| Staeck als Akademiepräsident wiedergewählt |
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| Sonntag, 10. Mai 2009 um 10:52 Uhr | ||
Staeck, Akademie
Auch seine Vizepräsidentin Nele Hertling (75) wurde für weitere drei Jahre in ihrem Amt bestätigt, teilte Staeck mit, der mit 90 Prozent der Stimmen gewählt wurde. Zu den ersten Gratulanten gehörten Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und der Deutsche Kulturrat. Staeck habe «einen entscheidenden Beitrag zur Konsolidierung und Profilierung der Akademie der Künste geleistet», betonte Neumann. Der in Bitterfeld aufgewachsene und 1956 in den Westen übergesiedelte Staeck war 2006 als Nachfolger des seinerzeit überraschend zurückgetretenen Schweizer Schriftstellers Adolf Muschg erstmals an die Spitze der vom Bund getragenen Künstlersozietät gewählt worden. Aus den Reihen der Akademie hieß es, Staeck sei es gelungen, in den drei Jahren seiner ersten Amtszeit «die Akademie wieder politisch und gesellschaftlich zu positionieren». Die vom Bund getragene Akademie mit den zwei Häusern am Pariser Platz und am Hanseatenweg im Hansaviertel habe sich stabilisiert. Für den Fall seiner Wiederwahl hatte Staeck angekündigt, dass sich die Künstler wieder tatkräftig «in den kommenden gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen» einmischen werden. «Die raue Wirklichkeit duldet keine Inseln der Seligen mehr», sagte Staeck nach seiner Wahl. Die Akademie der Künste müsse nun zeigen, ob sie noch «systemrelevant» und keine vom Steuerzahler finanzierte «kulturelle Wärmestube» sei. Die Akademie wählte 20 neue Mitglieder hinzu, deren Namen erst später bekanntgegeben werden. Auch der Akademiesenat wurde für eine dreijährige Amtszeit neu gewählt. Volker Braun, der am vergangenen Donnerstag (7. Mai) seinen 70. Geburtstag feierte, leitet weiter die Sektion Literatur, sein Stellvertreter wurde Ingo Schulze. Der Theaterregisseur Thomas Langhoff bleibt Direktor der Sektion Darstellende Kunst, Jutta Brückner übernahm die Sektion Film- und Medienkunst. Auf ihrer Frühjahrstagung beschäftigte sich die Akademie, der etwa 375 Mitglieder im In- und Ausland angehören, auch mit Urheberrechtsproblem im Internet-Zeitalter. In einer Erklärung kündigten die Künstler einen «Kampf der Kreativen gegen eine großangelegte Enteignung geistigen Eigentums» durch das Internet an. Sie warnten vor einer «fortschreitenden Aushöhlung der Urheberrechte im Zeitalter des Digitalkopierens» und forderten Politik und Gesetzgeber in der Europäischen Union auf, sich schneller als bisher diesen aktuellen Herausforderungen zu stellen. «Digitalem Freibeutertum muss gesetzlich Einhalt geboten werden.» Die Gefahr einer Erosion des Urheberrechts betreffe weite Bereiche der Kultur, speziell die Künste, die Medien und die Wissenschaften. «Es bedarf nun dringend einer neuen Ordnung zum Schutz geistiger Güter im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit.» Dazu müssten «zeitgemäße Geschäftsmodelle» entwickelt werden, ohne die Chancen der neuen technischen Entwicklung «zu verteufeln», heißt es in der Erklärung. «Keine Maschinenstürmerei wird helfen, Internet und Suchmaschinentechnologie zu besiegen. Neue Regeln des Respekts vor geistiger Arbeit müssen entwickelt und zur Geltung gebracht werden», betonen die Akademiemitglieder. In der traditionellen «Langen Nacht der Akademie» gab es auch ein Zusammentreffen von Literaturnobelpreisträger Günter Grass, der in den 80er Jahren die Berliner Akademie leitete, mit dem großen alten Mann der türkischen Literatur, Yasar Kemal. Grass hatte 1997 die Laudatio auf den Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche gehalten und dabei die Asyl- und Türkenpolitik der damaligen Bundesregierung heftig angegriffen. In Berlin plädierte Grass dafür, «die deutsch-türkische literarische Freundschaft auszubauen». Internet: www.adk.de
Akademie-Präsident Staeck: Aufklärer und AgitatorVon Wilfried Mommert, dpa
