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Montag, 23. März 2009 um 06:55 Uhr |
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Ammersee, Mandschurei, Mao
«Freiheit ist das höchste Gut im Leben», sagt Zhao in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa anlässlich einer Ausstellung in der Kunsthalle Ammersee in Stegen, die dort seit Sonntag zu sehen ist. Zhao, der sich als «Bayer mit chinesischem Pass» sieht, betont, das eingeschränkte Leben unter Mao Tse-tung habe ihn sehr geprägt. Als er 1991 nach wochenlanger Fahrt mit der transibirischen Eisenbahn aus der Mandschurei eher zufällig in München landete, habe er es erst mal verarbeiten müssen, endlich frei zu sein.
Zhao, der in virtuoser Manier der großen europäischen Meister fantastisch groteske Szenen malt, sieht sich weiterhin als großer Kritiker Maos und unfreier politischer Systeme. Bayern und damit Deutschland bezeichnet er schon lange als seine Heimat, in der er seine Gedanken frei äußern darf. Derzeit arbeitet er mit an der Gründung eines deutsch-chinesischen Instituts für kulturellen Austausch. «Wir wollen damit eine Brücke zwischen China und Europa schlagen», betont Zhao.
Unter Mao seien selbst gebildete Menschen wie «Hühner, dumme Hammel oder Affen behandelt worden». Generationen junger Chinesen seien auf dem Altar des Regimes geopfert worden. «Daher wähle ich auch immer wieder diese Motive für meine Bilder aus», sagt Zhao. Nur schlüpfen in seinen Werken die Opfertiere in die Rolle der Menschen. Seine Tierdarstellungen mit eitel geblähten Froschungeheuern oder nacktfleischigen Truthahnköpfen seien quasi seine Vergangenheitsbewältigung. Der 1964 als einziger Sohn eines Dorfschullehrers in der Mandschurei geborene Künstler war Gymnasiast, als Mao 1976 starb. Derzeit hat er eine Professur für europäische Malerei an der Jilin-Kunstakademie in der Mandschurei.
Zhaos Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung ist sein 2004 entstandenes Werk «Wir sind das Volk». Dafür malte er Delacroix Bild der 1830er Revolution «Die Freiheit führt das Volk» um. Bei Zhao agiert die barbusige Anführerin allerdings vor dem Brandenburger Tor und die Revolutionäre sind eine Herde Hammel. Das Bild hängt bei einem privaten Sammler in unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Tor in Berlin.
Die Schau in der Kunsthalle Ammersee bezeichnet Zhao, der derzeit als bekanntester Maler der Münchner Secession gilt, als erste große zusammenhängende Ausstellung seiner Werke. Der Großteil der dort präsentierten Kunst, darunter 15 großformatige Ölbilder, sei bereits im Besitz von privaten Sammlern und werde nach der Schau «wieder in deren Keller und Depots» verschwinden. Bis zum 19. April werden am Ammersee unter anderem Zhaos «Geiermensch» und «Mutter Erde» zu sehen sein.
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