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Kunst, Stadt, Ravensburg
Damit setzt die oberschwäbische Stadt einen neuen kulturellen Akzent zwischen dem Kunsthaus Bregenz und der Neuen Mitte Ulm. Ende April wird der Gemeinderat entscheiden und zugleich die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs beschließen.
«Dass in der Stadt, in der ich seit 1962 lebe, unsere Sammlung auf Dauer gezeigt wird, ist ein Glücksfall», sagt Gudrun Selinka, deren 2006 gestorbener Mann Peter und sie im Laufe ihres Lebens eine Kollektion von rund 230 Werken des deutschen Expressionismus zusammengetragen haben. Darin sind viele der bedeutendsten Künstler dieser Zeit vertreten. Die Sammlung umfasst Arbeiten von Otto Mueller, Franz Marc, August Macke, Wassili Kandinski, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Gabriele Münter, Edvard Munch, Christian Rohlfs, Lyonel Feininger und Otto Dix. Daneben findet sich zeitgenössische Kunst von Karel Appel und anderen Künstlern der Malergruppe Cobra sowie der Avantgardegruppe Spur.
Im vergangenen Juli hatte die Stiftung Peter und Gudrun Selinka der Stadt Ravensburg ihre Sammlung als Dauerleihgabe angeboten. Im Gegenzug musste sich die Stadt verpflichten, die Kunstwerke angemessen zu präsentieren. Das soll in einem eigenen Haus für Moderne Kunst inmitten der historischen Altstadt geschehen. Den besonderen Reiz der Sache sieht Oberbürgermeister Hermann Vogler darin, «dass Ravensburg erstmals die Chance für eine konzeptionelle Sammlungstätigkeit zeitgenössischer Kunst erhält und außerdem ein kompetenter Partner für den Austausch begehrter Leihgaben und für die Zusammenarbeit mit privaten Sammlungen sein wird».
Gleichzeitig bekommt Ravensburg in der Oberstadt eine richtige Kulturmeile, denn das Kunsthaus soll bis 2011 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum Humpisquartier und zum erweiterten Museum des Ravensburger Spieleverlags platziert werden. Beide Häuser werden im Laufe dieses Jahres eröffnet. In das neue Kunsthaus soll nach bisheriger Planung auch die Städtische Galerie Altes Theater einziehen.
Nach anfänglicher Skepsis in Gemeinderat und Bürgerschaft herrscht in der Stadt vor allem unter den Kunstbeflissenen eine euphorische Stimmung über die Aussicht, bald in einer anderen Kulturliga zu spielen und über das modernste Kunstmuseum zwischen Donau und Bodensee zu verfügen. Zufällig fügt es sich, dass der potenzielle Bauherr und Finanzier des Projekts, ein Unternehmer aus Bad Saulgau (Kreis Sigmaringen), bereits im Besitz des Grundstücks ist. Der Investor hatte in dem Altstadtquartier eigentlich Wohnungen bauen wollen. Nun will er dort das Kunstmuseum mit einer Ausstellungsfläche von knapp 1000 Quadratmetern nach dem Modell des Public Private Partnership (PPP) für vier bis fünf Millionen Euro errichten und für 30 Jahre an die Stadt vermieten.
Wie teuer dieses Modell die Stadt zu stehen kommen wird, steht noch nicht fest; Schätzungen zufolge dürften rund 7,6 Millionen Euro fällig werden. Auf jeden Fall werde es eine bezahlbare Lösung geben, «auch mit Blick auf die Zukunft», sagt OB Vogler. Schließlich erwarte man aus Fördertöpfen bis zu 1,5 Millionen Euro. Und auch der jährliche Finanzbedarf von etwa 400 000 Euro für das Kunstmuseum erscheint Vogler tragbar. Das seien zwischen 130 000 und 180 000 Euro mehr als der Jahresaufwand für die Städtische Galerie.
(Internet: www.selinka-stiftung.de; www.ravensburg.de)
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