| Kein Elfenbeintum für Künstler in Krisenzeiten |
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| Montag, 25. Mai 2009 um 06:34 Uhr | ||
Akademie, Gesellschaft
So sah das jedenfalls Bundestagspräsident Norbert Lammert auf der bis zum Sonntag dauernden Frühjahrstagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Berlin. Mitten in den Vorbereitungen zum Jubelfest der Republik am Brandenburger Tor und der Bundespräsidentenwahl gratulierte er der Akademie, die ebenfalls ihren 60. Geburtstag feierte. Dabei ermunterte er die in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz in Sichtweite von Brandenburger Tor und Reichstag versammelten Autoren wie Adolf Muschg, Volker Braun und F.C. Delius zu einem ebenso produktiven wie kritischen Miteinander von «Kunst und Macht», erst recht in Zeiten größter Wirtschafts- und Finanzsorgen in aller Welt. «Das, was ein Land im Inneren zusammenhält, ist bei genauerem Hinsehen nicht Politik, und ganz sicher nicht die Wirtschaft, und schon gar nicht das Geld. Das, was die Gesellschaft zusammenhält, ist Kultur, ein Mindestbestand an gemeinsamen Erfahrungen und Überzeugungen, an Traditionen, die über Generationen und Jahrhunderte gewachsen sind.» Auch ein vermeintlich ungefährdetes politisches System könne auf diese kulturelle Grundlage nicht verzichten, meinte der Bundestagspräsident. Und auf Künstler wie Autoren, die sich auch gesellschaftspolitisch engagieren, könne eine Gesellschaft schon gar nicht verzichten, wie er am Beispiel des Dramatikers Ernst Toller aus Anlass seines 70. Todestages hinzufügte - er gehöre zu jenen Schriftstellern, «die über ihr künstlerisches Schaffen hinaus einen dezidiert politischen Anspruch erhoben haben». Aber wie wichtig nimmt eine nun 60 Jahre altgewordene Bundesrepublik ihre Künstler und Schriftsteller heute noch? Eine ebenso wagemutig wie wehmütige These stellte der Büchner- und Kleist- Preisträger Wilhelm Genazino auf der Tagung in Berlin auf, als er den 1989 gestorbenen und heute fast in Vergessenheit geratenen Kollegen und Mitbegründer der «Gruppe 47», Wolfdietrich Schnurre («Als Vaters Bart noch rot war»), als einen der «Großen der kleinen Form» in der deutschen Nachkriegsliteratur wieder in Erinnerung rief: «Es hat in Deutschland nie wieder eine Zeit gegeben, in der die Schriftsteller so rückhaltlos ernst genommen wurden wie in der unmittelbaren Nachkriegszeit, sagen wir: zwischen 1947 und 1957». Aber noch 1965 schimpfte ein Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU) im Wahlkampf über Autoren wie Günter Grass und Rolf Hochhuth mit den Worten «Da hört der Dichter auf und da fängt der ganz kleine Pinscher an!». Doch nicht nur Nobelpreisträger Grass weiß ein Lied davon zu singen, was es kosten kann, wenn sich Schriftsteller und Künstler in die Politik einmischen. Grass hat es übrigens auch an der Spitze der Berliner Akademie der Künste in den 80er Jahren versucht. Sein Kollege Volker Braun («Die Kipper») hatte jetzt ein neueres Beispiel zur Hand, als er an die Intervention der Deutschen Akademie im Streit um die Rechtschreibreform erinnerte: «Unsere Epistel wurde nur von einem einzigen Kultusminister mit einer Antwort gewürdigt - soviel zum Verhältnis von Geist und Macht». Für Akademiepräsident Klaus Reichert ist der staatliche Eingriff in die deutsche Sprache und Rechtschreibung noch immer «eine Anmaßung», die in anderen Ländern undenkbar wäre. Die Politik müsse mit den Künstlern und Schriftstellern rechnen. «Was können wir tun, um der Literatur noch mehr Gehör zu verschaffen, erst recht in Zeiten von Wirtschafts- und Finanzkrisen, um die Kultur als einen gesellschaftlichen Partner hervorzuheben?», fragt der Akademiepräsident Reichert. Vielleicht hätten manche Manager mehr «schöne Literatur» lesen sollen, Bundestagspräsident Lammert jedenfalls tut es immer noch: «Nur eine Gesellschaft, die liest, ist eine Gesellschaft, die denkt. Ich lese viel und gerne, weil ich das für das eigene Denken brauche.» Internet: www.deutscheakademie.de |
























































