| „Alte Meister in der Sammlung Würth“ eröffnet – Bislang rund 60.000 Besucher |
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| Montag, 16. November 2009 um 18:16 Uhr | ||
Schwäbisch Hall. Mit der Ausstellung „Alte Meister in der Sammlung Würth“ ist im November 2008 die Johanniterhalle in Schwäbisch Hall feierlich wiedereröffnet worden. 60.000 Besucher im ersten Jahr geben beredtes Zeugnis von der Attraktivität des neuen Ausstellungshauses und seiner Dauerpräsentation, die im Kern aus dem ehemaligen Fürstlich Fürstenbergischen Bilderschatz Donaueschingen besteht und durch hochkarätige Neuerwerbungen ergänzt wurde. Zum ersten Jahrestag spielt am Sonntag, 22. November, 16 – 19 Uhr, das Mannheimer Brass Quintett festliche Musik. Der Museumshof im Weiler verwandelt sich in einen kleinen vorweihnachtlichen Markt mit adventlichen Dekorationen, einem echten Schokoladenbrunnen und anderem mehr.
Die Johanniterhalle trägt entscheidend zur Belebung der Schwäbisch Haller Altstadt bei. Sie wird als Dependance der nur unweit entfernten Kunsthalle Würth geführt.
Sie bietet ca. 350 Quadratmeter Grundfläche und etwa 150 laufende Meter Hängefläche und bildet nun die ideale Heimstatt für die Sammlung Alter Meister in der Sammlung Würth. Rückgeführt wurden zudem einige Exponate ihrer einstmals sakralen Ausstattung. Sie werden nun als Dauerleihgaben präsentiert. Wie schon das Museum Würth und die Kunsthalle Würth ist auch die Johanniterhalle von Dienstag bis Sonntag geöffnet. Der Eintritt ist frei.
2. Die Sammlung Den Kernbestand dieser Kollektion, die sich der Kunst des deutschen Südwestens – einschließlich des Bodenseeraumes und der Nordschweiz – vom ausgehenden Mittelalter bis zur beginnenden Neuzeit widmet, bildet der 2003 von Reinhold Würth erworbene ehemals Fürstlich Fürstenbergische Bilderschatz Donaueschingen. Die kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung dieses Konvoluts ist alleine schon deswegen so hoch einzuschätzen, weil die meisten Tafelbilder einer Zeit entstammen, aus der auf Grund des in Schwaben besonders radikal durchgeführten Bildersturmes nur äußerst selten Bilddokumente überliefert sind. Erhalten haben sich zum Beispiel die phänomenale Familie der Naturmenschen Lucas Cranachs d. Ä. und ein ganzes Konvolut aus seiner Werkstatt mit religiösen Szenen, profanen Lehrstücken und Portraits. Hervorzuheben sind aber auch ein um 1441/42 datiertes Konstanzer Bildnis des Ehepaares Wilhelm IV. Graf Schenk von Schenkenstein und Agnes Gräfin von Werdenberg-Trochtelfingen – das früheste bekannte Doppelporträt der altdeutschen Tafelmalerei – und zahlreiche Tafelbilder des Meisters von Meßkirch oder die Tafeln des Antonius-Retabels des Zürcher Veilchenmeisters. Eindrucksvoll ist darüber hinaus das markante „Porträt eines Herrn“ von Andreas Haider.
Sowohl auf dem Gebiet der Tafelmalerei als auch der Skulptur, etwa mit qualitätvollen Beispielen von Daniel Mauch, Tilman Riemenschneider oder dem näheren Umkreis des Hans Multscher, konnte dieser Bestand sinnstiftend ergänzt werden. Als Höhepunkte dürfen weitere Neuzugänge aus der Hand Lucas Cranachs d. Ä. gewertet werden. Es sind dies das um 1530 entstandene Bildnis einer reich geschmückten und in idealer Schönheit erstrahlenden heiligen Barbara in einer bewaldeten Landschaft, seine 1546 entstandene überaus lebendige Version des Gemäldes „Christus segnet die Kinder“ sowie die sinnliche Interpretation des Motivs „Adam und Eva. Der Sündenfall“, ebenfalls aus dem Jahr 1546. Als eindrucksvoll erweist sich auch die farbig gefasste Bildnisstudie des Pfalzgrafen Ottheinrich, Herzog von Pfalz-Neuburg, die der Portraitmaler Peter Gertner um 1535 in Nürnberg angefertigt hat. Gemeinsam mit den Werken des ehemals Fürstlich Fürstenbergischen Bilderschatzes bilden die Neuerwerbungen mit der profanierten Kirche eine glanzvolle Einheit.
Zur Ausstellung und Wiedereröffnung des Hauses erschienen Publikationen im Swiridoff-Verlag.
Für das kommende Jahr ist eine wissenschaftliche Vortragsreihe in Vorbereitung.
3. Die Johanniterhalle in den Augen der Besucher Welch Faszination die Johanniterhalle auf die Besucher aus vielen Ländern der Erde ausübt dokumentieren zahlreiche Einträge in das Gästebuch, das seit der Eröffnung aufliegt. Im Nachfolgenden einige Auszüge:
„Wir sind berührt und beeindruckt von dieser Ausstellung. Gratulation!“
„Wir, eine Gruppe von Studenten aus Indien und Thailand finden dieses Museum richtig toll und faszinierend. Wir haben die christliche Kirche wirklich gut kennen lernen können. Danke!“
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1. Die Johanniterhalle Die Johanniterhalle, ein säkularisiertes Kirchengebäude aus dem 12. Jahrhundert, zählt zu den herausragenden Kulturdenkmalen in Schwäbisch Hall. Ihre Sanierung umfasste den Einbau modernster Haus-, Sicherheits-, Klima- und Sanitärtechnik nach höchsten musealen Standards, sowie die denkmalgerechte Restaurierung des originalen liegenden gotischen Dachstuhls von 1400/01, der sich als ältester seiner Art in Süddeutschland erweist. Zahlreiche, in der wechselvollen Geschichte profaner Nutzung unsachgemäß hinzugekommene bauliche Ergänzungen mussten zunächst entfernt werden. Dekorelemente wurden freigelegt und gereinigt, die Natursteinfassade restauriert, die Gewölberippen des Chors und die Gewände der Maßwerkfenster im Innenraum konservatorisch behandelt und der Dachstuhl freigelegt werden, um das Gebäude wieder in seiner ursprünglichen Gestalt, Schönheit und Qualität erlebbar werden zu lassen. Ein moderner Anbau aus Glas, Stahl und regionalem Sandstein erfüllt alle notwendigen Anforderungen zur Besucherlogistik für ein Museum. Dieser in zeitgemäßer Formensprache ausgeführte Kubus respektiert die Dominanz der historischen Johanniterkirche. Der neue Baukörper bleibt in seiner Höhe deutlich unter der Trauflinie des Kirchenbaus. Der Rücksprung der Glasfuge ermöglicht die Sichtbarlassung der Eckquaderung an der Nordwestecke der Kirche. Dadurch und durch die Transparenz der Eingangsfassade des Anbaus bleibt das historische Baudenkmal in seinen ursprünglichen Abmessungen weiterhin erlebbar. Verantwortlich für den Neubau zeichnet das Stuttgarter Architekturbüro Erich H. Fritz.