„Modell Bauhaus“ im Martin-Gropius-Bau Berlin zog 166.000 Besucher an – Bauhaus-Archiv Berlin, Stiftung Bauhaus Dessau und Klassik Stiftung Weimar präsentierten gemeinsame Ausstellung
Insgesamt 166.000 Besucher zog die Ausstellung „Modell Bauhaus“ im Martin-Gropius-Bau in Berlin während ihrer Laufzeit von elf Wochen vom 21. Juli bis zum 5. Oktober 2009 an. Die Veranstalter – das Bauhaus-Archiv Berlin, die Stiftung Bauhaus Dessau und die Klassik Stiftung Weimar – freuen sich über den sensationellen Erfolg, der die Erwartungen weit übertroffen hat. Auch die Medienresonanz in aller Welt war außerordentlich. Die Ausstellung zum 90-jährigen Gründungsjubiläum des Staatlichen Bauhauses war mit rund 1.000 Exponaten die umfassendste Ausstellung, die je zum Bauhaus gezeigt wurde. Das Museum of Modern Art New York ist Kooperationspartner des Projekts und wird seine Ausstellung „Bauhaus 1919 – 1933: Workshops for Modernity“, basierend auf einem großen Teil der Berliner Exponate, ab dem 8. November 2009 in New York zeigen.
Neunzig Jahre nach der Gründung des Bauhauses und zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer war „Modell Bauhaus“ die erste Ausstellung, die die drei deutschen Institute, die das Bauhaus-Erbe bewahren und erforschen gemeinsam gestalten. „Modell Bauhaus“ erzählte die Geschichte dieser einzigartigen Schule. Ihre wichtigsten Anliegen waren die interdisziplinär und experimentell ausgerichtete Lehre, das praxisorientierte Werkstättenkonzept, das Interesse an sozialen Fragestellungen, eine funktionale Ästhetik sowie die Erprobung neuer Materialien und Verfahren in Architektur und Design. Zugleich machte die Ausstellung sichtbar, dass die Entwicklung des Bauhauses von zahlreichen Brüchen gekennzeichnet war. Der Streit über Methoden und Inhalte prägte die Arbeit ebenso wie die politisch motivierten Angriffe, denen das Bauhaus von Beginn an ausgesetzt war.
Der Titel der Ausstellung markiert den Anspruch des Bauhauses als Orientierungspunkt gestalterischen Schaffens. Denn das Bauhaus verstand sich während der gesamten Zeit seines Bestehens, d.h. unter allen drei Direktoren Walter Gropius (1919-1928), Hannes Meyer (1928-1930) und Ludwig Mies van der Rohe (1930-1933) – wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung – als modellhaft: nicht nur hinsichtlich der Schaffung eines neuen Schultyps, sondern auch als Speerspitze einer zeitgemäßen Kunst und Architektur, als Laboratorium zur Entwicklung mustergültiger Typen für die Industrie und nicht zuletzt als eine gesellschaftsverändernde Kraft, die einen modernen Menschentyp und seine Umwelt formen wollte.
„Modell Bauhaus“ zeigte eindrucksvoll, welche Rolle die zwischen 1910 und 1933 relevanten künstlerischen Positionen, Expressionismus, Futurismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Konstruktivismus und Surrealismus, zeitgleich am Bauhaus spielten. Hierfür standen u. a. Arbeiten von Gerhard Marcks, Georg Muche, Wassily Kandinsky, László Moholy-Nagy, Josef Albers, Herbert Bayer, Marcel Breuer, Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger, Paul Klee, Hannes Meyer, Ludwig Hilberseimer und Ludwig Mies van der Rohe. Die Ausstellung präsentierte nicht nur Arbeiten der Bauhaus-Meister, sondern vor allem auch Werke ihrer Schüler. Letztere führen die künstlerische Entwicklung der Schule vor Augen und öffnen den Blick auf die enorme Wirkungsgeschichte des Bauhauses auch gerade nach seiner Schließung. Viele Bauhausschüler wurden später selber prägende Künstler ihrer Generation, wie etwa Wilhelm Wagenfeld, Max Bill, Richard Paulick, Marianne Brandt, Lux Feininger und viele mehr. Um der wechselvollen Geschichte und der vielseitigen Kreativität des Bauhauses gerecht zu werden, wählte die Ausstellung „Modell Bauhaus“ eine entwicklungsgeschichtliche Perspektive. Sie setzte sich damit von früheren Präsentationen ab, die vorwiegend einer Gliederung nach den Werkstätten des Bauhauses folgten.

Orientierung über den Farbkreis Ittens - Szenografie
Der Besucher betrat die Ausstellung durch eine Bauhauswand im historischen Foyer des Berliner Martin-Gropius-Baus. Die geometrischen Grundkörper Dreieck, Quadrat, Kreis wurden in ihrer neuen Funktion als Schleusen zum Eingang, Durchgang und Ausgang der Ausstellung. Die Szenografie von chezweitz & roseapple, Detlef Weitz und Rose Epple, verstand sich als radikale Absage an die eindimensionale schwarzweiße Sicht auf das Bauhaus und machte die drei Phasen des Bauhauses – Weimar, Dessau und Berlin – mit der Ausstellungsdramaturgie räumlich erlebbar. In Anlehnung an Johannes Ittens Farbkreis legten Detlef Weitz und Rose Epple ein farbiges Band über die doppelte Ringstruktur des Martin-Gropius-Baus und ordnen jedem Raum eine Farbe zu: Beginnend mit der Farbe Gelb für die Weimarer Jahre des Bauhauses über Orange-Rot zu Lila für die Dessauer Zeit bis hin zu Blau und Grün für die Berliner Jahre vor der endgültigen Schließung.