Berlin (dpa) - Für Klaus Staeck geht es ums Ganze, in Deutschland sowieso und in seiner Akademie der Künste am Brandenburger Tor im Besonderen. Die Zeiten sind rau, auch für die Künstler - eigentlich «seine Zeit», könnte der 71-jährige Heidelberger Plakat- und Politkünstler («Deutsche Arbeiter, die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen!») doch meinen. Am Samstag wurde der «Bewegungskünstler» Staeck («Frankfurter Rundschau») mit einem «klaren Votum» von 90 Prozent als Akademie-Präsident für weitere drei Jahre wiedergewählt. Staeck fühlt sich jung genug (und er wirkt auch so), um auch eine zweite Amtszeit an der Spitze der vom Bund getragenen Künstlergemeinschaft mit der gewohnten Lust zur «Einmischung» zu prägen. Nicht nur zu prägen, sondern den «Schnarchverein» (O-Ton eines Akademiemitglieds in früheren Jahren) auch «richtig aufzumischen» und nicht nur den «Begrüßgustav» zu geben. «Die raue Wirklichkeit duldet keine Inseln der Seligen mehr», auch keine vom Steuerzahler finanzierte «kulturelle Wärmestube», wie Staeck nach seiner Wiederwahl sagte. Staeck stellte sich diesmal «freiwillig» zur Wiederwahl, 2006 musste er nach dem überraschenden Rücktritt des Schweizer Schriftstellers Adolf Muschg eher ins Amt getragen werden, weil sich kein anderer Kandidat gefunden hatte. Nicht wenige, wenn nicht sogar er selbst, sprachen damals von einer Art «Himmelfahrtskommando» und sahen in dem «Aktionskünstler der 70er Jahre» eher einen Übergangskandidaten in die «neue Zeit» der Akademie, die früher von Männern wie Günter Grass und Walter Jens geführt und geprägt wurde. Jetzt hat Staeck die neue Ära selbst eingeleitet. «Die große Lichtgestalt wird es nicht geben, die Erwartungen sind auch zu groß», hatte Staeck 2006 noch bei der Suche nach Kandidaten für das Präsidentenamt gesagt. «Vielleicht gibt es ja eine sanft glimmende Lichtgestalt, ein Glühwürmchen. Manchmal sind auch dauerhafte Glühlampen besser als der vermeintliche Superscheinwerfer.» Mit dem studierten Juristen und SPD-Mitglied Staeck steht wieder einmal ein politisch engagierter Künstler an der Spitze der Berliner Akademie. «Was sind das für Zeiten, in denen ein Satiriker zum Präsidenten gewählt wird?» fragte Staeck 2006 ebenso verdutzt wie verschmitzt nach seiner ersten Wahl an die Spitze einer innerlich zerstrittenen Künstlersozietät. «Würden Sie diesem Mann eine Akademie anvertrauen?» fügte er selbstironisch auf eines seiner früheren Plakate anspielend hinzu. Aber selbst ein führender CDU-Mann wie Kulturstaatsminister Bernd Neumann hatte keine Bedenken, dem «linken Politkünstler» Staeck die Akademie mit ihrem 18-Millionen-Euro-Etat anzuvertrauen - und hat es bis heute nicht bereut. Er zählte denn auch am Samstag zu den ersten Gratulanten zur Wiederwahl Staecks. Wie nur wenige Künstler hat Staeck die gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen in der Bundesrepublik in zurückliegenden Jahrzehnten maßgeblich mitgeprägt. Spott, Satire und Ironie sind dabei stets sein Markenzeichen gewesen. «Ein Volk, das solche Boxer, Fußballer, Rennfahrer und Tennisspieler hat, kann auf seine Universitäten ruhig verzichten», steht auf einem seiner berühmten Plakate, die heute noch in Erinnerung sind - und manchmal sogar noch im öffentlichen Raum zu sehen sind wie zum Beispiel in einer Berliner Prominenten- und Touristenkneipe. Staeck verweist heute angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise gerne auch auf ein anderes, elf Jahre altes Plakat von ihm mit dem Text: «Wir machen mit Ihrem Geld was wir wollen. German Bankers Club» - niemand könne doch behaupten, «dass jetzt etwas Schicksalhaftes passiert ist», meinte Staeck in einem jüngsten Interview («Zitty»). Und in seiner «Treppenrede» nach der Wiederwahl geißelte er am Samstag «die Banker als Avantgarde der neuen Bewegung: Trümmer schaffen ohne Waffen», und die Steuerparadiese sind für den Akademiepräsidenten «die wahren Piratennester jenseits der somalischen Küste». Staecks persönlicher Kummer ist, dass er als «Aktionskünstler» zurzeit hauptsächlich «nur» sein Amt als Akademiepräsident als seine «künstlerisch-politische Arbeit» ansehen kann, was irgendwann wieder anders werden muss, wie er betont. Die Bedeutung Staecks für die Kunstgeschichte der Bundesrepublik dokumentiert vom 29. Mai an eine große Retrospektive auf sein Werk in der Berlinischen Galerie (bis 31. August). |
























































