| Kunstwelle aus Istanbul schwappt nach Berlin |
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| Dienstag, 10. November 2009 um 17:41 Uhr | ||
Von Caroline Bock, dpa
Berlin (dpa) - Eine Frau, die ins Bordell spaziert oder sich im Dampfbad von einem Mann waschen lässt: Die türkische Künstlerin Sükran Moral traut sich was. Zu sehen sind ihre Videos in der Ausstellungsreihe «Istanbul Next Wave», die an diesem Donnerstag in Berlin öffnet. Damit präsentiert sich die Bosporus-Metropole erstmals mit ihrer Kunst in Europa als Kulturhauptstadt 2010. Zugleich feiern Berlin und Istanbul ihre 20-jährige Städtepartnerschaft.
«Es ist eine Ausstellung, die Istanbul von einer ganz neuen Seite in Deutschland vorstellt», sagt der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, am Dienstag. Regierungschef Klaus Wowereit, der sich als Bürgermeister einer «zum Teil türkischen Stadt» fühlt, schwärmt: «Ich freue mich, wie sich Istanbul entwickelt hat.» Sein Amtskollege Kadir Topbas sagt, seine Stadt gehöre zu den modernsten der Welt.
Wie lebendig die Kunstszene an der Schnittstelle von Orient und Okzident ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Die Biennale in Istanbul etwa zieht ein ähnliches Publikum an wie die Galerien in Berlin-Mitte. Die Bundesregierung plant am Bosporus ein Künstlerhaus, das mit der Villa Massimo in Rom vergleichbar ist. Kurator Johannes Odenthal erinnert an die berühmten Deutschen, die ihr Exil in der Türkei verbrachten. Unter ihnen waren der Architekt Bruno Taut und der spätere Berliner Bürgermeister Ernst Reuter.
«Istanbul Next Wave» (die nächste Welle) zeigt bis zum Januar gleich an drei Orten Ausstellungen. In der Akademie der Künste im Tiergarten steht politische Kunst im Mittelpunkt. Im Martin-Gropius- Bau sind in einer Überblicksschau 80 Werke aus dem Museum Istanbul Modern zu sehen. Die Zeitspanne der Arbeiten dort reicht von den 20er Jahre bis zur Gegenwart, vom impressionistischen Strandgemälde von Ibrahim Calli bis zur jungen Künstlerin Pinar Yolacan. Yolacan porträtiert Menschen, deren Haut sie in Fleischstücke wie Pansen oder Eingeweide hüllt.
In der Akademie der Künste am Pariser Platz präsentieren sich 17 Künstlerinnen. Der Titel «Boden unter meinen Füßen, nicht den Himmel» soll an die türkische Frauenbewegung und eine Demonstration von 1987 erinnern. Eine der Pionierinnen der feministischen Kunst, Ipek Duben (68), ist nach Berlin gereist. Für ihr Öl-Bild «Serife» (1981) hat sie sich von der Putzfrau ihrer Schwester inspirieren lassen. Duben durfte die Frau, die verschämt war, nur von hinten fotografieren. Schließlich stopfte sie Kleider mit Zeitungen aus, um ein Porträt zu schaffen, auf dem die Putzfrau gar nicht zu sehen ist. «Es hat 28 Jahre gedauert, bis die Kunstwelt es anerkannt hat», sagt Duben. |
























































