| Experten monieren Chaos bei Kulturförderung |
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| Donnerstag, 12. November 2009 um 19:36 Uhr | ||
Stuttgart (dpa/lsw) - In der Kulturförderung in Baden-Württemberg herrscht nach Ansicht des Landeskunstbeirat «zuviel Neben- und Durcheinander». Das Land müsse stärker ordnend durchgreifen, forderte der Beiratsvorsitzende Ernst Elitz am Donnerstag bei der Vorlage des Abschlussberichts des Expertengremiums mit insgesamt 20 Empfehlungen in Stuttgart. Falsch sei es etwa, die Kulturförderung auf sechs Ministerien zu verteilen. «Das ist nirgendwo anders so.» Da 90 Prozent der Förderung von der öffentlichen Hand komme, brauche es gerade in klammen Zeiten «kreative Zusammenarbeit auf allen Ebenen». Das Land brauche eine ständige Info-Plattform für die Szene.
ZUSTÄNDIGKEIT: Der Expertenrat empfiehlt, die Kulturförderung in maximal drei Ministerien zu konzentrieren. Staatsministerium, Kunstministerium und Finanzministerium müssten ausreichen, heißt es. Das schafften andere Länder auch. Noch hat in Baden-Württemberg zum Beispiel auch noch das Agrarministerium die Hände im Spiel, etwa wenn es um Kulturprojekte auf dem Land geht.
PREISE: Stiftungen, Kommunen und Landesregierung vergeben derzeit rund 230 Kulturpreise mit unterschiedlichen Dotierungen. Allerdings sei es bislang einzig dem Schiller-Gedächtnispreis gelungen, über die Grenzen des Landes nationale Bedeutung zu erwerben, monierte Elitz. Der kulturelle Anspruch des Landes werde nicht ausreichend erkennbar. Es müsse Schwerpunkte setzen und Staatspreise etwa für Literatur, Musik oder Bildende Kunst ausloben. Ein Innovationspreis Literatur könne klassische und neue Medien verbinden.
FESTIVALS: Leuchttürme der Festivalszene sind nach Ansicht der Experten die Musik der Jahrhunderte (Stuttgart), die Donaueschinger Musiktage, die Schwetzinger Festspiele und die Ludwigsburger Schlossfestspiele. Eine Expertengruppe müsse die künstlerische Wertigkeit und vor allem die Alleinstellung der anderen Festivals im Land und bundesweit prüfen, forderte Elitz, um danach die Landesförderung auszuschütten. Ausschlaggebend müsse stets die künstlerische Relevanz eines Festivals sein.
STIFTUNGEN: Rund 330 Stiftungen im Land widmen sich Zwecken der Kunst und Kultur. Geschätzte 16 Millionen Euro werden von ihnen regelmäßig für Kulturförderung ausgeschüttet. Vielfach seien die Aktivitäten der Stiftungen nur Experten bekannt, sagte Elitz. Und empfahl dem Land, ein «Kompetenzzentrum Kulturstiftungen» zu gründen, um die Stiftungsarbeit zu professionalisieren.
Dreieinhalb Jahre lang hatten die 17 Experten um Elitz die «hervorragende» Kulturszene des Landes durchleuchtet. Ihr Mahnung an die zum Sparen gezwungene Regierung: «Kulturförderung ist keine Kür, sondern eine Pflichtaufgabe», betonte Elitz. Kunststaatssekretär Dietrich Birk (CDU) kündigte an, die Ratschläge der Experten zu beherzigen - und in die neue Kunstkonzeption des Landes einzuarbeiten. Diese wolle er im Herbst 2010 dem Landtag vorlegen. |
























































