| Joop: Was Design-Avantgardisten zeigen, ist peinlic |
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| Sonntag, 10. Mai 2009 um 10:27 Uhr | ||
Joop, Kunst
Die bis zum 28. Juni laufende Schau «Eternal Love» soll eine Momentaufnahme seines Schaffens darstellen. Neu ist diese Rolle für Deutschlands Vorzeige- Designer nicht. Der gebürtige Potsdamer hat neben Werbepsychologie Kunst studiert. Die Deutsche Presse-Agentur führte vor Ausstellungsbeginn ein Interview mit dem 64jährigen, der nach dem Verkauf seiner eher kommerziell ausgerichteten Marke Joop! sich mit der Luxuslinie «Wunderkind» einen Traum erfüllt hat.
Große Joop-Schau in Rostock eröffnet
Rostock (dpa) - Eine große Schau mit Werkstatt-Entwürfen, Zeichnungen und Skulpturen des Modeschöpfers Wolfgang Joop ist am Samstag in der Rostocker Kunsthalle eröffnet worden. Unter dem Titel «Eternal Love» (Ewige Liebe) widmet sich der aus Potsdam stammende Star-Designer darin den Schnittstellen zwischen Kunst und Modewelt. Zu sehen ist unter anderem eine Installation, die den kreativen Prozess im Atelier nachzeichnet. «Die Schau ist nicht als Retrospektive gedacht, vielmehr ist sie eine Momentaufnahme», sagte Joop. Aus Sicht von Kurator Ulrich Ptak zeigt sie die «Leidenschaft, Intuition und handwerkliche Perfektion» im Werk des 64-Jährigen. Die Installation «Nessel» enthält die Nachbildung eines Werkstatt- Tisches, auf dem Joop Skizzen, Textfragmente, Collagen und Fotos ausgelegt hat. Daneben stehen mehrere Dutzend Kleider-Entwürfe seines Labels «Wunderkind». Die Möglichkeiten «textiler Kunst» werden auch im Titelwerk «Eternal Love» beschworen: In fünf großflächigen Handstickereien untersucht Joop, wie sich «Unschuld und Reinheit» menschlicher Beziehungen verändern können. Als Bildhauer präsentiert er sich mit den Skulpturen «Broken Angel's Wing» und «Birds can fly». Für Joop selbst markiert die Rostocker Ausstellung eine Gelegenheit, seine Arbeit als Künstler und Modeschöpfer zu reflektieren: «Kunst macht man, wenn man sich selber nicht genügt. Denn Talent zu haben, ist auch eine Bürde: Man ist gezwungen, immer den nächsten Schritt zu machen», sagte er bei einem Rundgang. Eine zentrale Parallele zur Mode bestehe darin, dass sich moderne Kunst «von selbst erkläre»: «Das ist der Bereich, wo Kunst und Mode sich treffen.» «Eternal Love» läuft bis zum 28. Juni. Internet: www.kunsthallerostock.de
Der zeichnende Modezar: Rostock im Joop-FieberVon Jan-Henrik Petermann, dpa
Rostock (dpa) - Als deutsche Stilikone und schillernder Modezar mit Hang zum gepflegten Understatement ist Wolfgang Joop in der ganzen Welt wohlgelitten. Seine kreative Vielfalt jenseits des Laufstegs dürfte bislang aber nur eingefleischten Fans bekannt sein. Die Rostocker Kunsthalle will dem jetzt Abhilfe schaffen: «Eternal Love» (Ewige Liebe) heißt die Schau, in der der gebürtige Potsdamer von diesem Samstag an Zeichnungen, Skulpturen und Entwürfe aus der eigenen Werkstatt präsentiert. Allen Exponaten des Star-Designers ist dabei eines gemein: Sie sollen veranschaulichen, wie nahe sich «moderne» und «textile» Kunst im schöpferischen Prozess kommen. «Der heutige Kunstmarkt orientiert sich vor allem an Glamour», meint Joop. Nicht mehr das «Bildungsbürgertum» habe die Erklärungs- und Deutungshoheit inne. «Moderne Kunst muss sich von selbst erklären. Das ist der Bereich, wo Kunst und Mode sich treffen.» Derlei Treffpunkte vereint die Rostocker Schau zuhauf: Dreh- und Angelpunkt ist die Installation «Nessel» mit der Nachbildung eines Werkstatt-Tisches, auf dem Joop zahlreiche Skizzen, Textfragmente, Collagen, Fotos und Model-Streckbriefe ausgelegt hat. Gleich nebenan ist der Arbeitsprozess schon in die nächste Phase eingetreten: Mehrere Dutzend Kleiderentwürfe des Joop-Labels «Wunderkind» lassen den Betrachter erahnen, wie viele ideelle Blitze im Kopf des Gestalters erst gezündet werden müssen, bevor das materielle Endergebnis Gestalt annehmen kann. Die Ausstellung bietet Joop denn auch reichlich Raum zur Selbstreflexion: «Kunst macht man, wenn man sich selber nicht genügt. Denn