Do-It-Yourself Bauhaus (DIY Bauhaus)
Die Installation „DIY Bauhaus – bau dir dein eigenes Bauhaus!“ von Christine Hill verstand sich als ein künstlerischer Kommentar der Gegenwart zu einem Mythos. Hill untersuchte, wie das legendäre Bauhaus im Alltag und in der heutigen Wohnkultur angekommen ist. Leitend für Christine Hill war die Idee des Bauhauses, dass die Aufgabe von Kunst und Design ohne die politisch-soziale Dimension unbestimmt bleibt. Ansatzpunkt für Christine Hill war deshalb die Maxime von Hannes Meyer, dem zweiten Direktor des Bauhauses: „Volksbedarf statt Luxusbedarf“. Parallel zur Kommerzialisierung von Bauhaus-Objekten für den Luxusbedarf geht die Trivialisierung von Bauhaus-Ideen einher. Hier setzte Christine Hill, die seit 1995 mit ihren „Volksboutiquen“ bekannt geworden ist, mit ihrer Installation an.
Ilka & Andreas Ruby, Endless Bauhaus, Videoinstallation, 2009
In ihrer Videoinstallation „Endless Bauhaus“ befragten Ilka & Andreas Ruby elf Personen der Zeitgeschichte zur heutigen Relevanz des Bauhauses. Ist das Bauhaus etwas historisch Abgeschlossenes oder hat es auch eine zeitgenössische Präsenz? Was ist von seinen ursprünglichen Intentionen noch übrig geblieben? An welche seiner Ambitionen lässt sich heute weiter anknüpfen? Welche Bauhaus-Ideen scheinen heute unerfüllbar? Gibt es etwas, das wir genuin dem Bauhaus verdanken? Ist der generalistische Anspruch des Bauhauses, seine Sehnsucht nach Einheit der schöpferischen Kräfte von Kunst, Handwerk, Technik und Wissenschaft heute anachronistisch geworden – oder brauchen wir eine solche Zielvorstellung mehr denn je angesichts einer sich immer stärker spezialisierenden Gesellschaft?
Um Antworten auf Fragen wie diese zu bekommen, hatten sich Ilka & Andreas Ruby mit Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Gestaltungsbereichen getroffen, die Berührungspunkte mit dem Bauhaus haben – Architekten, Künstler, Kuratoren, Kommunikations- und Automobildesigner, Kunsthistoriker und Unternehmer. Die Aussagen der Gesprächspartner sind thematisch aufeinander bezogen und wurden zu einem virtuellen Gespräch montiert.
Ausstellungskatalog und Hörbuch erscheinen bei Hatje Cantz
Begleitend zur Ausstellung erschien ein umfassender, mit rund 300 Farbabbildungen versehener Katalog in deutscher und englischer Sprache im Hatje Cantz Verlag, der die Geschichte des Bauhauses neu betrachtet und bewertet. Anhand von 68 ausgewählten Hauptwerken wird die Geschichte des Bauhauses und seine Rezeption bis in die Gegenwart erschlossen. Die Ausstellungsmacher haben eine Vielzahl von Autoren gebeten, sich zu den Schlüsselwerken der Ausstellung zu äußern. Der Katalog bietet Beiträge von Barry Bergdoll, Ulrike Bestgen, Klaus von Beyme, Regina Bittner, Gerda Breuer, Magdalena Droste, Peter Hahn, Christine Hopfengart, Christoph Ingenhoven, Annemarie Jaeggi, Wolfgang Joop, Werner Möller, Philipp Oswalt, Rolf Sachsse, Michael Siebenbrodt, Wolfgang Thöner, Lutz Schöbe und Klaus Weber. Außerdem liefern Künstler wie Jeff Wall und Ai Weiwei Interpretationen zu Hauptwerken des Bauhauses. Die Kataloggestaltung übernahmen chezweitz & roseapple.
Ebenfalls im Verlag Hatje Cantz erscheint ein Hörbuch in deutscher Sprache, das auf dem Audioguide der Ausstellung basiert. Gemeinsam mit dem durchgängig farbig illustrierten Begleitband stellt es 36 Schlüsselwerke der Ausstellung vor. Die Ausstellung wurde gefördert von der Kulturstiftung des Bundes. Hauptsponsoren waren HOCHTIEF und der Sparkassen-Kulturfond des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.
Als Förderer unterstützte die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin und die ART MENTOR FOUNDATION LUCERNE die Ausstellung. Medienpartner waren der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), die Tageszeitungen DIE WELT und Berliner Morgenpost sowie die Wall AG. Die Installation im Lichthof wurde großzügig unterstützt von der Eternit AG und der Thonet GmbH.
Katalogdaten: Modell Bauhaus 1919 – 2009 Hrsg. Bauhaus-Archiv Berlin, Stiftung Bauhaus Dessau, Klassik Stiftung Weimar Einleitung von Annemarie Jaeggi, Texte von Barry Bergdoll, Klaus von Beyme, Regina Bittner, Gerda Breuer, Magdalena Droste, Peter Hahn, Christine Hopfengart, Christoph Ingenhoven, Philipp Oswalt, Michael Siebenbrodt, Jeff Wall, Klaus Weber u.a.
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