| Kultur für alle Großer Besucherandrang bei «Blauer Nacht» |
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| Montag, 25. Mai 2009 um 06:37 Uhr | ||
Blaue Nacht
Zum zehnten Mal hatten Museen und Theater bis tief in die Nacht geöffnet. Zahlreiche Lichtinstallationen tauchten die Altstadt in blauen Schein. An mehr als 70 Orten konnten Kulturinteressierte aus mehr als 200 Programmangeboten wählen: Von der Rundfahrt mit historischen Pferdekutschen über Gaukler- und Theaterspiel bis zum Disco-Labyrinth aus Bierkästen. Ein Höhepunkt der Nacht waren die alljährlichen Projektionen auf den Festungswall der Nürnberger Kaiserburg: Gemäß dem «Blaue Nacht»- Motto «Firmament» verwandelte Maler Axel Gercke die Fassade mit Weltall-Fantasien in ein skurriles Traumgebilde. «Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen in eine Stadt passen», resümierte Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) um Mitternacht zufrieden. Die Besucherzahl sei nach Angaben der Polizei im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben. Gemeinsam mit Kulturreferentin Julia Lehner (CSU) sprach er sich gegen ein elitäres Verständnis von Kunst aus. «Wir wollen Kultur im öffentlichen Raum popularisieren, ohne sie herabzusetzen», erklärte Maly. Laut Lehner gilt die «Blaue Nacht» als größte Kunst- und Kulturnacht Deutschlands. Nicht nur das Firmament erstrahlte an diesem Abend hell: Bei der «Night of the Stars» funkelten die Augen junger Fußballer, Frauen und Männer um die Wette. Sie alle durften mit ihren Vorbildern auf dem Roten Teppich posieren: Oliver Kahn, Brad Pitt und Angelina Jolie luden zum Fotoshooting. Für die perfekte Illusion sorgten verblüffend originalgetreue Doppelgänger. Die «"Blaue Nacht" ist blau. Seit zehn Jahren. Aber heute ist sie besonders blau. Blauer als sonst», eröffnete Oberbürgermeister Maly den Abend. Diese «Blauheit» hatte auch auf die Besucher abgefärbt: Die kulturinteressierte Tina Knodt etwa war komplett in der Farbe der Nacht gekleidet. «Natürlich extra für heute Abend!», betonte sie. Gemeinsam mit ihrer Freundin erkundete sie das umfangreiche Programm. «Ich habe mir angekreuzt, was ich sehen möchte», erklärte Knodt: «Denn ohne Plan verliert man schnell den Überblick.» Den Überblick zu behalten war bei etwa 130 000 Menschen nirgendwo einfach. Vor allem interaktive Kunstprojekte stießen auf großes Interesse. Unter dem Titel «Grüß Gott» konnten Neugierige ihren Kopf durch eine Wolkendecke aus Ballons stecken und Fragen ins Firmament schicken. Fasziniert zeigte sich Oberbürgermeister Maly von der Schaffenskraft der Besucher: Bei der Installation «Entropie» verwandelten sie einen leuchtend bunten Kugelberg in immer neue Formen. Das kreative Spiel fand schnell internationale Verehrer: Ein Vertreter des Goethe-Instituts hat sich bereits nach der Wiederholbarkeit in Athen erkundigt. Enttäuschung herrschte hingegen beim «Ballonglühen»: Das Projekt, bei dem sechs riesige Fesselballone den Hauptmarkt erhellten, musste wegen Gewittergefahr vorverlegt werden. «Eigentlich blöd hier hängenzubleiben, wo man das immer sehen kann», gestand Besucherin Christina Schaidt im Neuen Museum. Trotz langer Besucherschlangen begeisterte sie sich für eine Ausstellung moderner Kunst. Als langjährige «Blaue Nacht»-Kennerin lobte Schaidt das Konzept des Abends: «Man entdeckt immer Orte, an die man sonst nie gekommen wäre.» So viel die «Blaue Nacht» zu bieten hatte, eines mussten die 130 000 Besucher auch in diesem Jahr wieder mitbringen: Zeit, Geduld und keine Angst vor Menschenmassen. Denn gerade auf den Hauptrouten des Festivals herrschte ein Gedränge, das sonst nur vom Christkindlesmarkt bekannt ist. Das zähe Vorankommen und die teilweise langen Wartezeiten machten es daher auch diesmal unmöglich, nur ansatzweise alles zu sehen, was man wollte. Besucher Franz Bitto schlussfolgerte zu später Stunde: «Aber da hilft nur eins: Nächstes Jahr wiederkommen!»
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