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Dresden (dpa/sn) - Der scheidende Direktor des Dresdner Kupferstich-Kabinetts, Wolfgang Holler, hat vor einer einseitig kommerziellen Betrachtung von Museen gewarnt. «Museen sind in erster Linie keine gewinnorientierten Wirtschaftsbetriebe, sondern Orte der Kultur», sagte der Kunsthistoriker in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ihre Bedeutung für die Vermittlung von Werten werde zu oft unterschätzt. Museen seien Kultureinrichtungen, in denen das Wirtschaften kulturellen Zwecken diene. «Sie haben den Auftrag, Bildung, Wissenschaft und Kunst zu erhalten und zu verbreiten», so Holler. Der 52-Jährige übernimmt nach 18 Jahren in Dresden im Juli die Leitung der mehr als 20 Museen der Klassik Stiftung Weimar (Thüringen). «Der Mensch ist ein kulturelles Wesen und Kultur damit ein essenzieller Bestandteil des Lebens.» Er sei eher ein Kultur- als ein Wirtschaftswesen. «Es wäre fatal, wenn man sich Museen nur dann leistet, wenn alle wirtschaftlichen Erfordernisse gelöst sind», sagte Holler. Zudem könne man mit geringerem Erlös klarkommen. «Gewinn, Gewinn, Gewinn - das ausschließliche Streben danach ist kein kulturelles Handeln.» Kulturelle Qualität könne nicht mit finanziellen Maßstäben wie Besucherzahlen und Einnahmen gemessen werden. «Die Finanzierung muss so sein, dass die Museen ihre Aufgaben erfüllen können.» Sie müssten unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet, aber nicht alleingelassen werden. «Sonst könnten wir manches Museum in Dresden schließen und nur das Grüne Gewölbe und die Alten Meister offenlassen.» Die Kunstsammlungen seien Eigentum des Staates, das dieser pflegen, hegen und entwickeln müsse. «Er hat auch die Verantwortung, seine Bürger im Sinne des Erziehungsideals des frühen 21. Jahrhunderts zu kultivieren und zu bilden, damit sie so eine Gesellschaft künftig tragen können.» Bildung funktioniere aber nur, wenn sie mit Wertevermittlung verbunden sei. Die Beschäftigung mit Kultur führe zu Reflexionen und Nachdenken auch über das eigene Verhalten. «Für viele Politiker aber, vor allem im Finanzbereich, sind Kultureinrichtungen allzu oft noch reine Subventionsbetriebe.» Ihre Aufgabe sei es aber ganz wesentlich, Identität zu stiften. «Es geht um das Bewahren des Vergangenen und dessen fruchtbare Nutzung in Gegenwart und Zukunft.» Jeder Zuwendungsgeber, sei es der Staat, eine Firma, ein Sponsor oder Mäzen, müsse sich im Klaren sein, dass die Wirtschaftlichkeit von Museen von der Sache her sekundär sei. «Sie kann ein willkommenes, positives Resultat, aber nicht die Bedingung musealen Handelns sein. Wer öffentliche Museen betreiben möchte, muss bereit sein, mehr Geld auszugeben, als er einnehmen kann.» Gespräch: Simona Block, dpa
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