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Lassnig, Abstraktion, Erfindungsreichtum
Maria Lassnig ist jetzt in Köln als Zeichnerin zu entdecken. Die umfangreiche Retrospektive zeigt ab Samstag (bis 14. Juni) einen Querschnitt durch Werk der Österreicherin, die sich malend und zeichnend zwischen informeller Abstraktion und Surrealismus bewegt. Die teils aquarellierten Zeichnungen stammen aus 60 Schaffensjahren, wobei das aktuelle Spätwerk der Wienerin mit Erfindungsreichtum, Frische und Ausdruckskraft überrascht. Zu sehen sind auch ihre älteren «Körpergefühlszeichnungen» sowie in New York entstandene Trickfilme.
(Internet: www.museum-ludwig.de)
Später Ruhm für Kunst-Außenseiterin - Köln zeigt Maria Lassnig Von Gerd Korinthenberg, dpa
Köln/Wien (dpa) - Bei ihren letzten großen Ausstellungen in London und Wien ist Maria Lassnig unlängst «gefeiert worden, als sei Elvis Presley wiederauferstanden». So beschreibt es Kölns Museums- Chef Kasper König. Später Ruhm für die beinahe 90 Jahre alte Österreicherin, die mit ihren Malereien abseits aller Stil- und Modeströmungen über Jahrzehnte als kompromisslose Außenseiterin des Kunstbetriebes gegolten hat.
In Kölns Museum Ludwig ist Maria Lassnig nun als Zeichnerin und Aquarellistin zu entdecken, die auch mit Stift und Pinsel radikal ein eigenes Körperempfinden aus ganz persönlicher Innensicht schildert. Das Museum Moderner Kunst in Wien zeigt zeitgleich 60 Gemälde Lassnigs.
Die umfangreiche Kölner Retrospektive bietet von diesem Samstag an (bis 14. Juni) mit rund 120 Arbeiten einen Querschnitt durch das Werk der Wienerin, die sich malend und zeichnend und sogar als Trickfilmerin zwischen informeller Abstraktion und Surrealismus bewegt. Die teils aquarellierten Zeichnungen stammen aus 60 Schaffensjahren, wobei das aktuelle Spätwerk mit erstaunlichem Erfindungsreichtum, Frische und Ausdruckskraft in großformatigen, starkfarbigen Blättern überrascht.
«Zeichnungen sind eigentlich der Urgrund der Kunst überhaupt», meint Lassnig, die zunächst mit einer Melange aus ironisch- karikierendem Surrealismus und kubistischer Formsplitterung in den 40er Jahren ihren Weg fand. «Selbstporträt als Zitrone» (1949) gibt die Richtung vor, künftig die eigene Körperlichkeit nicht als reale, porträthafte Abbildung, sondern durchaus in verhaltener Ironie als innere Selbsterkundung zu variieren.
Wer mag, darf das noch im Bann der gestischen Nachkriegsabstraktion stehende «Informelle Knödelselbstporträt» (1951) ebenso als chiffriertes weibliches Geschlecht sehen wie das unverkennbare Dreieck im ansonsten wässrig-verschwommenen Aquarell des «Nabelselbstporträts» von 1958.
In die Phase fragmentierter Körper-Darstellungen fällt 1969 Lassnigs «Selbstporträt als Playboystuhl», wobei sich ein weiblicher Torso mit Brüsten und Armen zum purpurroten Sitzmöbel verwandelt und - auf seltsam leichte Weise bei einem solch schweren Thema – gegen männliche Dominanz protestiert. Im engen Zusammenhang mit ihren auch in Köln zu sehenden Trickfilmen entstehen bei einem mehrjährigen USA- Aufenthalt Blätter in Form erzählender Bilderbogen, fügen dem Werk der Wienerin in den 70er Jahren eine unverkennbar literarische Komponente hinzu.
Ihr «Selbstporträt im Möglichkeitsspiegel» (2001), bei dem das surreal-verzerrte Frauengesicht einer Insel ähnlich aus der schwefelgelben Bildoberfläche auftaucht, läutet das erstaunliche Spätwerk der Wienerin ein. Mit comicartigen Figuren fleischlicher Plastizität, mit Sujets vom eher gespenstischen «Teekannenselbstporträt» (1999) bis zum gerade entstandenen humorvollen Blatt «Stammesbrüder» wendet sich Maria Lassnig kurz vor ihrem 90. Geburtstag neuen künstlerischen Wegen zu, deren Erfindungsreichtum schlicht staunen lässt.
(Internet: www.museum-ludwig.de)
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