| «The Wall Project»: Kunstaktion mit Berliner Mauer in L.A. |
|
|
|
| Donnerstag, 05. November 2009 um 12:46 Uhr | ||
Von Barbara Munker, dpa
Los Angeles (dpa) - Auf einem Original-Stück der Berliner Mauer hat der kalifornische Künstler Kent Twitchell ein riesiges Porträt von J.F. Kennedy gemalt. Bis Sonntag will er auf der ungewöhnlichen «Leinwand» noch ein fotorealistisches Abbild Ronald Reagans fertig stellen. Seine Mauerbilder sind Teil von «The Wall Project», einer Kunstaktion, mit der in Los Angeles des 20. Jahrestages des Berliner Mauerfalls gedacht wird. Zehn aus Berlin importierte Mauerstücke haben in der Westküstenmetropole entlang des viel befahrenen Wilshire Boulevards vorübergehend einen neuen Platz gefunden. Nach Angaben der Veranstalter handelt es sich weltweit um die längste Zeile der Berliner Mauer außerhalb der deutschen Hauptstadt.
Neben den historischen Blöcken wird am Sonntag eine 25 Meter breite, von über einem Dutzend Künstlern und Graffiti-Malern verzierte Mauer quer auf der mehrspurigen Verkehrsader deponiert, um die Straße symbolisch in zwei Teile zu trennen. Das Mauerwerk stammt von alten Autobahntrassen in Los Angeles und wurde von Bühnenbildnern zusammengesetzt. Um 22 Uhr Ortszeit, wenn in Deutschland aufgrund der Zeitverschiebung bereits der historische Gedenktag angebrochen ist, wird die Mauer errichtet. Nach Mitternacht soll sie von den Künstlern, Schaulustigen und prominenten Gästen wieder eingerissen werden. Die deutsche Sängerin Ute Lemper reist aus New York zu der Feier an, Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit schickt via Satellit eine Grußbotschaft in die kalifornische Partnerstadt.
«Die Berliner Mauer ist eine sehr wichtige Mahnung, dass uns die Freiheit geraubt wurde. Wir müssen wachsam bleiben und ständig für Freiheit kämpfen», meint der 67-jährige Twitchell. Er habe sich ohne Zögern dem «Wall Project» angeschlossen, erzählt der Muralist der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ihm sei gleich der Gedanke gekommen, Reagan und Kennedy quasi wie Brüder nebeneinander zu stellen, denn beide hätten trotz ihrer ideologischen Unterschiede den Abriss der Mauer verlangt.
Der in Berlin lebende Franzose Thierry Noir, der in den 1980er Jahren die Berliner Mauer mit seinen bunten Figuren bemalte, blieb seiner künstlerischen Handschrift treu. Auch die Mauer in Los Angeles inspirierte ihn zu großformatigen, dreifarbigen Gesichtern. «Der Stil ist geblieben, die Mauer ist gefallen, aber meine Mauerkunst lebt weiter», sagte Noir nach seiner Rückkehr nach Berlin auf Anfrage der dpa. «Es war viel wärmer und nicht einmal gefährlich», scherzte der 51-Jährige über seinen Einsatz in Kalifornien. «In Berlin war es eine tödliche Grenze und strengstens verboten, die Mauer zu bemalen». Seine hispanischen Kollegen zogen häufig den Vergleich mit der Grenzmauer zwischen Mexiko und den USA, meint Noir. «Die Berliner Mauer ist jetzt an der Grenze zu Kalifornien und die muss auch weg. Das sind die Reaktionen, die ich viel gehört habe.»
Prominente Künstler wie Noir, Twitchell und Shepard Fairey malten in den letzten Wochen Seite an Seite mit Kunst-Studenten, Straßenkünstlern und Graffiti-Malern. «Die Mauer hat für jeden eine andere Bedeutung», meint der Historiker und Ausstellungsleiter Justinian Jampol. «Für einige sind es unsichtbare Mauern in ihren Wohnghettos oder hohe Schutzwälle, hinter denen teure Villen stehen».
Der gebürtige Kalifornier leitet «The Wende Museum» in Los Angeles. Es beherbergt die größte Sammlung von Artefakten des Kaltes Krieges außerhalb Deutschlands, darunter Fotoalben von Grenzpolizisten, die kompletten Jahrgänge der Tageszeitung «Neues Deutschland» und Stasi-Überwachungskameras. Die Original-Mauerstücke, die sich das Museum in Berlin beschaffte, sollen nach Ende der Aktion dort ausgestellt werden. Twitchell, der Berlin noch nie besucht hat, war von seiner ersten Begegnung mit der Mauer tief ergriffen. «Ich musste mich zwingen, die historische Bedeutung einfach zu vergessen. Ansonsten hätte beim Malen meine Hand viel zu stark gezittert», räumt der Kalifornier ein.
Die gebürtige Ostdeutsche Gabriele Hayes war Mitte Oktober Augenzeugin, als die schweren Betonblöcke mit einem Kran vor einem Hochhaus auf dem Wilshire Boulevard aufgestellt wurden. «Da habe ich schon Gänsehaut bekommen, das war für mich sehr ergreifend», erzählt die 42-Jährige, die mit ihrem amerikanischen Mann in Dallas und Los Angeles ein Sprachunternehmen leitet. Im Oktober 1989, drei Wochen vor dem Mauerfall, hatte sie ihre ostdeutsche Heimat mit einem Ausreiseantrag verlassen dürfen. Hayes setzt große Stücke auf das «Wall Project» in Los Angeles. ««Einfach mal zu sehen, wie hoch die Mauer war und sich vorzustellen, wie sie Familien und Freunde so viele Jahre getrennt hat, das wird auf die Leute hier großen Eindruck machen». |
























































