| LWL: Westfalen Stiefkind der Kulturpolitik - Land widerspricht |
|
|
|
| Mittwoch, 04. November 2009 um 15:15 Uhr | ||
Münster/Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Streit, ob die westfälische Landeshälfte bei der Kulturförderung in NRW zu kurz kommt, nimmt an Schärfe zu. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat am Mittwoch in Münster eigene Berechnungen zur Verteilung von Fördermitteln vorgelegt. Demnach flossen in den Jahren 2000 bis 2006 rund 320 Millionen Euro Landesgelder für Kulturangelegenheiten nach Westfalen-Lippe und 500 Millionen Euro ins Rheinland.
Auch wenn der NRW-Kultursstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse- Brockhoff festgestellt habe, dass 2008 Westfalen das Rheinland bei der Kulturförderung überholt habe, sei in einer Langzeitbetrachtung eine Benachteiligung klar zu erkennen, sagte LWL-Landesdirektor Wolfgang Kirsch. Seit Monaten schwelt ein Streit zu dem Thema. Der LWL hat auch Daten für die Zeit von 1982 bis 1991 aufbereitet. Demnach flossen in dem untersuchten Zeitraum 380 Millionen Euro nach Westfalen-Lippe und 570 Millionen an rheinische Städte und Kreise.
Diese «sogenannten Langzeitbetrachtungen sind der Schnee von gestern», kritisierte Grosse-Brockhoff die Äußerungen des Landesdirektors. «Er bezieht sich auf die Zeit vor dem Regierungswechsel in NRW, wir auf die danach.» Kirsch wisse, dass die neue Landesregierung seit 2005 die Kulturausgaben für Westfalen stetig gesteigert habe. Das Land habe außerdem mehrfach seine Bereitschaft erklärt, für die Kultur in Westfalen mit dem LWL zusammenzuarbeiten. «Mit den Rechenkünsten von Herrn Kirsch kommen wir da nicht weiter. Keinesfalls wird sich damit das Finanzproblem des Landschaftsverbandes lösen lassen», sagte der Kultur- Staatssekretär auf Anfrage. «Miteinander reden und sich nicht beschimpfen sollte in Zeiten der Finanzkrise die Devise auch eines Dr. Kirsch sein.»
Kirsch äußerte sich nicht nur zu den Kulturmitteln. Darüber hinaus seien nach Zahlen des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Rheinland viermal so hoch wie in Westfalen, zitierte er. «Diese einseitige Entwicklung zugunsten des Rheinlands dürfen wir nicht akzeptieren.» Kirsch führte als Positiv-Beispiel Bayern an. Dort sei gezielt das Dreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen gefördert worden, um ein Gegenstück zu dem prosperierenden Zentrum von München und Umgebung zu schaffen.
«Wenn man die beiden Landesteile weiter so auseinanderdriften lässt, wird die Musik nur noch an der Rheinschiene spielen», sagte der Landesdirektor. Westfalen drohe nicht nur in Kultur und Forschung an Bedeutung zu verlieren. Zahlreiche Verbandssitze seien auf Kosten von Münster und Dortmund in Düsseldorf konzentriert worden. «Die WestLB ist weiter in Stuttgart vertreten, aber nicht mehr in Westfalen.» |
























































