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Auktion, Mingchao, Bronzefiguren, China
Der Bieter, der Beutekunst-Experte Cai Mingchao, wollte damit nur den Verkauf verhindern und verweigert jetzt die Zahlung. Ein Sprecher der staatlichen Verwaltung von Kulturgütern sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa in Peking am Montag: «Diese Aktion hat nichts mit der Regierung zu tun.»
Die Behörde habe auch erst am Montag erfahren, dass Cai Mingchao die Figuren bei der Auktion von Christie's in Paris telefonisch ersteigert habe. Der Sprecher betonte, dass China über die rechtmäßige Rückgabe der Kunstschätze sprechen wolle. «Wir können darüber verhandeln.»
Chinesischer Bieter ersteigerte Bronzefiguren und verweigert Zahlung
Peking (dpa) - Ein chinesischer Sammler hat zwei umstrittene Bronzefiguren, die China als Beutekunst zurückfordert, ersteigert und verweigert jetzt die Zahlung. Fünf Tage nach der spektakulären Auktion der Sammlung des Modeschöpfers Yves Saint Laurent in Paris enthüllte Cai Mingchao am Montag in Peking, als potenzieller Käufer für 31 Millionen Euro den Zuschlag erhalten zu haben. «Ich möchte hervorheben, dass dieses Geld nicht bezahlt werden kann», zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua den Sammler, der damit vorerst verhindert hat, dass die Kunstschätze auf den Markt kommen.
Die beiden Tierköpfe waren nach chinesischen Angaben vor 150 Jahren bei der Plünderung des Sommerpalastes in Peking durch französische und britische Truppen erbeutet worden. Chinas Regierung hatte wiederholt die Rückgabe gefordert und die Auktion verurteilt. Die staatliche Verwaltung von Kulturgütern habe erst am Montag von der vorgetäuschten Ersteigerung erfahren, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur dpa in Peking. «Diese Aktion hat nichts mit der Regierung zu tun.» China wolle aber weiter über die rechtmäßige Rückgabe der Kunstschätze sprechen. «Wir können darüber verhandeln.»
Zu der Auktion war Cai Mingchao wegen seines guten Rufs nur einen Tag vorher als individueller Bieter zugelassen worden, obwohl sonst meist sieben Tage an Vorlauf nötig seien, berichtete Xinhua. Jeder Chinese hätte die Bronzefiguren ersteigern wollen, sagte Cai Mingchao, der auch als Berater des chinesischen Fonds für Nationalschätze fungiert, der sich um die Rückkehr von Beutekunst nach China bemüht. «Ich fühle mich geehrt, die Chance gehabt zu haben», sagte Cai Mingchao. «Ich habe das im Namen des chinesischen Volkes getan.»
Der Vizedirektor des Fonds, Niu Xianfeng, argumentierte: «Das ist eine außergewöhnliche Maßnahme, die in einer außergewöhnlichen Situation ergriffen wurde und erfolgreich die Auktion verhindert hat.» Der Fonds wurde 2002 unter dem Dach einer Kulturstiftung gegründet, die beim Kulturministerium in Peking registriert ist. Das Auktionshaus Christie's untersuche den Fall und könnte rechtliche Schritte ergreifen, um die Bezahlung durchzusetzen, zitierte Xinhua einen Sprecher des Unternehmens in Peking.
Ein Vetreter der Gruppe von 90 chinesischen Juristen, die in Paris erfolglos gegen die Auktion geklagt hatte, begrüßte das Vorgehen des bekannten Sammlers. Cai Mingchao sei ein Patriot, der viel Geld dafür aufgebracht habe, um Kulturgüter nach China zurückzubringen. Er sei gezwungen gewesen, den Verkauf der Figuren zu stoppen. Damit würden auch neue rechtliche Schritte der Anwaltsgruppe möglich. Cai Mingchao, der ein Kulturunternehmen in Xiamen in der Provinz Fujian leitet, hatte bereits 2006 einmal einen Bronzebuddha bei einer Auktion von Sotheby's für 116 Millionen Hongkong Dollar (heute knapp 12 Millionen Euro) erworben und nach China zurückgebracht.
Die Aktion stieß in der Branche in China aber auch auf zurückhaltende Reaktionen. Der Geschäftsführer des chinesischen Auktionshauses Huachen, Gan Xuejun, nannte das Vorgehen unangemessen. Cai Mingchao opfere seinen Ruf als bekannter Antiquitätensammler. «Ich bin sehr erstaunt. Sein Ruf und seine künftige Karriere könnten ruiniert werden», sagte der Manager laut Xinhua. «Cai Mingchao hat sich in einer dringlichen Situation für sein Land entschieden, aber ich persönlich unterstütze ein solches Verhalten nicht.»
