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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Verfemt, verstreut, wiedervereint - «Entartete» Kunst in Rostock PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 05. März 2009 um 07:06 Uhr

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entartete Kunst, Expressionismus


Die 44 «entarteten» Werke, die das Kulturhistorische Museum Rostock bis zum 24. Mai in der Sonderausstellung «Meisterwerke der Moderne» zeigt, erzählen vom Überlebenskampf künstlerischer Freiheit in Zeiten politischen Terrors und stilistischer Gleichmacherei. Unter den 31 einst diffamierten Malern finden sich Vertreter des deutschen Expressionismus wie Max Pechstein oder Otto Dix, aber auch Bauhaus- Größen wie Ernst Barlach oder Willi Baumeister. «Wir haben hier ein nationales Kulturerbe, das in seiner Gesamtheit unbedingt erhalten bleiben muss», sagt Museumschefin Heidrun Lorenzen.

Die Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte und Druckgrafiken – laut Lorenzen der einzige in Deutschland erhaltene zusammenhängende Bestand aus den Nazi-Säuberungsaktionen der 30er Jahre - haben zum Teil eine lange Odyssee hinter sich. Viele wären um Haaresbreite vernichtet worden; nur die Leidenschaft mutiger Sammler und Händler bewahrte sie vor der Verbrennung. «Ein Großteil der 21 000 entfernten Werke wird aber wohl verschollen bleiben», vermutet Lorenzen.

In einem weiß getünchten Raum präsentiert das Rostocker Museum Arbeiten, deren Nachbildungen oft nur aus Bildbänden bekannt sind: Lovis Corinths «Bewegungsstudien» (1911), Willi Baumeisters «Frau im Bademantel» (1930) oder das «Selbstbildnis» (1922) des Weimarer Gesellschaftschronisten Otto Dix. Auch Lyonel Feininger, Franz Marc, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff sind mit Exponaten vertreten.

«Wir haben bewusst auch unbekannte Künstler aufgenommen, die mit Mal-, Ausstellungs- und Verkaufsverboten belegt wurden», erklärt Lorenzen. Über Schicksal und Leidensweg des gebürtigen Ungarn Imre Reiner wisse man etwa so gut wie nichts - seine Radierung «Blume mit Keksschachtel» (1922) sei einer der wenigen Anhaltspunkte, die auf die Verfolgung des Künstlers hindeuteten. Andere Zeichnungen wie Heinrich Hoerles «Weiblicher Halbakt», das derzeitige «Exponat des Monats», ließen sich keinem Entstehungsjahr mehr zuordnen.

Bei vielen Werken des Expressionismus oder der Neuen Sachlichkeit habe sich die Rekonstruktion der Geschehnisse als akribische Puzzlearbeit erwiesen, bestätigt Gerhard Graulich, Chef der Gemälde- Abteilung im Staatlichen Museum Schwerin. «Was die Nazis nicht zerstörten, verkauften sie ins Ausland, um Devisen zu bekommen.» Von 1937 an verbannten Hitlers Kulturwächter als bolschewistisch oder undeutsch gebrandmarkte Bilder ganz aus öffentlichen Sammlungen.

Der Güstrower Kunsthändler Bernhard Böhmer rettete einen Teil des Bestands. Er nahm sich 1945 aus Furcht vor der anrückenden Roten Armee das Leben. Seine Schwägerin verwaltete den Nachlass, den die «Zentralstelle für Volksbildung» in der sowjetischen Besatzungszone 1947 konfiszierte. 34 Ölgemälde, neun Plastiken und rund 1000 Grafiken wurden später dem Museum in Rostock übergeben. Ein Teil der Werke ging nach Berlin, Stettin, Breslau und Königsberg sowie an
weitere Museen in der späteren DDR. Der Rostocker Bestand blieb auch nach der Wende unangetastet, aber sein rechtlicher Status war weiterhin unklar.

Kurz vor der Ausstellungseröffnung Ende vergangener Woche kam dann die frohe Botschaft aus Berlin: Das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen teilte per Fax mit, die Hansestadt sei nun rechtmäßige Eigentümerin der 613 verwahrten Werke. Ansprüche Privater gebe es nicht mehr. «Wir hatten schon gedacht, dass sich vielleicht noch jemand meldet», sagt Lorenzen. Nun könne sie dem Publikum die Zeugnisse aus dem dunkelsten Kapitel der deutschen Kunstgeschichte vorstellen, ohne eine Weggabe der Bilder befürchten zu müssen. «Wir rechnen mit bis zu 15 000 Besuchern. Schließlich haben wir für die Expressionisten sogar unsere alten Niederländer ins Depot gelegt.»

(Internet: www.kulturhistorisches-museum-rostock.de)


Entartete Kunst


Rostock (dpa/mv) - Als «entartet» diffamierte das NS-Regime in den 30er und 40er Jahren Kunstwerke, deren Ästhetik nicht in das von den Nationalsozialisten propagierte Menschenbild passte. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Rassenlehre der Nazis - in der Euthanasie- Bewegung des Dritten Reiches galten erbkranke und behinderte Menschen als «entartet». Die Übertragung der Bedeutung ins kulturelle Leben sollte den minderwertigen Charakter moderner «Verfallskunst» anprangern. Betroffen waren in erster Linie Vertreter des deutschen Expressionismus, deren abstrakte, kontrastreiche und oft fratzenhafte Darstellungen vom NS-Idealbild des «starken» Menschen abwichen.

Ins Visier der faschistischen Kulturwächter geriet vor allem die Dresdner Künstlergemeinschaft «Die Brücke» mit Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Emil Nolde. Auch die Neue Sachlichkeit von Otto Dix und die Bauhaus-Schule aus der Zeit der Weimarer Republik erregten den Unmut der Nazis. Die teils sozialkritisch-persiflageartigen Bilder wurden als «jüdisch» und «bolschewistisch» gegeißelt. Zunächst ließ das Regime sie in den Museen übertünchen, später zerstören oder ins Ausland verkaufen, um zusätzliche Deviseneinnahmen zu erzielen. 1938 wurde ein Gesetz zur Enteignung von Museen erlassen, die die Entfernung verweigerten. Die Künstler erlitten Repressalien wie Mal- und Ausstellungsverbote, manche kamen ins Gefängnis oder Konzentrationslager.



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