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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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25 Jahre Neue Staatsgalerie - Zwischen Attraktion und grandiosem Jux PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 04. März 2009 um 07:03 Uhr

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Stirling, Postmoderne


Als «weltweite Attraktion» wurde die Neue Staatsgalerie Stuttgart bei ihrer Eröffnung vor 25 Jahren genauso gepriesen wie als «grandioser Jux in Stahlbeton und Travertin» geschmäht. Heute gilt das Museum neben dem Messeturm in Frankfurt als bedeutendstes Gebäude der deutschen Postmoderne – und erfolgreichstes: Jährlich zieht es hunderttausende Kunstfreunde an - und das nicht nur wegen der Kunstwerke von Picasso, Miró oder Renoir. Auch die außergewöhnliche Architektur, die so recht in keine Schublade passen will, begeistert inzwischen.

James Stirling (1924-1992), der britische Architekt des monumentalen Bauwerks in Nachbarschaft zum baden-württembergischen Landtag, beschrieb sein Werk bei der Eröffnung am 9. März 1984 als «Serie von Zwischenfällen», als eigenartige Collage aus alten und neuen Bauelementen. Schon allein damit erfülle es das wichtigste Merkmal der Postmoderne, die sonst nur äußerst schwer zu definieren ist, wie Peter Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, betont.

Die postmoderne Architektur entdeckt Stilelemente vergangener Epochen wieder, vereint sie, ohne dass sie zwingend einen funktionellen Zweck erfüllen müssen. Neben oft provozierenden Farben wird gerne auch viel Glas verwendet. Die Postmoderne hat mit Innovation wenig am Hut. Auch ein Grund für die massive Kritik. Sie ist eher ein Recycling vorhandener Ideen - nicht nur in der
Architektur, sondern auch in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften - bei ähnlich diffuser Definition.

Die einst grell lackierten Stahlkonstruktionen der Neuen Staatsgalerie sind inzwischen reichlich verblasst. Immer noch grell ist aber der legendäre grüne Noppen-Fußboden im Eingangsbereich. Stirling soll die Kritik daran am Eröffnungstag mit einem Satz weggewischt haben: «I like it!» Ihm sei es wichtig gewesen, dass sein «monumentaler Steinbruch» beim Betrachter sofort die Assoziation «Museum» wecke. Die Fachpresse sprach 1984 von einer «frechen Mixtur aus etruskischem Hügelgrab und zeitgenössischer Pop Art, italienischem Renaissance-Palast und exhibitionistischem Centre Pompidou».

«Wichtig» sei Stirling damals gewesen, sagt Architekturexperte Schmal heute. «Er war anders, frech, auffällig», was vor allem den Lokalmatadoren in Stuttgart aufgestoßen sei. Letztlich passe das Gebäude aber auch städtebaulich perfekt. «Das ist ein gutes Werk - die Stuttgarter können stolz darauf sein.»

So richtig verliebt ist der aktuelle Hausherr im Stirling-Bau und Museumsdirektor Sean Rainbird nicht in die Architekturcollage. Der Brite, der das Haus seit gut zwei Jahren leitet, spricht von einem Haus «mit starkem Charakter». Es sei nicht immer einfach, damit umzugehen. Während viele Museumsgebäude wie selbstverständlich und eher bescheiden hinter die in ihnen ausgestellte Kunst zurücktreten würden, dränge sich die Neue Staatsgalerie selbst in den Vordergrund: «Das ist ein Stil, der möchte laut reden.»

Nach wie vor beschere der damals 89 Millionen Mark teure Stirling- Bau seinem Haus aber auch eine ganze Reihe Besucher, die sich nicht die Gemälde anschauen, sondern die Architektur. Zu den Nachteilen zählt Rainbird die grünen Oberlichter, von großem Vorteil seien die langen Blickachsen und eine große Offenheit. Das vermochte auch große Künstler zu begeistern: Das Zitat, die Architektur sei «weltweit eine Attraktion» stammt von Joseph Beuys.

(Internet: www.staatsgalerie.de)



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