Ein Mitarbeiter des chinesischen Fonds für Kunstschätze sagte, als erfahrener Kunsthändler und Berater sei sich Cai Mingchao über die Konsequenzen seies Handelns völlig im Klaren gewesen. Er habe die Entscheidung nach sorgfältiger Überlegung getroffen. Bislang sind fünf von zwölf Köpfen, die den chinesischen Tierkreis symbolisieren und aus dem 18. Jahrhundert stammen, nach China zurückgebracht worden. Der Verbleib von fünf weiteren ist nicht bekannt.
Bizarrer Streit um Auktion chinesischer Tierköpfe: Nur ein Bluff? Von Sabine Glaubitz, dpa
Paris/Peking (dpa) - Der Streit um die bei Christie's versteigerten chinesischen Tierköpfe aus der Kunstsammlung von Yves Saint Laurent wird immer skurriler. Nach Kritik der chinesischen Regierung, einer gerichtlichen Entscheidung und schließlich der Versteigerung für 31 Millionen Euro an einen anonymen Bieter in der vergangenen Woche in Paris meldete sich am Montag ein renommierter Kunstsammler aus China: Er habe die beiden Tierköpfe ersteigert, könne sie aber gar nicht bezahlen. Wolle er auch gar nicht, stattdessen habe er im Namen des chinesischen Volkes gehandelt. So verhinderte er, dass die Bronzefiguren auf den Kunstmarkt kommen. Die chinesische Regierung will von der Aktion nichts gewusst haben.
Dabei ist der Sammler Cai Mingchao nicht nur Kunstliebhaber und Besitzer eines chinesischen Auktionshauses, sondern auch Berater des chinesischen Fonds für Nationalschätze. Dieser hat zur Aufgabe, geraubte chinesische Kulturgüter wieder nach China zurückzubringen und untersteht dem chinesischen Kulturministerium. Chinas Regierung hatte zuvor die Auktion durch Christie's wiederholt scharf kritisiert und die Rückgabe der beiden Tierköpfe gefordert. Ihre Begründung: Die Bronzefiguren, ein Hase und eine Ratte, seien vor 150 Jahren bei der Plünderung des Sommerpalastes in Peking durch französische und britische Truppen erbeutet worden.
«Ich möchte hervorheben, dass dieses Geld nicht bezahlt werden kann», sagte der Ersteigerer Cai Mingchao. Mit seinem Coup hat er zunächst verhindert, dass die beiden Tierköpfe auf den Markt kommen. Auch Niu Xianfeng der Vizedirektor des Fonds, für den Mingchao arbeitet, argumentierte: «Das ist eine außergewöhnliche Maßnahme, die in einer außergewöhnlichen Situation ergriffen wurde und erfolgreich die Auktion verhindert hat.»
Obwohl die chinesische Regierung am Montag versicherte, nichts mit der vorgetäuschten Ersteigerung zu tun gehabt zu haben, will sie dennoch bei den Rückerstattungsansprüchen weiter mitmischen. Denn wie ein offizieller Sprecher betonte, ist China wieder zu neuen Diskussionen bereit und man könne verhandeln. Doch auf welcher Grundlage?
China beruft sich seit Anfang des Streits auf ein 1995 mit Frankreich unterschriebenes Abkommen. Wie der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Ma Zhao Xu, präzisiert hatte, soll es sich um ein Abkommen handeln, wonach Beutekunst oder im Krieg verloren gegangene Kunstobjekte unabhängig von der seither vergangenen Zeit zurückgegeben werden sollen. «Von einem solchen Abkommen ist mir nichts bekannt», sagte ein UNESCO-Experte. Die 1995 erlassene UNIDROIT-Konvention, ergänzt die UNESCO-Konvention von 1970 auf privatrechtlicher Ebene, beide sind jedoch nicht rückwirkend. Das Auktionshaus Christie's hüllt sich indes über mögliche Schritten gegen den Ersteigerer in Schweigen. Dass ein Bieter an einer Versteigerung teilnimmt und danach nicht zahlen kann oder will, sei keine Ausnahme. «Da können sie jedes andere Auktionshaus fragen, das kommt sogar recht häufig vor», sagte eine Christie's-Sprecherin in Paris.
Cai Mingchao ist chinesischen Medien zufolge wegen seines guten Rufs nur einen Tag vorher als individueller Bieter zugelassen worden, obwohl sonst meist sieben Tage an Vorlauf nötig seien. Nur wenige Stunden vor der Yves Saint Laurent Versteigerung hatte ein Pariser Gericht die Restitutionsansprüche einer Gruppe von 90 chinesischen Juristen abgelehnt.
Pekings Regierung hatte zuletzt Sanktionen gegen das Auktionshaus Christie's angeordnet. Bislang sind fünf der insgesamt zwölf gestohlenen Sommerpalast-Köpfe, die den chinesischen Tierkreis symbolisieren, nach China zurückgebracht worden. Die Anwaltsgruppe begrüßte das Vorgehen des bekannten Sammlers. Er sei ein Patriot, der viel Geld dafür aufgebracht habe, um Kulturgüter nach China zurückzubringen. Er sei gezwungen gewesen, den Verkauf der Figuren zu stoppen. Nun kann der Streit in die nächste Runde gehen.
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