| Ikea ist reif fürs Museum |
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| Mittwoch, 04. November 2009 um 15:15 Uhr | ||
Von Carola Große-Wilde, dpa
Hamburg (dpa) - Am Eingang begrüßt die Besucher ein weißes «Klippan»-Sofa, hunderte von «Fenomen»-Kerzen auf den Stufen weisen den Weg in den 2. Stock und auch der Einkaufswagen mit Pappkartons darf nicht fehlen: Ikea ist reif fürs Museum. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigt von Freitag an bis zum 28. Februar eine Sonderausstellung rund um das schwedische Möbelhaus. «Jeder weiß, was Billy ist», sagte Museums-Direktorin Sabine Schulze am Mittwoch in Hamburg. «Ikea ist so im Bewusstsein der Menschen verankert, dass man auch mit Verfremdung und Ironie Effekte erzielen kann.» Zu sehen sind rund 250 Exponate, darunter Ikea-Produkte aus sechs Jahrzehnten und zahlreiche Beispiele der Massenproduktion.
Am Anfang stehen jedoch die «Vorläufer» der Ikea-Philosophie. «Schöne, praktische, preiswerte Möbel für alle!» «Wir gehen der Frage nach, inwieweit das Einrichtungsunternehmen die Idee vom "Demokratischen Design für alle" von Deutschen Werkbund, Bauhaus und deren Nachfolgern einlöst», sagte Kurator Nils Jockel. Zu sehen ist die berühmte Frankfurter Küche von 1926 und zahlreiche Design- Klassiker wie der «Stuhl der Stühle» von Michael Thonet (1796-1871), der Stahlrohrstuhl MR10 von Mies van der Rohe (1886-1969) und ein Modell für den Volkswagen von Ferdinand Porsche (1875-1951), der nach dem Zweiten Weltkrieg als Käfer auf den Markt kam.
«Ikea ist ein besonders gutes Beispiel, um Design zu vermitteln - und das ist unsere Aufgabe», sagte Jockel, der sich zahlreiche Schulklassen als Besucher wünscht. Neben Ikea-Klassikern wie «Billy», «Lack» und «Klippan» sind auch zahlreiche Objekte der experimentell angelegten «PS Kollektion» zu sehen, mit deren Designideen Ikea ein Signal gegen exklusive und hochpreisige Produkte setzte. Außerdem haben die Ausstellungsmacher das häufigste deutsche Wohnzimmer 2009 nach einer Erhebung von Jung von Matt (Hamburger Werbeagentur) nachgebaut und diesem ein Wohnzimmer mit den häufigsten Ikea-Möbeln gegenübergestellt - hell, bunt und funktional setzen viele Deutsche mit schwedisch gleich.
Mit Werbeslogans wie «Entdecke die Möglichkeiten!» habe Ikea den Einrichtungsstil ganzer Generationen geprägt. «Es gibt kaum ein Unternehmen, das einen solch kollektiv nachweisbaren Wunsch nach Umgestaltung ausgelöst hat», meinte Jockel. Außerdem sei ein Besuch bei Ikea auch immer gut für psychologische Studien. «Die meisten Paare kommen noch glücklich an. Später spielen sich dann oft mittelschwere Krisen bis zum Drama ab», sagte der Kurator. «Das ist Stoff für unendlich viele Kurzfilme». Mit dem «Bällebad für Erwachsene» können sich «alle frustrierten Eltern, die nie mit ins Smaland durften», einen Wunsch erfüllen.
Die Sonderschau «Non Ikea» widmet sich Reaktionen von internationalen Künstlern wie Thomas Schütte, Tobias Rehberger und Morten Steen Hebsgaard auf das Möbelhaus. So dient etwa das wichtigste Instrument des Ikea-Marketing, der alljährlich erscheinende Katalog, für die Arbeiten zweier Künstler als Vorlage. Jason Salavon dekonstruiert den Ikea-Katalog, indem er Texte und Produkte verschwinden lässt - übrig bleiben Farbarrangements, die an Mondrian, die niederländische Künstlergruppe De Stijl oder zeitgenössisches Grafikdesign erinnern. Der irische Künstler Ivan Twohig hat einen überdimensional großen Schädel aus Pappkartons und Ikea-Linealen gebastelt: «Ich wollte aus den Verpackungsmaterialien etwas Neues schaffen.» |

























































