| Oberschwäbischer Kunstpreis für Rupert Leser |
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| Sonntag, 08. November 2009 um 06:39 Uhr | ||
Bad Waldsee (dpa/lsw) - Der Fotograf Rupert Leser wird morgen (Sonntag/11.00) mit dem Oberschwäbischen Kunstpreis 2009 des Zweckverbands Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) ausgezeichnet. Die mit 15 000 Euro verbundene Auszeichnung erhält der 75-Jährige in Bad Waldsee (Kreis Ravensburg) für sein Lebenswerk. Leser hat sich seit den 60er Jahren vor allem als Sportfotograf international einen Namen gemacht. Über 30 Mal war er Preisträger der Foto-Wettbewerbe des Verbands Deutscher Sportjournalisten und bei zwölf Olympischen Spielen dabei. Trotz seiner vielen Reisen in alle Welt ist Leser heimatverbunden geblieben und hat die Landschaft, die Menschen und die Kultur Oberschwabens in seinen Fotografien eingefangen. Deshalb wird er auch das «Auge Oberschwabens» genannt.
Der Oberschwäbische Kunstpreis wurde 1951 ins Leben gerufen und geht erstmals an einen Fotografen. Frühere Preisträger waren unter anderem HAP Grieshaber, Ernst Jünger oder Martin Walser.
Kunstpreis für das «Auge Oberschwabens» Rupert Leser Von Lorenz Marquardt, dpa
Bad Waldsee (dpa/lsw) - «Ich will nicht, dass etwas passiert, aber wenn etwas passiert, dann will ichs haben». Diesen Wahlspruch hat Rupert Leser sein ganzes Berufsleben lang beherzigt. So auch, als am 9. November 1989 die Mauer fiel. Er griff seine Fototasche, steckte eine Zahnbürste ein und bestieg den nächsten Flieger nach Berlin. Es war passiert, was auch er sich nicht zu träumen gewagt hatte, und er war dabei gewesen. Der Bildberichter, wie er sich selbst gern nennt, ist am Sonntag in seinem Geburtsort Bad Waldsee (Kreis Ravensburg) für sein Lebenswerk mit dem Oberschwäbischen Kunstpreis 2009 des Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) ausgezeichnet worden. Die mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnung ging damit erstmals an einen Fotografen.
Leser ist eigentlich Sportfotograf und war bei zwölf Olympischen Spielen dabei. Diese Ereignisse, sagt er, seien für ihn nachhaltig und prägend für die Einordnung seiner oberschwäbischen Heimat in sein eigenes weltweites Koordinatensystem gewesen. Der gelernte Schriftsetzer genießt als Sportfotograf internationalen Ruf. Seine Arbeiten, die mit über 30 Preisen und zwei «Sportbildern» des Jahres ausgezeichnet wurden, finden sich in unzähligen einschlägigen Publikationen.
Doch der Weitgereiste hat nie den Blick für die Faszination des scheinbar Alltäglichen und die Menschen in Oberschwaben verloren. Je reifer die Arbeiten seines nahezu 50-jährigen Schaffens wurden, umso sensibler hat er die Veränderungen des kulturellen und bäuerlichen Lebens registriert und mit der Kamera festgehalten. Dazu gehören der Tippelbruder im Schnee, dem Leser auf dem Weg zur Arbeit nach Leutkirch begegnet ist, die Hände einer alten Frau, die im Schoß ihren sicheren Halt finden, oder die Grablegung eines Mönchs in der Kartause Marienau bei Schloss Zeil.
Nicht umsonst hat der Schriftsteller Peter Renz den Preisträger als das «Auge Oberschwabens» bezeichnet. Zahlreiche Bildbände über seine Heimat dokumentieren seine scharfe Beobachtungsgabe. Vor seiner Kamera standen aber auch die Großen dieser Welt, der Dalai Lama, Papst Johannes Paul II. oder John Lennon. Auch von großen Naturkatastrophen wie dem Erdbeben in Süditalien oder dem Felssturz im Veltlin hat Leser berichtet und Eindrücke von Tod und Vernichtung eingefangen.
Mit seinen Fotos hat er darüber hinaus politische Wirkung erzielt, etwa 1972 mit einer Bildreportage über die menschunwürdige Unterbringung der Patienten im Psychiatrischen Landeskrankenhaus Bad Schussenried (Kreis Biberach), die mitten in den Landtagswahlkampf hineinplatzte. Der Grund: Die Landesregierung hatte der Anstalt fest zugesagte Mittel für Neu- und Umbauten kurzfristig gesperrt. Ein Sturm der Empörung zog übers Land, und die dadurch aufgescheuchte Regierung gab das Geld flugs frei. Die Lage verbesserte sich in den folgenden Jahren nicht nur in Bad Schussenried, sondern in allen Psychiatrien des Landes nachhaltig.
Das fotografische Lebenswerk des knapp 76-Jährigen umfasst geschätzte 800 000 Bilder. Nach und nach will er sein Archiv an das «Haus der Geschichte» in Stuttgart übergeben und so der Nachwelt zugänglich machen. Tags: f
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