| Fotograf Häusser konnte keine Menschen fotografieren |
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| Mittwoch, 04. November 2009 um 08:31 Uhr | ||
Von Marion van der Kraats, dpa
Mannheim (dpa/lsw) - Er hat als erster deutscher Fotograf 1995 den «Nobelpreis» seiner Zunft erhalten, den Internationalen Preis für Fotografie (Hasselblad Award). Der Mannheimer Robert Häusser steht damit in einer Reihe mit bedeutenden Künstlern wie dem Star- und Modefotografen Irvin Penn oder dem Fotografen Henri Cartier- Bresson. Doch obwohl er zu den wenigen international anerkannten Fotografen gehört, ist Häusser stark in seiner Heimat verwurzelt. 1924 in Stuttgart geboren, unter den Nazis in bitterer Armut aufgewachsen und später in Ostdeutschland verfolgt, landete er 1952 in Mannheim - und blieb. Seine Fotos hat er den dortigen Reiss-Engelhorn-Museen gestiftet. Am Sonntag (8. November) wird er 85 Jahre alt. In jährlich wechselnden Ausstellungen werden seine Werke in Mannheim präsentiert. 20 Jahre nach dem Fall der Mauer zeigt das Haus zunächst eine einzigartige Fotoreportage über die Berliner Mauer (bis 25. April 2010).
«Ich wollte diesen Umbruch dokumentieren», sagt Häusser. «Diesen Anfang vom eingesperrt sein». Von 1961 bis 1963 hat er den Bau der Mauer festgehalten und die schockierenden Momente auf Zelluloid gebannt. Ein im Stacheldraht hängendes Kinderbett, das abrupte Ende eines Schienenbettes, zugemauerte Fenster oder zwei Grenzer, die - vom Teleobjektiv ausgetrickst - gegen ihren Willen in die Kamera schauen. «Im Endstadium der Mauer hatten wir uns eigentlich an das Bild gewöhnt - aber in den ersten Jahren, da beherrscht der Freiheitsverlust die Stimmung», sagt Häusser, der selbst noch rechtzeitig aus dem Osten geflohen war.
Seine Biografie ist von Unfreiheit geprägt. Nach erster Begeisterung wurde sein Vater zum erbitterten Nazi-Gegner und kam ins KZ Dachau. «Wir waren gesellschaftlich isoliert», erinnert sich Häusser. Er wurde zum Einzelgänger: «Menschen waren mir fremd, ich scheute mich vor Kontakten. Ich konnte keinen Menschen fotografieren. Aber die kleinen Dinge zogen mich an. Denen konnte ich vertrauen. Bei ihnen fühlte ich mich wohl», heißt es in seinen autobiografischen Notizen.
Nach US-Gefangenschaft lebte er von 1946 bis 1952 auf dem Bauernhof der Eltern in der Mark Brandenburg, die unter sowjetischer Besatzung stand. Der Kontakt zum Westen machte Häusser für das neue DDR-Regime verdächtig. Als er eine Funktion im «Kulturbund» ablehnte, folgten Schikanen - und er floh in den Westen. Zusammen mit Ehefrau Elfriede und Tochter Ina baute er sich in Mannheim eine neue Existenz auf und machte sich mit Auftragsarbeiten einen Namen, darunter Porträts von Persönlichkeiten wie dem Dramatiker Friedrich Dürrenmatt, dem Philosoph Ernst Bloch oder Altkanzler Willy Brandt (SPD). Bis 1972 führte er zudem ein Fotostudio, in dem auch die Tochter später lernte.
Der Baden-Württemberger gilt als ein Wegbereiter zeitgenössischer Fotografie und hat eine unverwechselbare Handschrift entwickelt. Seine ausschließlich schwarz-weißen Fotografien haben einen strengen, symmetrischen Aufbau. Fast grafisch heben sich helle und dunkle Flächen voneinander ab. «Ich erfinde meine Bilderwelt nicht, sondern ich finde sie. Ich suche die Begegnung mit ihr, ich suche die Auseinandersetzung», beschreibt Häusser seine Arbeit.
Kulturpolitisches Engagement gehört zu Häussers Leben wie seine rund 64 000 Negative. Er ist unter anderem Mitglied des Deutschen Künstlerbundes, Gründungsmitglied des Bundes Freischaffender Fotografen und übte Ämter in der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner aus. Nach anderen Auszeichnungen erhielt er den Hasselblad Award und fünf Jahre später den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh).
Auf den Auslöser drückt Häusser schon seit ein paar Jahren nicht mehr. «70 Jahre Fotografie sind genug - ich bin doch nicht Johannes Heesters», meint er und blickt schelmisch hinter seiner Hornbrille. Wobei damit nicht Schnappschüsse fürs Familienalbum gemeint sind. «Natürlich sind meine Knipsbilder auch etwas besser als bei anderen», sagte er keck. «Man kann ja nicht aus seiner Haut.»
Fotograf Robert Häusse
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