Immer bessere und größere Wohnungen und funkelnagelneue Einfamilienhäuser wollten eingerichtet sein, und Ikea machte es mit den flachen Verpackungen im eigenen Volvo oder Saab möglich.
«Folkhemmet» («Volksheim») nennen die Schweden ihren gut ausgebauten Wohlfahrtsstaat. «Die Sozialdemokraten haben ihn geschaffen, und Ingvar hat ihn möbliert,» hört man oft. Dass das den meisten Schweden so gefällt, spiegelt die Stockholmer Ausstellung am witzigen Eingang, einem überdimensionalen Ikea-Kleiderschrank, und quer durch alle Ausstellungshallen wider. Hier wird die Idee für alle bezahlbare, funktionale und skandinavisch-schicke Möbel von den Anfängen im ersten Ikea-Kaufhaus in Älmhult bis zu raffinierten Exportoffensiven des Weltkonzerns geradezu gefeiert.
Dass die schwedischen Möbelmacher vor allem in der Anfangszeit systematisch Ideen anderer Designer geklaut haben, wird eher amüsiert als kritisch notiert. Kamprad selbst hob in seinem Rundfunkprogramm in der unglaublich populären Plauderserie «Sommar» die Anfang der 60er Jahre bahnbrechende Idee heraus, Möbel in Billiglohnländern produzieren zu lassen: «Was uns wirklich den Durchbruch brachte, war die billige Produktion im kommunistischen Polen.»
Heute lässt Ikea wie alle Konkurrenten überall da auf der Welt produzieren, wo es gerade am billigsten geht. Dass das zu Problemen wegen extrem niedriger Löhne und miserabler Arbeitsbedingungen führen muss und vielleicht nicht zum immer wieder gefeierten Ikea-Slogan eines «Demokratischen Designs» passen kann, wird in Stockholm ausgespart. «Man müsste dafür eine andere Ausstellung machen», sagt Liljevalchs-Pressechefin Annika Hansson Wretman.
Sie schwärmt lieber von «Ingvar» und der Vorstellung, dass der für seine geradezu knickerige Sparsamkeit bekannte Milliardär Kamprad inkognito zur Kunsthalle kommt, um sich die Ikea-Ausstellung anzuschauen. Dass er dabei von der Möglichkeit des Rentner-Rabatts von 49 Kronen (4,40 Euro) statt des Normaltickets für 69 Kronen Gebrauch macht, hält sie für «durchaus möglich». An der Kasse würden ganz junge Leute sitzen, die den alten Mann doch nicht mehr so kennen: «Für die sollte man vielleicht ein Bild von Ingvar hinter den Tresen heften.» |
























