Talent zu haben, ist auch eine Bürde: Man ist gezwungen, immer den nächsten Schritt zu machen.» Das Titelwerk «Eternal Love» setzt die heitere Beschwörung dieser künstlerisch-modischen Mélange fort. Aber es offenbart auch dunkle Gedanken aus der intimen Erfahrungswelt Joops: Die fünf großflächigen Handstickereien aus Batist zeigen eine «ewige Braut» als filigran gesticktes Wesen mit Skelettkopf in schwärmerisch-bedrohlicher Pose; auch die Varianten in Schwarz und Ocker enthalten Totenköpfe, die von Rosenkränzen geziert werden. «Dem liegt mein Verständnis von Romantik zugrunde», sagt Joop über Joop. Er habe untersuchen wollen, wie sich «Unschuld und Reinheit» menschlicher Beziehungen verändern können. Auch das bildhauerische Werk des Potsdamer Multitalents, das neben Jil Sander und Karl Lagerfeld zu den bekanntesten deutschen Modeschöpfern zählt, spiegelt die Verarbeitung einschneidender Erlebnisse wider. Die Skulptur «Broken Angel's Wing» zeigt einen abgetrennten Granit-Engelsflügel mit einer klaffenden Wunde aus Amethyst. In «Good Morning Monday Morning» pellt sich ein kleiner Marmor-Engel in vier Etappen aus einem überdimensionalen Ei. «Es ist für mich ein Trost, mich in die Arme der Kunst zu werfen», erklärt der Meister, der gern auch Maler geworden wäre. Als Künstler lebe man «in diesem klaustrophobischen Moment». Die glitzernde Modewelt unterliege dagegen meist schnelllebigen Launen, meint der Gründer des 2003 verkauften Mode- und Kosmetik-Imperiums JOOP! Allerdings wäre Joop nicht Joop, nutzte er das Rampenlicht des Kunstbetriebs nicht auch gleichzeitig für eine Vorstellung seiner neuesten Modeschöpfungen. «Eternal Love» umfasst deshalb auch ganz nebenbei eine Auswahl von Kreationen, die Bestandteil der aktuellen Frühjahres- und Sommerkollektion sind. Ein bescheidener Ausblick auf die Winterkollektion 2009/2010 darf ebenfalls nicht fehlen. Wie dies alles mit der bildenden Seite in seinem Werk zusammenpasse? «Was man auf den Avantgarde-Laufstegen heute sieht, das ist Installation und nicht mehr Bekleidung», entgegnet Joop. «Der Weg von "Wunderkind" ist der Weg der Kunst.» Bis zum 28. Juni können sich die Besucher in Rostock davon ihr eigenes Bild machen. Internet: www.kunsthallerostock.de
Zeichner, Autor, Designer: Wolfgang Joop
Rostock (dpa) - Die vier Buchstaben seines Nachnamens gelten seit fast drei Jahrzehnten als feste Größe in der internationalen Modeszene. Doch Wolfgang Joop (64) hat auch abseits des Laufstegs als bildender Künstler, Kunstsammler, Autor und Schauspieler von sich reden gemacht. Schon während des Studiums der Werbepsychologie und der Kunsterziehung beschäftigte sich der gebürtige Potsdamer mit den Parallelen zwischen Kunst, Mode und Design. Nach beruflichen Stationen als Restaurator und Journalist gelang dem Modeschöpfer Joop schließlich 1978 der Durchbruch mit einer eigenen Pelz-Kollektion. Die erste Damenkollektion erschien 1982, drei Jahre später bekam das Publikum die erste Herrenkollektion aus dem Hause Joop zu sehen. Es folgten Parfums, Accessoires, Schuhe, Brillen und sogar Porzellan. Neben seiner Arbeit als Modedesigner tat sich Joop immer häufiger als bildender Künstler hervor: Er malte, zeichnete und schuf Skulpturen. Lehraufträge führten ihn an die Berliner Hochschule der Künste, die ihn 1987 zum Honorarprofessor ernannte. Außerdem machte sich Joop einen Namen als Sammler von Kunst und alten Mobelstücken. Die Mehrheit der Anteile an seinem Label «JOOP!» verkaufte er bereits 1998. Im Folgejahr gründete Joop die Marke «Wunderkind», deren Profil weniger auf den Massenmarkt als auf das Luxussegment ausgerichtet ist. Als Schauspieler war Joop 2000 in dem Film «Suck my Dick» von Oskar Roehler zu sehen. Ausflüge in die Literatur unternahm er mit dem Roman «Im Wolfspelz» (2003) und dem Kinderbuch «Rudi Rubi» (2005). Eine Hamburger Ausstellung zeigte eine Auswahl seiner Kunstwerke. Die Rostocker Schau «Eternal Love» vereint erstmals bildende und textile Werke des Modeschöpfers.
Die Kunsthalle Rostock
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