| Experte: Noch viele Probleme bei Kunstrückgabe |
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| Samstag, 27. Juni 2009 um 10:40 Uhr | ||
Prag (dpa) - Die Rückgabe geraubte Kunstgegenstände an jüdische Besitzer oder deren Nachfahren ist aus Expertensicht auch mehr als 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bei weitem nicht abgeschlossen. «Wir können gar nicht seriös schätzen, um wie viele Fälle es sich noch handelt», sagte Georg Heuberger (63), Vertreter der Jewish Claims Conference in Deutschland, am Samstag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Die öffentlichen Institute sind teilweise noch nicht soweit, ihre Bestände durchzuschauen», sagte Heuberger, «und zum Beispiel sind erstmals die Archive in Osteuropa zugänglich, was sie bis 1989 nicht waren.»
Der ehemalige Museumsdirektor Heuberger zählt international zu den renommierten Experten für Kunstrestitution. In Prag findet bis Dienstag eine internationale Konferenz zu «Nachlässen der Holocaust- Ära» statt, bei der die Rückgabe von Kunstwerken in Anknüpfung an die «Washingtoner Erklärung» von 1998 Hauptthema sein soll. Heuberger richtet sich gegen Vorschläge, einen Schlussstrich unter die Diskussion zu ziehen. «Es kann keine Verjährungsfrist geben, solange nicht die Museen ihrer Verantwortung gerecht geworden sind und umfassend und systematisch in ihre Bestände geschaut haben, Provenienzforschung betrieben haben ... und Menschen ihre Sachen zurückerhalten», sagte Heuberger.
Er erinnerte an zwei aktuelle Beispiele. «Ein besonders krasser Fall ist in München, im Lenbachhaus gibt es ein Gemälde von Paul Klee, "Sumpflegende", - das wird mit Unterstützung des Oberbürgermeisters (Christian Ude) nicht zurückerstattet. Das ist für mich völlig unverständlich», sagte Heuberger. In Schweden werde das Bild «Blumengarten» von Emil Nolde nicht an die Erben der Alteigentümer zurückgegeben, «obwohl die Schweden die Erklärung von Washington unterschrieben haben».
Bei der Prager Konferenz sollen mit einer «Erklärung von Terezin» (Theresienstadt) künftige Richtlinien für die Kunstrestitution vereinbart werden. «Man müsste sehr viel konkreter, detaillierter, spezifischer zu den Problemen im Zusammenhang mit der Raubkunst Stellung nehmen», sagte Heuberger. Dazu gehöre etwa, eine jährliche Berichtspflicht einzuführen.
Derzeit hätte nach einer Untersuchung der Jewish Claims Conference nur etwa ein Drittel der betroffenen Länder, darunter Deutschland, «nennenswerte Aktivitäten im Bereich Kunstrestitution entwickelt», sagte Heuberger. «Zwei Drittel haben fast nichts oder nur sehr wenig getan. Das ist niederschmetternd und nicht akzeptabel. Da können sich die Diplomaten, falls sie es nicht hören wollen, Oropax in die Ohren stecken.» Er erinnerte daran, dass es sich bei den Forderungsberechtigten oft schon um die dritte Generation nach dem Kriegsende handelt, «es ist allerhöchste Zeit, auf dem Gebiet etwas zum Abschluss zu bringen».
Gespräch: Jakob Lemke, dpa |
























































