| Appell der Architekten zum Erhalt des Hamburger Gängeviertels |
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| Mittwoch, 11. November 2009 um 19:30 Uhr | ||
Hamburg (dpa/lno) - Mehr als 150 Hamburger Architekten haben den schwarz-grünen Senat aufgefordert, das von Künstlern besetzte Gängeviertel zu erhalten. In einem am Mittwoch veröffentlichen Appell plädieren sie an die Politik, «das Gängeviertel für die Künstler unter Einbeziehung ihres Nutzungskonzepts dauerhaft zu sichern». Die letzten Reste der Erinnerung dürften nicht auch noch ausgelöscht werden, sagte der Denkmalschützer und Architekt Horst von Bassewitz. «Hamburgs Finanzsituation wird durch das kleine Gängeviertel nicht besser oder schlechter», betonte er. Die Stadt habe es jetzt in der Hand, «die winzig kleine Insel» ihrer Geschichte zu retten, statt sie der Spekulation preiszugeben. Am frühen Abend wollten die Initiativen «Komm in die Gänge» und «Es regnet Kaviar» ihren Forderungen auf einer Kundgebung in der Innenstadt Nachdruck verleihen.
«Hamburg entwickelt sich und verändert sein Gesicht», heißt es in dem Appell der Architekten. Hamburg brauche jedoch auch Erinnerung. Die Reste des Neustädter Gängeviertels bilden mit ihren Höfen und engen Gassen ein Ensemble aus drei Jahrhunderten Baukultur. «Sie sind Zeuge der Dichte und Vielschichtigkeit der Bebauung der historischen Stadt wie auch der Wunden, die der Krieg hinterlassen», erklären die Architekten. Hamburg brauche zudem Platz für Kulturschaffende, für Existenzgründer, für ein innovatives Milieu. Hier müssten dauerhaft preisgünstige Räume gesichert werden. Junge Menschen dürften nicht das Gefühl haben, dass sie in Hamburg nur am Stadtrand oder als Konsumenten willkommen seien.
Historische Orte in Hamburg dürften nicht nur Touristenattraktionen sein, wie die Krameramtsgasse, sagte Michel-Hauptpastor Alexander Röder. Das Gängeviertel biete die Chance, das kulturelle Erbe zu erhalten und mit Leben zu erfüllen. «Wir erleben ganz stark den sozialen Wandel», gerade rund um den Michel, betonte der Pastor. Luxus- Sanierungen und teure Neubauwohnungen hätten die alten Mieter weitgehend vertrieben und auch junge Leute könnten es sich meist nicht mehr leisten, in der City zu wohnen. «Die Stadt muss auch die soziale Einheit wahren», forderte der Architekt Joachim Reinig.
Mehr als 200 Künstler besetzten sei Ende August leerstehende Häuser im Gängeviertel, um die denkmalwürdigen Gebäude zu retten und auf die Raumnot von Kulturschaffenden hinzuweisen. Daraus ist inzwischen eine breite Bewegung geworden, die unter dem Motto «Die Stadt gehört allen» für eine gerechtere Stadtentwicklung eintritt. Der holländische Investor Hanzevast will aus dem Gängeviertel ein Szene-Quartier mit Büros, Geschäften, Cafes und hochpreisigen Wohnungen machen. Tags: g
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