| «Blauer Reiter» mit Pinselstrich zur Revolution |
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| Freitag, 26. Juni 2009 um 19:29 Uhr | ||
Von Martin Oversohl, dpa
Baden-Baden (dpa/lsw) - Mit Pinselstrichen gelang der Münchner Malerclique die Revolution. Innerhalb von wenigen Jahren setzte sich der Freundeskreis um die malenden Leitwölfe Franz Marc und Wassily Kandinsky gegen die Anfeindungen der Gesellschaft durch. Sie kündigten 1911 nicht weniger an als den Abschied vom «Abmalen der Natur» und riefen die abstrakte Malerei in Deutschland ins Leben - mit satten Farben und geometrischen Formen. Nun ziehen die wichtigsten Werke von Marc und August Macke, Kandinsky, Alexej von Jawlensky und Gabriele Münter zumindest für eine kurze Zeit aus ihrem angestammten Museum, dem Lenbachhaus in München. Bis Mitte Oktober sind rund 80 Gemälde im Museum Frieder Burda in Baden-Baden zu sehen. «Es ist die umfangreichste Leihgabe von Werken des "Blauen Reiter", die wir je gemacht haben», sagte Lenbachhaus-Direktor Helmut Friedel am Freitag vor der Eröffnung.
Marcs «Blaues Pferd I» von 1911, Mackes «Hutladen» (1913), Jawlenskys erstmals ausgeliehenes «Bildnis des Tänzers Alexander Sacharoff» und Gabriele Münters «Jawlensky und Werefkin», beide aus dem Jahr 1909 - in all den Werken des «Blauen Reiter» regiert das Primat der Farbe, die lebendig und üppig eingesetzt wird auch im Zusammenspiel mit der Form. Denn dem «Blauen Reiter», dieser losen Verknüpfung völlig unterschiedlicher Temperamente und widersprüchlicher Individualisten, ging es nicht um Weltverbesserung oder um eine soziale Veränderung. Vielmehr sollte «das Geistige in der Kunst» in den Mittelpunkt gestellt werden. «Man wollte weg von der akademischen Malerei und sich verselbstständigen», sagt Kuratorin Annegret Hoberg in Baden-Baden. Form und Farbe? Sie sollten Instrument sein, um «den äußeren Ausdruck einer inneren Notwendigkeit» darzustellen, wie es die Gruppe selbst beschreibt.
In den lichtdurchfluteten weißen Räumen des Burda-Hauses strahlt diese befreite Farbigkeit, die vor allem der fantastisch schweifende Marc seinen Bildern der in der Natur eingebetteten Tiere schenkte und unter anderem im Gemälde «Der Tiger» (1912) zum Ausdruck bringt. Neben Marcs zunehmend kristalliner Formensprache dokumentiert die Schau auch eindrücklich, wie sich Kandinsky zwischen 1909 und 1911 immer weiter von der sichtbaren Realität und der Jugendstil-Frühzeit verabschiedet und sein malerisches Heil schließlich radikal in der Abstraktion sucht.
Die schnörkellose Kunst der Gruppe wird ergänzt von einer Auswahl an Schwarz-Weiß-Fotografien Münters, die sie in der gemeinsamen Zeit mit Kandinsky zwischen 1902 und 1914 unter anderem auf Reisen schoss. Die Fotos dokumentieren private Momente aus dem Leben der beiden Künstler. Sie sind aber auch von hohem künstlerischem Wert, weil sie nicht selten Motive darstellen, die sich später auch in Öl auf Pappe wiederfinden. Außerdem schlägt die Ausstellung mit den Fotos und den zahlreichen Porträts der Künstlergruppe einen erzählerischen Ton an und dokumentiert die sehr persönlichen Beziehungen untereinander. «Die Maler sollen nicht nur als Künstler, sondern auch als Privatmenschen kennengelernt werden», so das Museum Frieder Burda. «Der Blaue Reiter» erschien 1912 in München als Almanach. Die bahnbrechende Programmschrift für die Kunst des 20. Jahrhunderts in Deutschland hat als Klassiker der Moderne nichts Vergleichbares. Kurz zuvor war die «Erste Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter» mit 49 Bildern gezeigt worden. Dem Erfolg folgte rasch eine zweite Schau mit Grafiken. Der Erste Weltkrieg machte dem Projekt ein frühes Ende, Marc und Macke kamen ums Leben.
Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Es erscheint ein Katalog mit 224 Seiten. |
























































